Theresa May  | Bildquelle: AFP

Giftanschlag auf Ex-Spion Was Russland droht

Stand: 14.03.2018 10:35 Uhr

Russland hat auf das Ultimatum im Fall Skripal nicht reagiert. Die britische Regierung kündigte in diesem Fall eine entschlossene Antwort an. Aber welche Möglichkeiten hat London?

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Das Ultimatum ist abgelaufen. Moskau hat - das ist keine Überraschung - die geforderten Erklärungen für den Nervengift-Anschlag auf Sergej Skripal und seine Tochter Julia nicht geliefert.

Die britische Regierung hat für diesen Fall eine robuste und entschlossene Antwort angekündigt. Einzelheiten teilte sie bisher nicht mit. Es wird aber allgemein erwartet, dass sie nun sehr rasch in einem ersten Schritt russische Botschaftsangehörige aus London ausweist.

Julie Kurz, ARD London, zum verstreichen des britischen Ultimatums
tagesschau 12:00 Uhr , 14.03.2018

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Kommen Einreiseverbote?

Dabei wird es aber voraussichtlich nicht bleiben. Denkbar ist unter anderem, dass russische Vermögen in Großbritannien eingefroren werden und es auch zu Einreiseverboten für Russen kommt. London ist bei russischen Oligarchen beliebt, für die Anlage großer Vermögen in Immobilien und Finanzwerten, aber auch als Lebensmittelpunkt ihrer Familien.

Der britische Außenminister Boris Johnson hatte außerdem einen Boykott der Fußball-WM in Russland im Sommer ins Gespräch gebracht - nicht durch das englische Team, das sich qualifiziert hat, aber durch britische Politiker und Repräsentanten, wie zum Beispiel Prinz William, der Präsident des englischen Fußballverbandes ist.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

"Dreister Mordanschlag"

Johnson kündigte noch einmal eine angemessene, aber robuste Reaktion an: "Dieses ist ein dreister Mordanschlag auf unschuldige Menschen auf britischem Boden", sagte er. "Es ist hoch wahrscheinlich, dass der russische Staat daran beteiligt ist." Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sei auf europäischem Boden ein Nervenkampfstoff eingesetzt worden.

Der Außenminister und auch die Premierministerin organisierten in zahlreichen Telefonaten die Unterstützung der westlichen Verbündeten. Aus Washington, Berlin und Brüssel, von der EU und von der NATO, kam Unterstützung für die Briten.

Polizeiarbeit in Salisbury | Bildquelle: REUTERS
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Spurensuche im Fall Skripal: Wer wollte den Ex-Agenten töten?

Gespräche mit Trump und Merkel

Theresa May sprach zunächst mit Angela Merkel, die den Anschlag verurteilte und erklärte, sie stehe eng an der Seite der Briten. Sie sprach auch mit Donald Trump. Der US-Präsident erklärte, nach dem, was er gehört habe, steckten die Russen hinter der Nervengiftattacke in Salisbury.

Vertreter der russischen Regierung bezeichneten die Anschuldigungen dagegen als Unfug und forderten Einsicht in die Untersuchungsergebnisse der britischen Ermittler.

Nach deren Erkenntnissen sind der frühere russische Doppelagent und seine Tochter Julia am 4. März in Salisbury mit einem Nervengift vom Typ Nowitschok vergiftet worden, einer der tödlichsten je erfundenen chemischen Kampfstoffe, der in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Sowjetunion produziert wurde.

London will RT überprüfen

Die britische Medienaufsicht Ofcom hat eine Überprüfung der Lizenz des russischen TV-Kanal RT (früher Russia Today) angekündigt. Russland drohte in diesem Fall ebenso mit Schritten. "In unserem Land wird kein britisches Medium mehr arbeiten, wenn RT geschlossen wird", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Russland werde gegen britische Medien vorgehen, "dass ihnen Hören und Sehen vergeht", sagte auch Vize-Kommunikationsminister Alexej Wolin.

Wie wurde das Nervengfit aufgenommen?

Wie Skripal und seine Tochter das Nervengift aufgenommen haben, ist immer noch unklar. Sie liegen weiter im Krankenhaus. Ihr Zustand ist nach wie vor kritisch. Auch ein Polizeibeamter wird dort weiter stationär behandelt.

Die Anti-Terror-Einheit der britischen Polizei untersucht auch noch den Tod eines weiteren Exil-Russen, der am Sonntagabend in New Malden, südlich von London in seiner Wohnung tot aufgefunden worden war.

Es ist unklar, ob er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Darüber hinaus kündigte das britische Innenministerium an, 14 Todesfälle von Exilrussen aus den vergangenen Jahren neu aufzurollen.

Londons Ultimatum läuft ab
Jens-Peter Marquardt, ARD London
14.03.2018 09:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 14. März 2018 NDR Info um 07:08 Uhr und die tagesschau um 09:15 Uhr.

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