Polizisten stehen vor dem Haus, in dem der slowakische Investigativ-Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte ermordet wurden. | Bildquelle: AFP

Mord in der Slowakei Investigativ-Journalist erschossen

Stand: 26.02.2018 14:45 Uhr

Er hatte über Fälle von mutmaßlichem Steuerbetrug berichtet - jetzt ist der slowakische Journalist Kuciak tot. Er und seine Verlobte wurden in ihrem Privathaus erschossen.

Von Kilian Kirchgeßner, ARD-Studio Prag

Aufgefallen ist der Mord, weil sich der Journalist und seine Verlobte seit Tagen nicht mehr gemeldet hatten. Zwischen Donnerstag und Sonntag müsse sich die Tat ereignet haben, sagte die Polizei auf einer spontan einberufenen Pressekonferenz. Jetzt wurden die beiden Toten in ihrem Haus gefunden.

Mit Informationen hält sich Polizeipräsident Tibor Gaspar mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zurück. Nur soviel: "Sie wurden getötet mit Schüssen in Brust und Kopf. Die Tatort-Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, bislang wurde keine Waffe gefunden." Wahrscheinlich hänge der Mord mit der journalistischen Tätigkeit von Jan Kuciak zusammen.

Jan Kuciak
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Der slowakische Enthüllungsjournalist Jan Kuciak - laut Polizei wurde er mit Schüssen in Brust und Kopf getötet.

Zusammenhang mit laufender Recherche?

Es waren hochsensible Fälle, mit denen sich der ermordete Journalist beschäftigt hatte. Vor allem um Steuerbetrug im großen Stil ging es dabei. Die mutmaßlichen Täter, denen er auf die Schliche kam, waren Unternehmer mit engen Verbindungen zur Politik und offenbar auch zur organisierten Kriminalität. Kuciak war auch an den "Panama Papers" beteiligt, in denen es um Steueroasen ging.

Der 27-jährige Investigativreporter erstattete bereits vor einigen Monaten Anzeige, weil er telefonisch unter Druck gesetzt worden sei. Weil die Polizei offenbar dennoch untätig blieb, gerät jetzt auch sie unter Druck.

Der slowakische Premierminister Robert Fico spricht vor einem EU-Gipfel in Brüssel mit Journalisten. | Bildquelle: AP
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Ministerpräsident Robert Fico sieht einen "beispiellosen Angriff auf die Pressefreiheit in der Slowakei".

Polizeipräsident Gaspar gab bekannt, dass ab sofort mehrere slowakische Journalisten von der Polizei geschützt würden - vor allem Reporter der Internetzeitung, für die der Ermordete gearbeitet hatte: "Zunächst einmal geht es um einen nächtlichen Schutz an ihrem Wohnort. Auf absehbare Zeit werden wir sie mit Panik-Knöpfen ausstatten und weiteren technischen Mitteln, die einen schnellen Polizeieinsatz ermöglichen, wenn sich etwas Verdächtiges ereignet."

In der Slowakei weckt der Fall Erinnerungen an die frühen 1990er-Jahre, als mehrfach Reporter brutal zusammengeschlagen wurden. Einen Mord an Journalisten hat es in der Geschichte des Landes allerdings noch nicht gegeben. Die Polizei kündigte an, alle verfügbaren Kräfte auf den Fall anzusetzen.

Investigativ-Journalist in der Slowakei erschossen
Kilian Kirchgeßner, ARD Prag
27.02.2018 18:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Februar 2018 um 15:00 Uhr.

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