Soldaten in Schutzanzügen bei Arbeiten in Salisbury | Bildquelle: NEIL HALL/EPA-EFE/REX/Shuttersto

Fall Skripal Noch Reste von Nervengift in Salisbury?

Stand: 20.04.2018 11:02 Uhr

Die Folgen der Attacke gegen Ex-Doppelagent Skripal sind immer noch spürbar. Laut Umweltbehörde könnte es noch "Hotspots" mit gefährlichen Konzentrationen des Nervengifts in Salisbury geben.

Knapp eineinhalb Monate nach der Nervengiftattacke gegen den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia können Wissenschaftler die Existenz hochgefährlicher Giftreste in der südenglischen Stadt Salisbury nicht ausschließen.

Bei einem Treffen von Behördenvertretern mit Bürgern der Stadt über die bevorstehende Dekontaminierung meinte Ian Boyd, wissenschaftlicher Berater der Umweltbehörde, dass bisher unbekannte "Hotspots" mit hohen, gefährlichen Konzentrationen des Nervengifts Nowitschok "an sehr bestimmten Plätzen" in der Stadt möglich seien.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Neun Fundstellen werden dekontaminiert

Spuren davon wurden bereits an verschiedenen Orten entdeckt, die der 66-Jährige und seine 33-jährige Tochter besucht hatten. Die höchste Konzentration wurde am Wohnhaus des Ex-Spions festgestellt.

Die Behörden haben inzwischen mit der Dekontamination von neun Orten in Salisbury begonnen - darunter sind zwei Notaufnahmen, eine Polizeistation, zwei Lokale und das Wohnhaus Skripals. Die aufwendigen Arbeiten könnten mehrere Monate dauern, die Kosten werden auf mehrere Millionen Pfund geschätzt.

Polizistinnen vor dem Wohnhaus von Sergej Skripal in Salisbury (Archivbild). | Bildquelle: REUTERS
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Auch das Wohnhaus von Ex-Agent Skripal in Salisbury wird dekontaminiert werden. (Foto: Archiv)

Tochter inzwischen an sicherem Ort

Skripal und seine Tochter waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Julia Skripal wurde inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich an einem sicheren Ort. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt. Auch er soll sich auf dem Weg der Besserung befinden.

Das Attentat hatte eine schwere diplomatische Krise ausgelöst.

London bezichtigt Moskau, hinter der Tat zu stecken. "Wir glauben, dass nur Russland die technischen Mittel, Erfahrungen und ein Motiv hat, die Skripals anzugreifen", erklärte der britische Botschafter Peter Wilson am Mittwoch in Den Haag vor dem Exekutivrat der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen. Moskau weist alle Vorwürfe vehement zurück.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. April 2018 um 13:51 Uhr.

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