Eine Frau steht vor dem Gebäude des China Central Television (CCTV) | Bildquelle: REUTERS

China Masterplan gegen den Smog

Stand: 16.11.2017 11:40 Uhr

Die dreckige Luft in China erreicht immer wieder Rekordwerte, jetzt greift das Land zu drastischen Maßnahmen: Fabriken und Baustellen sollen stillgelegt werden, Millionen Haushalte nicht mehr mit Kohle heizen.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

In Peking leben die Menschen damit, auf den Wind zu achten. Denn der Wind hat Einfluss auf die Luftqualität. Südwind ist schlecht, der drückt den Smog gegen die Berge. Nordwind ist gut, die verschmutzte Luft kann in den Süden abziehen.

Aber auf den Wind ist kein Verlass. Der Kampf gegen den Smog müsse mit anderen Mitteln geführt werden und sei in den vergangenen Jahren in China durchaus erfolgreich gewesen, sagt Ma Jun, Direktor des unabhängigen Pekinger Umweltinstituts IPE. Die Werte für die Luftqualität hätten sich im Durchschnitt zwar um knapp ein Drittel verbessert, verglichen mit dem Negativrekord in 2013. "Aber jedes Jahr im Herbst und im Winter kommen viele Faktoren zusammen. Dann trifft der Smog wieder mit voller Wucht auf Peking und Umgebung. Das zeigt, dass wir mehr tun müssen, um die Luftverschmutzung zu bekämpfen", sagt Ma.

Masterplan für den Winter

Deshalb gibt es nun zum ersten Mal einen Masterplan für die Wintersaison. Und nicht nur für Chinas Hauptstadt Peking sondern gleich für ganz Nordchina. Um 15 Prozent sollen die Luftverschmutzungswerte im Vergleich zum Vorjahreswinter sinken. Gemessen wird von Mitte Oktober bis Mitte März. Jetzt, Mitte November, greifen die verschiedenen Maßnahmen, sagt Lauri Myllyvirta von Greenpeace Ostasien in Peking.

Die zentralen Maßnahmen für diesen Winter seien zunächst die Begrenzung der Produktion von Eisen, Stahl und Aluminium. Im Winter müssen die meisten Fabriken ihre Produktion halbieren. Die Zementfabriken in Peking, Tianjin und 26 anderen Großstädten in Nordchina sollen vorübergehend ganz schließen. Betroffen seien insgesamt 25 Prozent der chinesischen Stahlproduktion und zehn Prozent der Zementproduktion. Dazu verschärfen die zentralen Umweltbehörden ihre Inspektionen von Fabriken.

3,5 Millionen Haushalte sollen weg von der Kohle

Die Lokalregierungen in China ignorieren aus wirtschaftlichen Gründen oft die Umsetzung der strengeren Umweltauflagen, damit soll Schluss sein. Und damit die Lokalregierungen weniger zu sagen haben, gibt es im Rahmen des Winter-Aktionsplans gleich ein neues Umweltamt für die Großregion Peking, Tianjin und Hebei.

Chinesen in Peking laufen mit Atemmasken durch die Straßen
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Atemmasken sollen gegen die dicke Luft helfen.

Und damit nicht genug. Lauri Myllyvirta von Greenpeace Ostasien sagt: "Wirklich wichtig ist auch der Versuch, das Kochen und Heizen mit Kohle in Nordchina zu ersetzen - mit Elektrizität oder Gas. Dazu gibt es auch noch große Beschränkungen für Baustellen und den Betrieb schwerer LKW. Damit soll vor allem die Nachfrage nach Produkten aus der Schwerindustrie gesenkt werden." 3,5 Millionen Privathaushalte sollen allein in diesem Winter umgerüstet werden - weg von der Kohle.

Industrie ist größter Verschmutzer

Aber der größte Verschmutzer bleibt die Schwerindustrie in Nordchina. Sie ist für 40 bis 50 Prozent der Feinstaubbelastung in der Region verantwortlich. Mit den Beschränkungen für die großen Fabriken ziele der Masterplan deshalb in die richtige Richtung, sagt Umweltexperte Ma. Die Region Peking, Tianjin und Hebei verbrenne 400 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Die südliche Nachbarprovinz Shandong nochmal so viel. Allein diese beiden zusammen verbrennen so viel Kohle wie die USA insgesamt, sagt Ma. Man müsse hier die ganze Industrie umstrukturieren, um den Kohlekonsum in der Region wirklich zu reduzieren.

China ist eines der Länder, das am meisten CO2 ausstößt. Eine Folge: Smog-Alarm vor einer Woche.
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Industrie erzeugt bis zu 50 Pozent der Feinstaubbelastung.

Denn nur dann wird der Kampf gegen den Smog auch dauerhaft erfolgreich. China sieht sich zum Handeln gezwungen, der Aufwärtstrend seit 2013 ist zuletzt ins Stocken geraten. Die Werte der Luftverschmutzung für 2017 verheißen keine Besserung im Vergleich zum Vorjahr. Die Winteroffensive in Nordchina im Kampf gegen den Smog soll es jetzt rausreißen und die Bilanz aufbessern.

Kampf gegen den Smog: Aktionsplan für Nordchina
Axel Dorloff, ARD Peking
16.11.2017 09:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. November 2017 um 10:38 Uhr.

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