Aleksandar Vucic | Bildquelle: AP

Präsidentenwahl in Serbien Alle lieben Vucic

Stand: 30.03.2017 03:24 Uhr

Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic geht als Favorit ins Rennen, wenn am Sonntag ein neuer Präsident gewählt wird. Unterstützung bekommt er aus unterschiedlichsten Richtungen: Von Merkel, Schröder und Putin. Wie passt das zusammen?

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien

Sprechchöre für Regierungschef Vucic im Wahlkampfendspurt in Belgrad: "Aleksandar, Aleksandar" rufen seine Anhänger. Und Vucic betont: "Serbien befindet sich auf dem europäischen Weg, in Richtung EU. Doch gleichzeitig ist Serbien das einzige europäische Land, das keine Sanktionen gegen Russland eingeführt hat und sie auch nicht einführen wird." Serbien habe seine Freundschaft zu Russland auch in schweren Zeiten gezeigt.

Auch der Gastredner an diesem Abend nennt Vucic nur beim Vornamen. Es ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder: "In der Europäischen Union weiß man, dass Aleksandar sich für die Aussöhnung auch in der Region einsetzt." Er wisse um die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit, die Voraussetzung für Frieden und Stabilität in der ganzen Region des westlichen Balkans sei. "Es gibt deshalb keinen besseren als ihn in dem Amt, das er anstrebt", sagte Schröder in Belgrad.

Gerhard Schröder | Bildquelle: dpa
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Gerhard Schröder spricht von Alexandar.

Russlands Präsident Putin | Bildquelle: AP
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Vladimir Putin wünscht dem Vucic viel Erfolg.

Kanzlerin Merkel | Bildquelle: AP
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Und Angela Merkel lobt die Reformbemühungen.

Putin wünscht dem "starken Mann Serbiens" Erfolg

Zehn Tage zuvor hatte auch Angela Merkel Vucic für seinen proeuropäischen Kurs gelobt. Bei einem Berlin-Besuch Vucics betonte die Kanzlerin, die EU habe in den Beitrittsverhandlungen mit Serbien vor kurzem neue Kapitel eröffnet: "Das zeigt, dass die Reformbemühungen vorangehen", so Merkel. "Und es zeigt, dass die auch den Standards entsprechen, die von Seiten der Europäischen Kommission, von Seiten der Europäischen Mitgliedsstaaten gesetzt werden. Und das ist ein großer Erfolg."

Gerade ist Vucic zudem von einer Moskau-Reise zurückgekehrt. Auch der russische Präsident Wladimir Putin wünschte dem starken Mann Serbiens viel Erfolg bei der Wahl. Nebenbei wurde die Lieferung von russischen MiG-Kampfflugzeugen für Serbien unter Dach und Fach gebracht.

Alle wollen Stabilität

Merkel und Putin für Vucic - ist das nicht eine eigenartige Allianz? Nicht unbedingt, sagt Milos Popovic, Direktor des Belgrader Zentrums für Sicherheitsstudien: "Alle diese Länder wollen in erster Linie Stabilität. Für Deutschland ist es wichtig, dass Serbien auf dem Weg der EU-Annäherung bleibt und weiter dafür sorgt, dass nicht zu viele Flüchtlinge über die Balkanroute nach Westeuropa kommen." Außerdem wolle Deutschland, dass sich Vucic für einen Ausgleich mit dem Kosovo einsetze. "Russland ist ebenfalls grundsätzlich an der Stabilität des serbischen Regimes interessiert." Auch wenn Moskau gleichzeitig auf dem Balkan rechtsnationale, teils rechtsradikale Bewegungen unterstütze, so Popovic. "Das tut Russland auch in Serbien, parallel zu schönen Worten für Vucic. Aber offiziell betont auch Putin sein Interesse an der Stabilität Serbiens."

Die jüngsten Umfragen sehen Vucic bei 53 bis 57 Prozent der Stimmen bei der Wahl am Sonntag. Selbst wenn er unter 50 Prozent bleibt und es zur Stichwahl kommt, scheint ihm der Sieg am Ende sicher. Vucic setzt die geballte Macht des Staatsapparats im Wahlkampf ein und kontrolliert die wichtigsten serbischen Medien. Auch bei der Kundgebung in Belgrad meint ein Mann im Publikum: "Er ist ehrlich und fleißig. Das, was er verspricht, hält er auch." Und eine Frau sagt über Vucic: "Ich schätze seine Entschlossenheit und seine Ausdauer. Man sieht, dass es in Serbien vorwärts geht. Serbien geht es mit ihm besser."

Merkel, Schröder, Putin - sie alle stützen Vucic im Wahlkampf
R. Borchard, ARD Wien, zzt. Belgrad
29.03.2017 21:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. März 2017 um 05:25 Uhr

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