Schülerinnen der fünften Jahrgangsstufe | Bildquelle: dpa

Bildungsinitiative Hoffnung für Hochbegabte

Stand: 28.11.2016 15:00 Uhr

Internationale Bildungsstudien wie PISA haben gezeigt, dass es in Deutschland vergleichsweise wenige sehr leistungsstarke Schüler gibt. Eine neue Initiative soll das ändern und helfen, Potenziale frühzeitig zu erkennen.

Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

In deutschen Bildungsdebatten geht es meist um die Schwachen, die nicht richtig mitkommen. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan, sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Aber bei den Leistungsstarken verliere Deutschland an Boden, vor allem im Vergleich mit anderen Ländern: "Wie viel Schüler sind dort in der Spitzengruppe? Dann sind das in Dänemark, in Polen und in Portugal doppelt so viele wie in Deutschland. Und in Irland und England sogar das dreimal so viele."

Deshalb sollen die Starken jetzt besser gefördert werden. Wobei Wanka betont, es gehe nicht nur um Hochbegabte. Denn als hochbegabt gelten gerade mal 2 bis 3 Prozent aller Schüler, als leistungsstark aber 15 Prozent. Das müssen nicht automatisch die Kinder mit den besten Noten sein. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan, will versteckte Talente ausfindig machen: "Wir müssen auch mit den Lehrkräften arbeiten, dass sie auch in der Lage sind eben auch diese Stärken zu erkennen und dann eben auch Mittel und Instrumente in der Hand zu haben, die diese Talente entsprechend fördern."

Bund und Länder stellen 125 Millionen Euro

Die bisherigen Programme der Bundesländer für leistungsstarke Schüler reichen offensichtlich nicht aus. Deshalb wollen jetzt also zum ersten Mal Bund und Länder ein Zehn-Jahres-Programm für 125 Millionen Euro auflegen. Die Bundesländer werden in den nächsten Monaten 300 Schulen auswählen, die als Pilotschulen Konzepte entwickeln, wie Leistungsstarke besser gefördert werden können. Infrage kommen Schüler von der Klasse 1 bis 10 und in allen Schularten. Los geht’s dann im nächsten Herbst.

Ein Junge schreibt etwas an eine Schultafel. | Bildquelle: dpa
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Wie können Talente besser erkannt und gefördert werden? Zunächst soll es Pilotprojekte an 300 Schulen geben.

Begabtenförderung als Chancengerechtigkeit

Das Bundesbildungsministerium begleitet das Programm wissenschaftlich und wird nach fünf Jahren Bilanz ziehen: Was funktioniert, welche Konzepte sollte man weitergeben an alle Schulen in Deutschland? Den Ministern, die das neue Programm vorstellen, hört man an, dass sie mit Kritik als Elitenförderung rechnen. Deshalb betonen sie, auch Begabtenförderung sei Chancengerechtigkeit. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) betont: "Das deutsche Bildungssystem wird nicht gerechter, wenn leistungsstarke Schülerinnen und Schüler künstlich gebremst werden."

Kritik der Linkspartei

Schwache fördern und Starke fördern - aber was ist mit den Schülern im Mittelfeld, fragt die Linkspartei im Bundestag und fürchtet, dass die auf der Strecke bleiben. Die Grünen im Bundestag loben das Programm an sich, aber ihr bildungspolitischer Sprecher Özcan Mutlu kritisiert, solche Sonderprogramme seien doch nur nötig, um das leidige Kooperationsverbot in der Bildung zu umgehen: "Wenn man die Möglichkeit hätte, zwischen Bund und den Ländern gemeinsam zu kooperieren, dann bräuchten wir eben nicht Sonderprogramme, weil das wäre dann die Regel", so Mutlu. Er forderte daher, noch ein Mal ernsthaft darüber diskutieren, das Verbot zu kippen.

Neues Programm zur Förderung leistungsstarker Schüler
S. Müller, ARD Berlin
28.11.2016 14:45 Uhr

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Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk in den Nachrichten am 28. November 2016 um 12:00 und 13:00 Uhr und Inforadio um 12:43 Uhr.

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