Gerhard Schröder wird als Rosneft-Aufsichtsrat vorgestellt | Bildquelle: dpa

Altkanzler wird Aufsichtsrats-Vorsitzender Worauf sich Schröder bei Rosneft einlässt

Stand: 29.09.2017 14:43 Uhr

Rosneft ist einer der größten Energiekonzerne der Welt. Nun wurde Altkanzler Schröder zum Chef des Aufsichtsrates des russischen Unternehmens gewählt. Worauf lässt er sich da ein und kann er den zweitmächtigsten Mann des Landes kontrollieren?

Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Chef des Aufsichtsrats beim russischen Ölriesen Rosneft. Die Aktionärsversammlung des halbstaatlichen Konzerns billigte in St. Petersburg die Berufung des Altkanzlers auf den Spitzenposten.

Schröder hatte seine Entscheidung für diesen Posten Ende August als "vernünftig" bezeichnet. Schließlich sei Rosneft ein internationaler Konzern, der sich mit Energiesicherheit beschäftige. Der Altkanzler kennt sich mit Posten in russischen Energiekonzernen aus. Seit 2005, kurz nach dem Ende seiner Kanzlerschaft, ist er Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream, die mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Gazprom gehört.

Sein neuer Job wird in Russland positiv gesehen. "Meines Erachtens ist Schröders Engagement ein sehr bedeutsames Ereignis und für den Markt positiv", sagte Energieminister Alexander Nowak der Zeitung "Die Welt".

Altkanzler Schröder übernimmt Posten in Rosneft-Aufsichtsrat
tagesthemen 21:45 Uhr, 29.09.2017, Udo Lielischkies, ARD Moskau

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International aufgestellt

Tatsächlich ist Schröder im Aufsichtsrat von Rosneft nicht der einzige Ausländer. So sitzt dort bereits ein Ex-Manager des US-Konzerns Exxon Mobil, daneben Vertreter jener Firmen, die Anteile an Rosneft besitzen - wie der Chef des britischen Ölkonzerns BP, Robert Dudley. Sein Unternehmen hält 19,7 Prozent an Rosneft. Hinzu kommen Manager des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore und aus Katar.

Mehrheitseigentümer mit 50 Prozent und einer Aktie ist der russische Staat. Anteilseigner und Manager stellen zwar die Verbindung zu den internationalen Märkten her. Rosneft und andere russische Rohstoffkonzerne sind aber "massive und schwerfällige Kolosse", die eng mit der russischen Führung verbunden sind, so die Russlandexpertin Fiona Hill.

Unbedingte Loyalität

In seiner neuen Position soll Schröder Kontrolle über Konzernchef Igor Setschin ausüben - theoretisch. Doch der Ex-Militärgeheimdienstler gilt in Russland als zweitmächtigster Mann und dank unbedingter Loyalität als enger Vertrauter Wladimir Putins. Beide kennen sich seit 1990. Seitdem folgte Setschin Putin auf seinem Weg an die Macht von St. Petersburg bis in den Kreml.

Hill zufolge treffen die Chefs der Gas- und Ölkonzerne Russlands eigenständig strategische Entscheidungen. Aber sie sind Putin direkt rechenschaftspflichtig und genießen seinen Schutz nur so lange, wie sie Leistungen liefern und damit die Stabilität des Systems sichern.

Unter Setschin expandierte Rosneft durch die Übernahme russischer Firmen wie Jukos und Baschneft. Die früheren Eigentümer Michail Chodorkowski und Wladimir Jewtuschenkow gerieten in juristische Schwierigkeiten. Chodorkowski saß zehn Jahre im Gefängnis. Auch Ex-Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew droht Haft. Er soll Setschin bestochen haben. Russische Medien vermuten aber, dass er Setschin im Weg stand.

Harte Bedingungen

Internationale Konzerne wie BP oder auch Siemens, die seit Jahren in Russland aktiv sind, arrangieren sich mit den Bedingungen, müssen aber auf der Hut sein. So geht die Minderheitsbeteiligung von BP an Rosneft auf den Kauf des Konzerns TNK-BP vor vier Jahren zurück. Rosneft wurde dabei zum größten börsennotierten Ölkonzern weltweit. Der russische Staat erhielt die Kontrolle über russische Ölreserven zurück.

BP hingegen verlor an Einfluss, denn bei TNK-BP war der britische Konzern noch gleichberechtigter Partner. Konflikte mit den russischen Partnern des Joint Ventures zwangen BP jedoch zum Verkauf an Rosneft. BP-Chef Dudley soll Medienberichten zufolge Russland zeitweise aus Angst vor Repressalien verlassen haben. Dass BP bei dem Verkauf nicht ganz ausstieg, sondern Anteile an Rosneft erwarb, begründete der Konzern mit Hoffnungen auf eine "hohe Rendite" und eine langfristige Beteiligung auf dem russischen Markt.

Wegen der Sanktionen der EU und der USA gegen Rosneft musste jedoch ein Gemeinschaftsprojekt mit BP aufgeschoben werden, ebenso wie Pläne mit ExxonMobil und der norwegischen Firma Statoil.

Rosneft | Bildquelle: REUTERS
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Bei Rosneft reden auch ausländische Firmen mit - etwa aus Großbritannien, Katar oder China.

Öffnung notwendig

Die Sanktionen, der gesunkene Ölpreis und politisch motivierte Investitionen führten zu Einnahmeverlusten. Deshalb entschied sich die russische Führung 2016, Rosneft weiter zu öffnen: Glencore und Katar erhielten Anteile, ein Großteil davon wurde inzwischen an die Firma CEFC aus China verkauft. Hier liegen die Hoffnungen offenbar auf Investitionen.

Die Erwartungen an Schröder sind naheliegend: Er soll in Westeuropa für ein Ende der Sanktionen werben. Doch seine SPD-Parteigenossen wollen in die Opposition. Kanzlerin Angela Merkel unterstützt zwar das Nord-Stream-Projekt, hält aber an den Sanktionen fest. Insofern bleibt die Frage, ob Schröder das Gewünschte liefern kann und wie wertvoll er damit für Rosneft und letztlich Putin sein wird.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. September 2017 um 06:50 Uhr.

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