Dmitri Medwedjew | Bildquelle: dpa

Drohende US-Sanktionen Medwedjew warnt USA vor Wirtschaftskrieg

Stand: 10.08.2018 12:08 Uhr

Nach neuen US-Sanktionsankündigungen gegen Russland im Fall Skripal wird der Ton zwischen beiden Ländern schärfer: Russlands Ministerpräsident Medwedjew warnt vor einem "Wirtschaftskrieg" mit unabsehbaren Folgen.

Die neuen Sanktionsankündigungen der USA gegen Russland im Fall Skripal rufen in Moskau deutliche und scharfe Reaktionen hervor. Jetzt meldet sich Russlands Ministerpräsident Dimitri Medwedjew zu Wort und warnte vor der Einführung weiterer Sanktionen: "Ich kann eines sagen: Wenn es zum Verbot von Bankgeschäften oder des Gebrauchs der einen oder anderen Währung kommt, wäre das eindeutig die Ausrufung eines Wirtschaftskriegs", zitierte die Nachrichtenagentur Tass Medwedjew.

Darauf müsse Russland mit wirtschaftlichen, politischen oder anderen Mitteln reagieren. "Und unsere amerikanischen Freunde müssen das verstehen." Weitere Details nannte er nicht.

US-Sanktion sollen in zwei Wochen in Kraft treten

Die USA hatten am Mittwoch neue Sanktionen gegen Russland angekündigt. Hintergrund ist der Fall des in Großbritannien vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal. Großbritannien und Washington machen Moskau dafür verantwortlich. Russland bestreitet, in den Fall verwickelt zu sein.

Die Strafmaßnahmen sollen in etwa zwei Wochen in Kraft treten. Die Sanktionen sollen Exportgüter aus den Bereichen Elektronik, Laser, Sensoren sowie Öl- und Gastechnologie betreffen.

Bereits zuvor hatten die USA Sanktionen gegen Russland in dem Fall verhängt. Unter anderem hatten die USA und mehrere westliche Staaten russische Diplomaten ausgewiesen. Der Kreml reagierte seinerseits mit der Ausweisung von Diplomaten.

Am 4. März war auf den Ex-Agenten Skripal und seine Tochter Julia im südenglischen Salisbury ein Anschlag mit dem Kampfstoff Nowitschok verübt worden. Beide überlebten nur knapp.

Ermittlungen zu Sergej Skripal | Bildquelle: AP
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Im März wurden die Skripals bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden.

Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder damit. Der Kreml wies die Vorwürfe zurück. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Anfang Juli war ein Paar in Amesbury, unweit von Salisbury, ebenfalls mit Nowitschok in Berührung gekommen. Die Frau starb, ihr Mann wird weiter im Krankenhaus behandelt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar versehentlich mit dem Nervengift in Berührung gekommen war.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. August 2018 um 12:00 Uhr.

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