Der irakische Ministerpräsident Haidar Al-Abadi, rechts, und der schiitische Geistliche Muktada al-Sadr | Bildquelle: AFP

Regierungsbildung im Irak Abadi und Sadr wollen koalieren

Stand: 24.06.2018 00:42 Uhr

Die Regierungsbildung im Irak gestaltet sich auch einen Monat nach der Wahl schwierig. Nun gaben der irakische Ministerpräsident al-Abadi und der schiitische Geistliche al-Sadr die Bildung einer Koalition bekannt.

Gut einen Monat nach der Parlamentswahl im Irak kommt Bewegung in die Regierungsbildung. Der einflussreiche schiitische Prediger Moktada al-Sadr und der bisherige Regierungschef Haider al-Abadi kündigten nach wochenlangen Verhandlungen eine Allianz an. Sadr und Abadi hatten bei den Wahlen im Mai Platz eins und drei belegt.

Erst vor kurzem hatten Sadr und der Anführer der wichtigsten Schiiten-Miliz im Land, Hadi al-Amiri, eine Kooperation bekanntgegeben. Dieses Bündnis sei nicht durch die neue Verbindung gefährdet, sagte Abadi. Amiri und sein vom Iran unterstütztes Fatah-Bündnis war bei den Wahlen auf Platz zwei gekommen. Sadr sagte, die Allianz sei offen für andere Wahlsieger. Die drei schiitischen Blöcke erreichen noch nicht die für eine Regierungsbildung notwendigen 165 Sitze. Abadi ist Wunschkandidat des Westens.

Sadrs Einfluss auf Besetzung des Spitzenpostens

Beobachter erwarten eine schwierige Regierungsbildung. Sadr selbst könnte einer neuen Regierung nicht vorstehen, weil er persönlich nicht bei der Wahl antrat. Er könnte allerdings maßgeblich Einfluss auf die Besetzung des Spitzenpostens nehmen.

Der neue Ministerpräsident wird sich darum bemühen müssen, die Volksgruppen der Sunniten, Schiiten und Kurden an der Macht zu beteiligen, um die Einheit des Landes zu wahren. Die Mehrheit der Iraker bekennen sich zum schiitischen Islam.

Bei der Abstimmung hatte überraschend die Liste des einflussreichen Predigers al-Sadr die meisten

Sitze gewonnen. Die Wahl galt als richtungsweisend, weil es die erste Abstimmung nach dem militärischen Sieg über die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) war. Erst Mitte vergangener Woche hatte das oberste Gericht des Landes entschieden, dass nach Unregelmäßigkeiten bei der Wahl sämtliche Stimmen neu ausgezählt werden müssen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juni 2018 um 03:00 Uhr.

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