F16 der US-Luftwaffe | Bildquelle: AFP

Rüstungsgeschäfte Die Welt kauft wieder mehr Waffen

Stand: 11.12.2017 00:01 Uhr

Fünf Jahre lang gingen die Waffenverkäufe auf der Welt zurück - doch angesichts politischer Spannungen hat sich der Trend umgekehrt, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI verzeichnet. Die meisten Geschäfte entfallen dabei auf Rüstungsfirmen aus den USA.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

So groß die Summen, so verschwiegen die Branche: Im Rüstungsgeschäft werden Milliarden bewegt, viel darüber geredet wird nicht. Allein 2016 summierten sich die Geschäfte der 100 größten Rüstungsunternehmen der Welt auf fast 375 Milliarden US-Dollar - ein Anstieg um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr und 38 Prozent seit dem Jahr 2002. So ist es nachzulesen in einer neuen Untersuchung des schwedischen Friedensforschungsinstitutes SIPRI.

Zahlen über China unbekannt

Das tatsächliche Volumen dürfte sogar noch deutlich größer ausfallen, denn über eine Nation, die im globalen Geschäft mit Waffen und Militärgerät auch weit vorne mitmischt, können die Forscher keine Aussagen treffen: über China. Der Irak etwa beschaffte sich bewaffnete Drohnen aus Peking, der Iran Raketentechnik, mehrere Länder Lateinamerikas Flugzeuge und Radargeräte und auch mit Sturmgewehren, Panzern und Schiffen drängt China in den Markt.

Militärparade in Peking
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Über Chinas Rüstungsindustrie ist - trotz Militärparaden - wenig bekannt.

In Peking interessiert man sich dabei nach Angaben von Branchenkennern wenig dafür, was die Käufer mit dem gelieferten Gerät letztlich machen oder an wen sie die Waffen gegebenenfalls weiter verkaufen. Das macht Geschäfte mit China auch für Länder mit fragwürdigen Menschenrechtsstandards besonders interessant. Belastbare Geschäftszahlen gibt es für China nicht, sagen die SIPRI-Forscher. Doch etliche Rüstungsschmieden des Landes rangieren - basierend auf dem, was man über ihre Deals weiß - höchstwahrscheinlich unter den Top20 der Produzenten. Flugzeughersteller AVIC und Panzerproduzent Norinco könnten sogar unter den obersten zehn Rüstungsunternehmen landen.

Umsatzplus durch Tarnkappen-Jet

Weil die Chinesen noch verschwiegener sind als ihre westliche Konkurrenz, verzeichnet die SIPRI-Untersuchung also vor allem westliche Unternehmen - unter ihnen als größtes die US-Firma Lockheed Martin: Mit dem Tarnkappen-Jet F-35 produziert die Firma eines der teuersten Kampfflugzeuge aller Zeiten - auch die deutsche Luftwaffe liebäugelt mit dem High-Tech-Flieger.

Der sorgte dafür, dass Lockheed-Martin seine Verkäufe 2016 um fast elf Prozent steigern konnte. Aber auch die Übernahme des Hubschrauber-Hersteller Sikorsky habe dazu beigetragen, sagt Aude Fleurant, die sich bei SIPRI mit der Untersuchung von Militärausgaben beschäftigt.

Ein F-22-Raptor der US-Luftwaffe im Flug
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Ein F-22-Raptor der US-Luftwaffe im Flug - nun macht die Firma Lockheed Martin mit dem Jet F-35 gute Geschäfte.

US-Firmen mit Löwenanteil

Die amerikanischen Unternehmen sind unter den 100 größten Rüstungsfirmen der Welt besonders stark vertreten: Mit Deals im Wert von gut 217 Milliarden US-Dollar sind sie am globalen Handel mit Rüstungsgütern und militärischen Dienstleistungen - wie IT-Unterstützung oder Logistik-Services - beteiligt. Damit liegt der Anteil der 44 US-Firmen unter den 100 größten Rüstungsunternehmen der Welt für 2016 bei fast 58 Prozent - ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Deutsche Firmen auf den hinteren Rängen

Unter den zehn größten Rüstungsfirmen der Welt listen die Friedensforscher vor allem amerikanische Unternehmen auf, aber auch vier europäische Firmen - darunter Airbus auf Platz sieben. Europas Anteil am internationalen Rüstungsgeschäft hat sich kaum verändert und liegt bei 91,6 Milliarden Dollar.

Auch deutsche Rüstungsunternehmen sind in der SIPRI-Liste vertreten, doch auf vergleichsweise hinteren Rängen. Rheinmetall etwa steht auf Platz 26, der U-Boot-Spezialist Thyssen-Krupp auf Platz 47 und Panzerbauer KMW, der unter anderem den Leopard2-Kampfpanzer herstellt, auf Platz 78. Rheinmetall und KMW sind in der Rangliste gegenüber 2015 sogar leicht gestiegen. Die Friedensforscher machen dafür die gestiegene Nachfrage aus dem Nahen Osten, Südostasien und neue Rüstungsgeschäfte mit der Bundeswehr verantwortlich.

Die Hauptverwaltung von Rheinmetall in Düsseldorf.
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Die Hauptverwaltung von Rheinmetall in Düsseldorf. Das Unternehmen ist der erfolgreichste deutsche Waffenbauer.

Die lässt 100 Leopard2-Kampfpanzer aus den Depots der Industrie holen und modernisieren und hat zusätzlich 131 Boxer-Radpanzern bestellt. Bei Thyssen-Krupp sanken die Verkäufe laut SIPRI dagegen im gleichen Zeitraum um rund sieben Prozent. Insgesamt stieg das Geschäftsvolumen deutscher Rüstungsfirmen 2016 um 6,6 Prozent.

Russland bleibt wichtiger Rüstungsanbieter

Russland bleibt laut SIPRI ein wichtiger Anbieter auf dem Rüstungsmarkt. Die russischen Unternehmen in der Liste des schwedischen Friedensforschungsinstitutes schlossen 2016 Geschäfte im Gesamtwert von 26,6 Milliarden US-Dollar ab - ein Anstieg um 3,8 Prozent. Allerdings hätten die großen wirtschaftlichen Probleme in Russland 2016 zur Verlangsamung des Wachstums beigetragen, sagt SIPRI-Forscher Siemon Wezeman. Dennoch konnte der Flugzeughersteller United Aircraft Corporation, der unter anderem die MiG-Kampfjets produziert, seine Verkäufe um 15,6 Prozent steigern. Das liege an mehr Lieferungen an die russischen Streitkräfte und an höheren Exportzahlen, heißt es bei SIPRI.

Viele Länder bauen eigene Rüstungsindustrie auf

Und noch eine Entwicklung verzeichnen die Stockholmer Forscher: Während früher viele Länder ihr Kriegsgerät bei den Großmächten oder in Europa bestellten, wachse die Zahl der Nationen mit eigener Rüstungsindustrie seit Jahren.

So habe etwa die politisch angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel dazu geführt, dass Südkorea seine Rüstungsindustrie deutlich ausgebaut habe. Man statte nun nicht nur die eigenen Streitkräfte verstärkt mit Ausrüstung aus heimischer Produktion aus, sondern ziele auch auf den Exportmarkt. Gleichzeitig sanken die Verkäufe japanischer Waffenschmieden 2016 deutlich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Dezember 2017 um 04:50 Uhr.

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