Die Öresund-Brücke zwischen Dänemark und Schweden | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Dänisch-schwedischer Ärger Streit und Stillstand am Öresund

Stand: 02.01.2016 13:03 Uhr

Die Nachbarländer Dänemark und Schweden sind sehr eng vernetzt - doch die Flüchtlingskrise sorgt für Ärger. Schärfere Grenzkontrollen bedeuten lange Wartezeiten und wirtschaftliche Einbußen. Beide Regierungen haben konträre Ansätze - und streiten.

Von Björn Dake, ARD-Studio Stockholm

Gut eine halbe Stunde dauert die Zugfahrt zwischen Malmö und Kopenhagen normalerweise. Doch am Öresund zwischen Schweden und Dänemark ist gerade gar nichts mehr normal. Schweden beschloss wegen der Flüchtlingskrise, ab 4. Januar flächendeckend die Ausweise kontrollieren zu lassen - und nicht mehr nur in Stichproben.

Schwedische Grenzkontrolle an einem Bahnhof in Malmö | Bildquelle: AFP
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Grenzkontrolle an einem Bahnhof in Malmö - ab dem 4. Januar soll in schwedischen Zügen umfassend kontrolliert werden.

Eine ganze Region ist seitdem in Aufruhr. "Wir haben unsere Zeitvorgaben, ich muss um zwei Uhr in Halmstad sein. Wenn ich hier aber erst einmal eine Stunde in der Schlange stehe, komme ich nie rechtzeitig an", klagt beispielsweise Lastwagenfahrer Anders Johansson.

Die Metropolregion ist eines der größten Wirtschaftszentren im Ostsee-Raum. Knapp vier Millionen Menschen leben hier. 75.000 Menschen überqueren jeden Tag die Öresund-Brücke - mit dem Zug, im Auto, Bus oder Lastwagen. Mehr als 20.000 Menschen nehmen die Fähre zwischen Helsingør und Helsingborg.

Der Däne Henrik Rørbæk von der Fährgesellschaft HH Ferries befürchtet Schlimmes. Schlangen vor den Fähren würden den Verkehr in der ganzen Stadt lahmlegen, meint er: "Das wird uns sehr treffen. Spontan denke ich, dass dieses Gesetz ganz schnell wieder abgeschafft wird, das ist überhaupt nicht durchdacht."

Schwedische Eisenbahn streicht Verbindungen nach Dänemark
tagesschau 16:00 Uhr, 22.12.2015, Clas Oliver Richter, ARD Stockholm

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Keine Schnellzüge zwischen den Hauptstädten mehr

Die schwedische Bahn stellt ab Anfang Januar ihre Schnellzugverbindungen zwischen Stockholm und Kopenhagen ein. Begründung: Die Mitarbeiter schafften es nicht, alle Reisende zu kontrollieren. Für die Ausweiskontrollen sind per Gesetz die Transportunternehmen zuständig. Nehmen sie Passagiere ohne Papiere mit, riskieren sie hohe Strafen.

Wie die Kontrollen ablaufen sollen, ist noch immer unklar. Linus Eriksson vom schwedischen Bahnbetreiber Skånetrafiken sagt voraus, in den Stoßzeiten werde es dann sehr volle Züge geben. Auch müsse man mit mindestens 20 Minuten Verspätung vom Flughafen nach Malmö rechnen. Man spreche weiterhin mit der dänischen Bahn DSB, um herauszufinden, wie man dieses Problem lösen könne. Verspätungen und Staus werden laut Berechnungen des Öresund-Instituts jeden Tag einen wirtschaftlichen Schaden von umgerechnet etwa 175.000 Euro verursachen.

Ärger zwischen den Regierungen

Außerdem sorgen die intensiveren Grenzkontrollen für eine politische Eiszeit zwischen Schweden und Dänemark. "Das ist eine sehr unglückliche Situation", kritisiert Dänemarks Regierungschef Lasrs Løkke Rasmussen. Man habe Milliarden Kronen investiert, um die Infrastruktur in der Öresundsregion aufzubauen, Millionen Kronen verwendet, um Kopenhagen und Malmö als eine Region aufzubauen. "Und jetzt haben die Schweden beschlossen, diese zusammenhängende Gesellschaft am 4. Januar in zwei Teile zu schneiden."

Lars Lökke Rasmussen | Bildquelle: AP
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Dänemarks Premier Rasmussen findet: Die schwedische Flüchtlingspolitik ist zu großzügig. Das sehen die Schweden anders.

Rasmussen droht jetzt auch damit, die Grenze selbst dicht zu machen - und zwar die nach Deutschland. Dänemark wirft den Nachbarn Deutschland und Schweden eine zu großzügige Flüchtlingspolitik und ein falsche political correctness vor.

Dänemark nimmt in diesem Jahr etwa 20.000 Flüchtlinge auf - Schweden fast zehn Mal so viele. Die Regierung in Stockholm sieht sich deshalb nicht als Buhmann. Integrationsminister Morgan Johansson verteidigte im Parlament die geplanten Ausweiskontrollen. Schweden werde künftig weitere Menschen aufnehmen. "Wir schaffen es, wenn die Zahl auf einem annehmbaren Niveau bleibt. Aber wir schaffen es nicht, wenn die Zahl weiter auf Rekordniveau liegt." Man brauche jetzt eine Atempause, um sich auf alle Menschen, die nach Schweden kamen, zu konzentrieren und ihnen einen guten Start in dem neuen Land ermöglichen zu können."

Und Johansson sagte auch: Schweden habe bei den Flüchtlingen sein Limit erreicht -  Dänemark nicht.

Grenzkontrollen entzweien Dänemark und Schweden
B. Dake, ARD Stockholm
22.12.2015 10:49 Uhr

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