Sergej Lawrow  | Bildquelle: imago/ITAR-TASS

Nach Skripal-Attentat Auch Russland will Diplomaten ausweisen

Stand: 16.03.2018 10:58 Uhr

Als Reaktion auf die Ausweisung von Diplomaten aus Großbritannien wegen des Giftanschlags will Russland seinerseits britische Diplomaten ausweisen. Außenminister Lawrow nannte aber weder Zeitpunkt noch Anzahl.

Russland wird nach Angaben von Außenminister Sergej Lawrow auf die Ausweisung von Diplomaten aus Großbritannien mit ähnlichen Schritten reagieren. "Natürlich werden wir das tun", sagte er auf die Frage, ob Russland ebenfalls britische Diplomaten ausweisen werde.

Wann Russland diesen Schritt gehen werde und wie viele Diplomaten betroffen seien, sagte Lawrow nicht. Der russische Botschafter in Großbritannien, Alexander Jakowenko, kündigte an, sein Land werde "maximalen Druck" auf die britische Regierung ausüben. Bereits zuvor hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow mitgeteilt, Außenministerium und andere Behörden schlügen Schritte vor; die endgültige Entscheidung werde dann Präsident Wladimir Putin treffen.

"Warum fragen wir den Betroffenen nicht selbst?"

Lawrow plädierte dafür, bei den Untersuchungen um den Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal auf eine mögliche Aussage des Opfers zu warten. "Warum fragen wir nicht einfach den Betroffenen selbst, wenn es ihm hoffentlich besser geht", sagte er. "Wahrscheinlich kann er am ehesten Aufschluss über vieles geben, was an jenem Tag passiert ist, als die Tragödie geschah."

Lawrow kritisierte zudem die Rhetorik des britischen Verteidigungsministers Gavin Williamson. "Wahrscheinlich will er mit seinen groben Worten in die Geschichte eingehen", so der Außenminister. Williamson hatte zuvor gesagt, Russland solle "weggehen und die Klappe halten."

Paris, Berlin und Washington an der Seite Londons

Die britische Regierung hatte vor zwei Tagen angekündigt, dass 23 russische Diplomaten eine Woche Zeit hätten, das Land zu verlassen. Hintergrund ist der Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter. Russland hatte ein britisches Ultimatum zur Aufklärung des Attentats verstreichen lassen. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

Deutschland, Frankreich und die USA hatten sich hinter Großbritannien gestellt und Aufklärung von Moskau gefordert. "Es handelt sich um einen Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs", betonten die Staats- und Regierungschefs aller vier Länder in einer gemeinsamen Erklärung. "Ein solches Vorgehen verletzt eindeutig die Bestimmungen des Chemiewaffenübereinkommens und das Völkerrecht. Es bedroht unser aller Sicherheit."

Sie forderten Russland auf, "zu allen Fragen Stellung zu nehmen", die mit dem Anschlag verbunden seien. Moskau trage mit "hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung", es gebe "keine plausible alternative Erklärung".

Der britische Außenminister Johnson | Bildquelle: AFP
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Der britische Außenminister Johnson sieht hinter dem Angriff auf Skripal ein Motiv.

Johnson: "Leugnen und gleichzeitig rühmen"

Der Anschlag im englischen Salisbury ist nach Ansicht des britischen Außenministers Boris Johnson als eine Warnung an russische Agenten gedacht gewesen. Russland habe damit klarmachen wollen, dass es sich an denjenigen rächen werde, die mit dem Gedanken spielten, sich dem russischen Staat zu widersetzen, sagte er der BBC. Auch in der "selbstgefälligen, sarkastischen Reaktion" aus Moskau nach dem Anschlag auf Skripal und seine Tochter sei eine Botschaft versteckt, sagte Johnson. Die russische Führung wolle den Angriff leugnen und sich damit gleichzeitig rühmen.

Die britische Regierung will nun internationalen Experten eine Analyse des Nervengifts ermöglichen, mit dem Skripal angegriffen worden sein soll. Wie Johnson in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb, solle der Organisation für das Verbot chemischer Waffen die Möglichkeit gegeben werden, die Ergebnisse der britischen Ermittler zu überprüfen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. März 2018 um 07:21 Uhr.

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