Türkisches Hochsicherheitsgefängnis Silivri | Bildquelle: REUTERS

Türkischer Designer Sansal Nach dem Tweet in den Knast

Stand: 05.01.2017 14:17 Uhr

Der türkische Designer Sansal ist an einem Istanbuler Flughafen festgenommen worden, weil er am Silvesterabend zu Hass angestiftet haben soll. Auf seinem Twitter-Account hatte er ein Video veröffentlicht, in dem er den Zustand der türkischen Gesellschaft kritisierte.

Ein bekannter türkischer Modedesigner, Aktivist und Regierungskritiker ist festgenommen worden, weil er vor dem Attentat in dem Istanbuler Nachtclub "Reina" mit 39 Toten von Nordzypern aus Hassbotschaften in sozialen Medien verbreitet haben soll.

Barbaros Sansal habe am Silvesterabend auf Twitter das Feiern des neuen Jahres kritisiert, "während es so viel Dreck, Schändlichkeit und Armut im Land gibt", berichtete die Zeitung "Daily News". Sansal werde vorgeworfen, mit seiner Botschaft zu Hass angestiftet zu haben.

Sansal hatte diverse Twittereinträge veröffentlicht und in einem Video von "zahlreichen inhaftierten Journalisten" und "Korruption und Bestechung" gesprochen. Er sprach laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in ironisch-sarkastischen Worten über den Zustand der türkischen Gesellschaft und den zunehmenden Islamismus im Land. Er selbst werde nun alles Alkoholische austrinken, was die Hotelbar zu bieten habe - die Türkei solle in "ihrer eigenen Scheiße ersticken."

Mit Fäusten gegen Erdogan-Gegner
tagesthemen 23:15 Uhr, 05.01.2017, J. Liebold / M. Schramm / K. Yavuz, NDR

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Von mehreren Personen angegriffen

Der Modedesigner war am Dienstag aus dem von der Türkei kontrollierten Norden Zyperns am Flughafen Istanbul angekommen. Dort hatte er seinen Urlaub verbracht, einen Tag zuvor war er ausgewiesen worden. Beim Verlassen des Flugzeuges sei er von mehreren Personen angegriffen und niedergeschlagen worden, berichtete sein Anwalt.

Nach Angaben der FAZ hat die staatliche türkische Nachrichtenagentur "Anadolu" die Nachricht verbreitet, Sansal werde abends mit einer Turkish-Airline-Maschine, die um 20.55 in Zypern startet, am Atatürk-Flughafen ankommen. Zu der Meute, die ihn dort angriff, hätten offenbar auch Mitarbeiter des Flughafensicherheitspersonals und Flughafenmitarbeiter gehört. Die Meldung von "Anadolu" sei "eine Einladung zur Lynchjustiz" gewesen, so die FAZ. Sansal habe dabei Verletzungen am Rücken erlitten, so sein Anwalt. Laut FAZ wurde er anschließend von der Polizei ins Hochsicherheitsgefängnis von Silivri gebracht.

Der AKP-Bürgermeister von Ankara Melih Gökcek veröffentlichte bei Twitter ein Video des Angriffs auf Sansal:

İbrahim Melih Gökçek @06melihgokcek
BARBAROS ŞANSAL KIBRIS'DAN GETİRİLDİ...
UÇAKTAN İNERKEN TÜRK MİLLETİ TEPKİ GÖSTERDİ...
İNSANLARI TAHRİK ETME BARBOR… https://t.co/jD2Mmzzxip

Außerdem zeigte er ein Foto Sansals mit blutigem Gesicht und kommentierte: Gewalt sei zwar abzulehnen, aber Verräter wie Sansal müssten eben mit dem Volkszorn rechnen.

Kritik an der Regierung, die als Beleidigung oder Propaganda für Terrorismus gewertet werden kann, kann in der Türkei bestraft werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. Januar 2017 um 23:15 Uhr.

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