Saudische Polizisten durchsuchen einen Mann am Eingang einer Moschee. | Bildquelle: REUTERS

Amnesty zu Saudi-Arabien Kritik an "massenhaften Hinrichtungen"

Stand: 25.08.2015 12:35 Uhr

Amnesty International hat die häufige Anwendung der Todesstrafe in Saudi-Arabien scharf kritisiert. Schon leichte Vergehen werden demnach mit dem Tode bestraft. Bis Juni wurden bereits 102 Menschen exekutiert. Das saudische Rechtssystem sei "beschämend".

Amnesty International ist entsetzt über die stark steigende Zahl von Hinrichtungen in Saudi-Arabien. Laut eines heute veröffentlichten Berichts der Menschenrechtsorganisation wurden in dem Königreich allein in der ersten Hälfte des Jahres 102 Menschen hingerichtet. Im gesamten Jahr davor waren es nur 90. Besonders stark stieg die Zahl der Todesurteile wegen Drogendelikten.

Einreiseformular nach Saudi-Arabien mit Warnung vor Todesstrafe für Drogenhändler | Bildquelle: dpa
galerie

Einreiseformular nach Saudi-Arabien mit Warnung vor Todesstrafe für Drogenhändler

72 Menschen pro Jahr exekutiert

Zwischen Januar 1985 und Juni 2015 zählte Amnesty 2208 Hinrichtungen - im Schnitt 72 pro Jahr. Fast die Hälfte der Verurteilten waren demnach Ausländer. Vielen sei eine angemessene Übersetzung des Prozesses verweigert worden, hieß es. Der bei Amnesty für den Nahen Osten zuständige Direktor Said Boumedouha sagte, die Verurteilung von Hunderten Menschen zum Tode nach zutiefst fehlerhaften Verfahren sei "absolut beschämend".

Todesstrafen für viele Vergehen

Fast jede zweite Exekution in den vergangenen Jahren sei zudem bei Verbrechen ausgeführt worden, die nichts mit der Tötung von Menschen zu tun gehabt hätten. Saudi-Arabien folgt einer strikten Interpretation des islamischen Rechts. Für zahlreiche Straftaten ist demnach die Todesstrafe vorgesehen, darunter Mord, Vergewaltigung, Drogenhandel, aber auch außerehelicher Geschlechtsverkehr oder der Vorwurf der Hexerei.

Mitglieder von Amnesty International demonstrieren vor der saudischen Botschaft in Wien für die Freilassung des Bloggers Raif Badawi. | Bildquelle: dpa
galerie

Mitglieder von Amnesty International demonstrieren vor der saudischen Botschaft in Wien für die Freilassung des Bloggers Raif Badawi.

Beschämendes Rechtssystem

Außerdem würden Geständnisse oft unter Folter oder Misshandlungen erpresst, vor Gericht aber dennoch als gültiger Beweis gewertet. Die Verurteilten werden entweder öffentlich enthauptet oder erschossen, manchmal werden die Leichen öffentlich ausgestellt. "Saudi-Arabiens fehlerhaftes Rechtssystem ermöglicht gerichtliche Exekutionen auf einer Massenskala", erklärte Amnesty-Direktor Boumedouha.

Saudi-Arabien, das ein enger Verbündeter westlicher Staaten und insbesondere der USA ist, steht wegen seiner drakonischen Strafen immer wieder in der Kritik. Zuletzt sorgte auch das Urteil gegen den Blogger Raif Badawi wegen Beleidigung des Islams für Proteste. Er war zu 1000 Peitschen-Hieben und zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Darstellung: