Bankenviertel von Singapur | Bildquelle: dapd

Treffen von Kim und Trump Warum eigentlich Singapur?

Stand: 11.05.2018 09:30 Uhr

Nicht die Schweiz, nicht Schweden - Trump und Kim treffen sich in Singapur. Und das liegt nicht allein daran, dass Kims veraltete Flugzeuge weite Wege nicht schaffen würden.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Zähle auf mich, Singapur" - so heißt eine der zahlreichen Hymnen, die die Singapurer zu ihrem Nationalfeiertag schmettern. Zähl auf mich Singapur und alle können umgekehrt auf Singapur zählen. "Am 12. Juni werde ich Kim Jong Un in Singapur treffen, um eine Zukunft voller Frieden und Sicherheit für die ganze Welt anzustreben", kündigte US-Präsident Donald Trump an.

Trump trifft Kim nicht in der Schweiz, nicht in Schweden, nicht in der Mongolei und auch nicht in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. Sondern in Singapur, einer Insel an der Spitze der malayischen Halbinsel. Singapur hat alle anderen Kandidaten für den wichtigsten diplomatischen Gipfel aus dem Rennen geworfen - und wenn es auch nur sei, weil die altersschwachen Flugzeuge von Kim Jong Un ohne Zwischenlandung nicht weit kommen würden und darum Asien als Vorgabe galt, wie Experten unkten.

Pressekonferenz Trump | Bildquelle: AP
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US-Präsident Trump und ...

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un | Bildquelle: AP
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... Nordkoreas Machthaber Kim

Das bisschen Stau ist auch okay

Singapur zeigt die Erfolgsgeschichte, die auch Kim gerne erzählen würde. Es ist der asiatische Vorzeigestaat überhaupt. Es ist Luxus, es ist Komfort, es ist ein Shoppingparadies in den Tropen kurz über dem Äquator. Die Singapurer begrüßen den geplanten Gipfel in ihrer Stadt. "Selbst wenn es dadurch Unannehmlichkeiten geben sollte, das ist es auf jeden Fall wert. Es zeigt, dass Singapur eine große Rolle dabei spielt, den Weltfrieden zu ermöglichen. Da ist ein bisschen Stau doch ein kleiner Preis", sagt ein Mann.

saubere Straßen in Singapur
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Sauber, sauberer, Singapur. Aber Stau gehört auch zum Straßenbild.

Sicherheit und Gipfel-Routine

Der Stadtstaat in Südostasien bietet höchste Sicherheit. Im Rang der sichersten Städte nimmt Singapur die zweite Stelle ein. Gerade einmal 588 Verbrechen pro 100.000 Einwohner sind erfasst. Dafür sorgen umfassende Kameraüberwachung und 15.000 Polizisten. Auch die Armee ist bestens ausgerüstet: Singapur gibt pro Kopf nach Israel am meisten für seine Verteidigung aus.

Außerdem hat das Land viel Erfahrung mit internationalen Gipfeltreffen, hier findet jährlich der Shangrila-Dialog statt, ein hochrangig besetztes Sicherheitstreffen. Und: Singapur hat zurzeit den ASEAN-Vorsitz, ist also Gastgeber bei den Gipfeltreffen der Vereinigung südostasiatischer Staaten.

Neutrale Position im weltweiten Machtgefüge

"Wir sollten auf jeden Fall die Gastgeber sein, denn wir haben gute Beziehungen zu beiden Seiten." Das werde Singapur auf jeden Fall nützen, meint ein Singapurer Finanzexperte. Und hat recht: Der Stadtstaat hat mit den USA ein Freihandels- und ein Sicherheitsabkommen. Der damalige Präsident Barack Obama hat Singapur zu einem strategischen Partner erklärt. Auf der anderen Seite haben Nordkorea und Singapur diplomatische Beziehungen. Singapur ist es gelungen, eine neutrale Position im weltweiten Machtgefüge einzunehmen.

"Dieses Gipfeltreffen macht Singapur noch bekannter und es wird anderen Ländern zeigen, dass wir ein Friedensstifter sind", ist eine Frau sicher. In dem Vielvölkerstaat leben 5,6 Millionen Menschen in verordneter und streng kontrollierter Toleranz miteinander - da werden ein US-Präsident und ein nordkoreanischer Machthaber auch noch hineinpassen.

Warum trifft Trump Kim eigentlich in Singapur?
Lena Bodewein, ARD Singapur
11.05.2018 08:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Mai 2018 um 02:26 Uhr.

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