Thronfolger Salman mit anderen Prinzen | Bildquelle: REUTERS

Streit um Sparmaßnahmen Saudische Prinzen festgenommen

Stand: 07.01.2018 01:56 Uhr

Saudi-Arabien will sparen. Doch das passt offenbar nicht jedem in der Königsfamilie. Weil sich elf Prinzen weigerten, ihre Strom- und Wasserrechnungen selber zu bezahlen, wurden sie festgenommen. Im Öl-Staat wird der Umgang seit November rauer.

Wegen eines Protests gegen Sparmaßnahmen sind in Saudi-Arabien elf Prinzen festgenommen worden. Sie hätten dagegen demonstriert, dass die Regierung die Strom- und Wasserrechnungen von Angehörigen der Königsfamilie nicht mehr bezahle, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf den Generalstaatsanwalt.

Die der Regierung nahe stehenden Internetseite Sabk hatte zuvor berichtet, dass die Prinzen in ein Hochsicherheitsgefängnis in Riad gebracht worden seien. Nun soll ihnen der Prozess gemacht werden. Demonstrationen, zumal von Mitgliedern der Königsfamilie, sind in dem autoritär regierten Land eine Seltenheit.

Massenverhaftungen im November

Im vergangenen November waren mehr als 200 Prinzen, Politiker und Geschäftsleute unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Die meisten wurden in das Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton in Riad gebracht. Unter den dort "Inhaftierten" waren Prinz Al-Waleed bin Talal und andere superreiche Geschäftsleute. Ihnen wird vorgeworfen, den ölreichen Wüstenstaat über Jahrzehnte hinweg um insgesamt 83 Milliarden Euro erleichtert zu haben. Beobachter hatten den Schritt als eine Machtdemonstration des ehrgeizigen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman, gewertet.

Sonderzahlungen für Staatsdiener

Saudi-Arabien hatte zum Jahresanfang im Zuge von Wirtschaftsreformen unter anderem eine Mehrwertsteuer eingeführt. Auch die Benzinpreise erhöhte die Regierung massiv um mehr als 80 Prozent.

Mit Sonderzahlungen in Milliardenhöhe will das Königshaus die Wirtschaftsreformen für seine Bürger abfedern. Angestellte des Staates und alle Militärangehörigen erhalten ein Jahr lang monatlich rund 220 Euro zusätzlich, wie die Regierung am Samstag mitteilte. Das Geld solle die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleichen. Die Ausgaben für den Staat belaufen sich auf insgesamt mehr als elf Milliarden Euro. Auch mehrere saudische Privatunternehmen wollen ihren Mitarbeitern Sonderzahlungen zukommen lassen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Januar 2018 um 01:00 Uhr.

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