Ermittlungen Skripal | Bildquelle: REUTERS

Nach Giftanschlag auf Ex-Spion London droht, Moskau schweigt

Stand: 13.03.2018 18:19 Uhr

In wenigen Stunden läuft das Ultimatum der Briten an Russland aus: Wenn Moskau dann nicht erklärt, wie es zur Vergiftung des Doppelagenten Skripal gekommen ist, soll es eine "robuste Antwort" Londons geben.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Die Uhr tickt - Londons Ultimatum an Moskau läuft um Mitternacht ab. Außenminister Boris Johnson sendete heute noch einmal eine klare Botschaft an Russlands Präsidenten Wladimir Putin: Die Russen müssten bis Mitternacht erklären, wie es zum Einsatz des Nervengifts vom Typ Nowitschok in Salisbury gekommen sei.

Wenn sie das nicht täten, würde es aus London eine robuste und entschlossene Antwort geben: "Es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, wie schwerwiegend das ist, was hier passiert ist, und wie empört die britische Regierung über diesen Einsatz von Nervengift und chemischen Waffen auf britischem Boden ist. Unsere Antwort wird angemessen sein, aber robust."

Briten verdächtigen Russland im Fall Skripal
nachtmagazin 00:35 Uhr, 14.03.2018, Julie Kurz, ARD London

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Der britische Außenminister war heute damit beschäftigt, internationale Unterstützung für das Vorgehen gegen Russland zu organisieren. Johnson war anschließend ermutigt, nachdem sich zum Beispiel der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel solidarisch gezeigt hatten. Auch US-Außenminister Rex Tillerson hatte den Briten zu diesem Zeitpunkt Unterstützung signalisiert - kurze Zeit später war er aber nicht mehr im Amt. Stattdessen meldete sich Präsident Donald Trump persönlich mit den Worten, für ihn höre sich das tatsächlich so an, als stünde Moskau hinter dem Nervengiftanschlag.

Moskau dementiert

Moskau nennt das alles Quatsch und wird den Briten bis Mitternacht keine Erklärung für den Nervengiftanschlag in Salisbury liefern. Innenministerin Amber Rudd wollte am Nachmittag, nach einer weiteren Sitzung des Sicherheitskabinetts, aber noch nicht sagen, welche Sanktionen die britische Regierung daraufhin beschließen werde - man erwarte jetzt die russische Antwort und freue sich über die Unterstützung der internationalen Alliierten, so die Innenministerin.

Russland streitet Beteiligung an Giftanschlag ab
tagesschau 20:00 Uhr, 13.03.2018, Udo Lielischkies, ARD Moskau

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Nach dem Polonium-Anschlag 2006 auf den früheren russischen Geheimdienstmitarbeiter Alexander Litwinenko in London begannen die Maßnahmen gegen Moskau mit einer Ausweisung russischer Botschaftsangehöriger. Jetzt ist unter anderem im Gespräch, die Vermögen kremlfreundlicher Russen in Großbritannien einzufrieren und Einreiseverbote zu verhängen. Diskutiert wird auch, keine staatlichen Repräsentanten und Funktionäre zur Fußball-WM nach Russland reisen zu lassen.  

Tathergang bleibt unklar

Ein Scotland-Yard-Sprecher konnte auch heute nicht sagen, wie Sergej Skripal und seine Tochter Julia mit dem Nervengift vom Typ Nowitschok in Kontakt gekommen sind. Er teilte lediglich mit, dass Julia Skripal am Samstag, dem 3. März, aus Moskau nach London geflogen sei. Am Sonntag sei sie in Salisbury zusammen mit ihrem Vater zunächst in einen Pub gefahren und habe dann mit ihm in einem italienischen Restaurant gegessen. Anschließend habe man die beiden vergiftet und apathisch auf einer Parkbank gefunden. Beide liegen weiterhin in einem kritischen Zustand im Krankenhaus. Auch ein Polizist wird dort weiter stationär behandelt.

Das Nervengift vom Typ Nowitschok wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren in Russland entwickelt und gilt als einer der tödlichsten je erfundenen chemischen Kampfstoffe.  

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Über dieses Thema berichteten am 13. März 2018 die tagesschau um 20:00 Uhr und das Nachtmagazin um 00:40 Uhr.

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