Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: REUTERS

Reaktion auf US-Sanktionen "Russland wird niemanden ausweisen"

Stand: 30.12.2016 17:03 Uhr

Russlands Präsident Putin lehnt überraschend den Vorschlag seines Außenministers Lawrow ab, US-Diplomaten auszuweisen. Er will offenbar für eine bessere Beziehung zu den USA unter dem neuen Präsidenten Trump vorsorgen.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Ein Tag mit unerwarteter Wendung: Erst machen die USA ihre Drohung war und verhängen weitere Sanktionen gegen Russland. 35 russische Diplomaten müssen innerhalb der kommenden drei Tage die USA verlassen. Auf diese Sanktionen werde es eine angemessene Antwort geben, so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow noch in der Nacht. Und die Sprecherin des Außenministeriums verhöhnte die Mitglieder der US-Regierung als "Versager" und "bösartig".

35 gegen 35

Dann der Auftritt von Außenminister Sergej Lawrow. Am Mittag schlug er vor, wie die Antwort auf die US-Sanktionen aussehen könnte: nämlich 35 gegen 35. Nach dem Motto "Wie du mir, so ich dir".

Von Lawrow hieß es: "Das russische Außenministerium hat dem Präsidenten der Russischen Föderation einen Vorschlag gemacht, 31 Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau und vier des Generalkonsulats in Sankt Petersburg zu unerwünschten Personen zu erklären. Außerdem wird vorgeschlagen, den Amerikanern zu verbieten, ihre Diplomaten-Datscha im Silberwäldchen und eine Lagereinrichtung zu nutzen."

Diskussion über Putins Verzicht auf Sanktionen
tagesthemen 22:00 Uhr, 30.12.2016, Golineh Atai, ARD Moskau

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Dann überraschte Wladimir Putin alle, selbst Experten: Die Vorschläge seines Außenministers nahm er nicht an, stattdessen will er von Reaktionen absehen. In einer Erklärung heißt es: "Wir behalten uns zwar das Recht auf Gegenmaßnahmen vor, begeben uns aber nicht auf die Ebene einer verantwortungslosen Küchendiplomatie. Um die russisch-amerikanischen Beziehungen wieder herzustellen, bauen wir auf die Politik der US-Regierung unter Präsident Trump."

Putin lädt Diplomatenkinder ein

Man werde US-Diplomaten keine Probleme machen und "niemanden ausweisen". "Außerdem lade ich alle Kinder von US-Diplomaten zu den Neujahrs- und Weihnachtsfeierlichkeiten im Kreml ein", heißt es weiter.

Mehrheit des US-Kongresses befürwortet Sanktionen gegen Russland
tagesschau 17:00 Uhr, 30.12.2016, Stefan Niemann, ARD Washington

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Ein geschickter Schachzug, mit dem der russische Präsident sicher viele auf seine Seite geholt hat. Nicht nur Gennadij Sjuganow, den Vorsitzenden der Kommunisten in der Duma: "Man muss mit den Gegensanktionen nicht in einen Rausch verfallen, sondern lieber einen neuen Weg zu einem neuen Dialog einschlagen. Jedenfalls wäre das vielversprechender - sowohl für USA als auch für uns."

Putin hofft auf bessere Beziehung unter Trump

In seinem Neujahrs-Telegramm an den künftigen US-Präsidenten Donald Trump äußerte Putin dann auch den Wunsch und die Hoffnung, dass sich die russisch-amerikanischen Beziehungen künftig verbessern werden.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Great move on delay (by V. Putin) - I always knew he was very smart!

Trump hatte ja schon erklärt, dass Amerika keine Strafmaßnahmen gegen Russland wegen mutmaßlicher Hacker-Angriffe aussprechen solle. Man solle die Sache auf sich beruhen lassen, sagte Trump. Die Regierung in Moskau hat die Vorwürfe der Amerikaner immer wieder zurückgewiesen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Dezember 2016 um 14:00, 15:00 und 17:00 Uhr.

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