Nawaz Sharif | Bildquelle: REUTERS

Pakistans Ex-Premier Wie Sharif über die "PanamaPapers" stürzte

Stand: 28.07.2017 13:46 Uhr

Die Panama-Geschäfte seiner Familie haben Pakistans Premierminister Sharif das Amt gekostet, strafrechtliche Konsequenzen drohen. Ein Blick auf den Fall Sharif - und wer noch über die "PanamaPapers" stürzte.

Von Jan Strozyk und Benedikt Strunz, NDR

Der Oberste pakistanische Gerichtshof hat Premierminister Nawaz Sharif mit einem lebenslangen Amtsverbot belegt und strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und seine Familie angeordnet. Hintergrund sind Korruptionsvorwürfe, die durch die "PanamaPapers"-Enthüllungen aufgekommen waren. Sharif, der in seiner dritten Amtszeit als pakistanischer Premier regierte, hat die vergangenen Jahrzehnte die Politik wie wohl kaum ein anderer im Land geprägt.

Nawaz Sharif (Archivbild) | Bildquelle: AFP
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Sharif trat noch am Tag der Amtsenthebung zurück.

Dabei war Sharif immer wieder auch Korruption vorgeworfen worden. Unter anderem soll er beim Bau einer Autobahn bestochen worden sein und das Geld außer Landes geschafft haben, so lautete einer der Vorwürfe. Zudem wurde immer wieder darüber spekuliert, dass die Familie ein Millionenvermögen angehäuft haben soll. Konkrete Beweise gab es bislang aber nicht.

Verdächtige Immobiliengeschäfte in London

Die von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gemeinsam mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) im April vergangenen Jahres veröffentlichten "PanamaPapers" belegten nun, dass Sharifs Kinder mehrere Immobilien in London besaßen. Offiziell gehörten die Immobilien mehreren Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln. Sharifs Sohn Hussain und seine Tochter Maryam hatten sich ausweislich der Unterlagen Millionen-Kredite vom Schweizer Ableger der Deutschen Bank mit Hilfe der Immobilien absichern lassen.

Pakistans Ministerpräsident Sharif zurückgetreten
tagesschau 17:00 Uhr, 28.07.2017, Peter Gerhard, ARD Neu Delhi

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Richter zunächst uneins über Amtsenthebung

Auf Grundlage dieser Geschäfte stimmte der Oberste Gerichtshof bereits im Frühjahr darüber ab, ob Sharif weiter Staatsoberhaupt sein kann. In Pakistan kann ein Premier seines Amtes enthoben werden, wenn er Vermögen verschleiert. Zunächst waren sich die Richter in dieser Frage uneinig, zwei stimmten für und drei gegen eine Amtsenthebung. Gleichzeitig setzten sie aber eine Kommission ein, die alle Vorwürfe noch einmal überprüfen sollte.

In einem 256-seitigen Bericht kommt die Kommission nun zu dem Schluss, dass es "krasse Lücken" im Vermögensnachweis der Familie Sharif gebe. Weiter heißt es, der Premier sei "im Besitz eines Vermögens, das über seine bekannten Einnahmequellen hinausreicht".

Amtsenthebung und strafrechtliche Ermittlungen

Das Ergebnis des Obersten Gerichtshofs ist eindeutig. "Er ist nicht mehr qualifiziert, ein ehrenwertes Mitglied des Parlaments zu sein, und er ist auch nicht mehr als Premierminister im Amt", sagte Richter Ejaz Afzal Khan. Zudem ordnete das Gericht strafrechtliche Ermittlungen gegen Sharif und seine Familie an.

Der Fall bekam zwischenzeitlich kuriose Züge: Maryam Sharif, die Tochter von Nawaz Sharif, hatte beim Gericht Dokumente eingereicht, die ihre Unschuld belegen und zeigen sollten, dass sie zu keinem Zeitpunkt die eigentliche Besitzerin der Londoner Immobilien war. Allerdings stellten sich diese Dokumente als Fälschung heraus - sie waren in einer Schriftart geschrieben, die zum angeblichen Entstehungszeitpunkt der Unterlagen noch überhaupt nicht auf dem Markt war. Bislang galt Maryam Sharif als politische Hoffnung Pakistans. Der Premier und seine Familie hatten in der Affäre stets ihre Unschuld beteuert.

Tausende Ermittlungsverfahren weltweit

David Gunnlaugsson
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Der isländische Premierminister Sigmundur David hat 2016 sein Amt niedergelegt.

Sharif ist das zweite Staatsoberhaupt, das in Folge der "PanamaPapers" sein Amt verliert. Bereits wenige Woche nach der ersten Veröffentlichung der Dokumente hatte der isländische Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson sein Amt niedergelegt. Durch die "PanamaPapers" ließ sich nachweisen, dass Gunnlaugsson über eine Offshore-Gesellschaft Anteile an isländischen Banken gehalten hatte, bevor er die Firma auf seine Frau überschrieb. Auch Spaniens Industrieminister José Manuel Soria musste wegen Panama-Geschäfte sein Amt aufgeben, sowie ein Mitglied der Fifa-Ethik-Kommission, der Chef einer österreichischen Staatsbank und viele andere.

Weltweit laufen derzeit im Zuge der "PanamaPapers" Tausende Ermittlungsverfahren. Die sind bisweilen schwierig zu führen, da den Beamten bislang die konkreten Unterlagen fehlten.

Das könnte sich nun ändern. Anfang April war bekannt geworden, dass das Bundeskriminalamt (BKA) in den Besitz des vollständigen Panama-Datensatzes gekommen ist. Die Oberfinanzdirektion Hessen hatte die Daten für drei Millionen Euro von einer unbekannten Quelle gekauft. Vom BKA hieß es dazu, natürlich werde man die Daten auch mit Kollegen im Ausland teilen. Sollte das BKA in diesem Punkt ernst machen, dürfte dies zahlreiche Ermittlungsverfahren weltweit, aber auch in Deutschland erheblich erleichtern.

Ministerpräsident Sharif in Pakistan zurückgetreten
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
28.07.2017 12:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2017 um 12:00 Uhr.

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