Polizisten stehen vor brennenden Zelten in Brezice, Slowenien. | Bildquelle: REUTERS

Dramatische Lage in Slowenien Verzweifelte Flüchtlinge zünden Zelte an

Stand: 21.10.2015 12:58 Uhr

Trotz Kälte und Nässe suchen Tausende Flüchtlinge einen Weg über die Balkanroute. In ihrer Verzweiflung durchqueren sie sogar Flüsse mit eisigem Wasser. Im überfüllten slowenischen Aufnahmelager Brezice eskalierte die Lage.

Die Verzweiflung der an verschiedenen Stellen der Balkanroute festsitzenden Flüchtlinge wächst. Am Vormittag zündeten einige von ihnen Zelte im überfüllten slowenischen Aufnahmelager Brezice an. Die Feuerwehr konnte den Brand rasch löschen. Die Flüchtlinge säßen fest und hätten größtenteils unter freiem Himmel übernachten müssen, berichtete ARD-Korrespondent Till Rüger aus Brezice.

"Es sind wirklich schlimme Bedingungen, unter denen die Menschen hier untergebracht worden sind", fügte er hinzu. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International habe bestätigt, dass die Flüchtlinge nur ein oder zwei Mal pro Tag mit kalten Lebensmitteln versorgt worden seien und auch zu wenig Wasser bekommen hätten. "Deshalb haben anscheinend mehrere gleichzeitig an verschiedenen Stellen drei oder vier Zelte angezündet", so Rüger. Dies sei aus Protest geschehen.

Eine Helferin vom Roten Kreuz verteilt Brot | Bildquelle: dpa
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Amnesty International hat bestätigt, dass die Flüchtlinge nur ein oder zwei Mal pro Tag ...

Eine Helferin vom Roten Kreuz verteilt Wasser | Bildquelle: dpa
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... mit kalten Lebensmitteln versorgt worden seien und auch zu wenig Wasser bekommen hätten.

Slowenien setzt Militär ein

Nachdem das slowenische Parlament dem Einsatz des Militärs zugestimmt hatte, rückte die Armee auch in Brezice mit Panzerwagen an. Die Soldaten sollen einerseits bei der Sicherung der Grenze eingesetzt werden und andererseits die Polizei bei ihren Aufgaben unterstützen. Die Lage im Aufnahmelager habe sich aber vor allem dadurch beruhigt, dass den Flüchtlingen zugesichert worden sei, noch im Laufe des Tages mit Bussen an die Grenze zu Österreich gebracht zu werden, sagte Rüger.

Inzwischen habe die Polizei damit begonnen, das Lager in Brezice aufzulösen, berichtete Rüger mittlerweile. Offiziell heißt es demnach, dass nach dem Brand das Lager nicht mehr nutzbar sei. Die Menschen werden mittlerweile in Bussen weggebracht - wahrscheinlich in Richtung Österreich.

Lage der Flüchtlinge auf der Balkanroute verschärft sich
tagesschau 17:00 Uhr, 21.10.2015, Susanne Glass, ARD Wien

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Etwa 1500 Männer, Frauen und Kinder kamen in der Nacht über die grüne Grenze von Kroatien nach Slowenien und durchquerten dabei auch einen Fluss, dessen Wasser acht Grad kalt war. Die Flüchtlinge waren von den kroatischen Behörden mit einem Zug zu einem Feld in der Nähe der Grenze gebracht worden. Auf der slowenischen Seite wurden die Menschen von der Polizei auf einem 15 Kilometer langen Fußweg zu einem Aufnahmelager begleitet.

Tausende auch an serbisch-kroatischer Grenze

Slowenien sieht sich nach eigener Einschätzung in der Lage, pro Tag bis zu 2500 Flüchtlinge einreisen zu lassen, zu registrieren und nach Österreich zu bringen. Sloweniens Grenze zu Kroatien ist 670 Kilometer lang.

Kroatien, das selbst mit Tausenden Flüchtlingen konfrontiert ist, die über die Balkanroute in Richtung Westeuropa unterwegs sind, kommt dem slowenischen Wunsch nach einer Begrenzung der Zahl durchgelassener Flüchtlinge bislang nicht nach. Allerdings versucht es seinerseits, die Einreise von Flüchtlingen aus dem Nachbarland Serbien zu begrenzen. Etwa 3500 Menschen verbrachten die vergangenen Nacht in Serbien vor dem geschlossenen Übergang Berkasovo/Bapska an der Grenze zu Kroatien. Mittlerweile seien diese Flüchtlinge aber ins Land gelassen worden, teilte die kroatische Regierung mit.

Fluchtwege nach Europa: Slowenien
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Die Karte zeigt die alternative Route durch Kroatien und Slowenien nach Österreich nach der Schließung der ungarischen Grenze.

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