Aung San Suu Kyi | Bildquelle: AP

Rohingya-Minderheit in Myanmar Das Schweigen der Aung San Suu Kyi

Stand: 10.06.2015 08:23 Uhr

Immer mehr Rohingya versuchen nach Thailand, Malaysia oder Indonesien zu fliehen. Viele von ihnen kommen aus Myanmar, fühlen sich verfolgt. Und Aung San Suu Kyi, die dortige Oppositionsführerin schweigt. Dabei ist sie als Kämpferin für Menschenrechte bekannt.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Singapur

U Tin Oo ist der Mann hinter Aung San Suu Kyi, er ist der Strippenzieher - und hin und wieder im Hauptquartier der Nationalen Liga für Demokratie in Rangun anzutreffen. Der 88-jährige schweigt nicht, sondern spricht mit dem ARD Hörfunk über das Problem der Rohingyas, über die Frage, ob diese Muslime Bürger Myanmars sind: "Die Regierung muss mit diesem Problem vorsichtig umgehen, sie muss die Identität der Einwanderer prüfen, das Problem muss behutsam und gütlich gelöst werden."

Rohingya Flüchtlinge | Bildquelle: AFP
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Die etwa 1,3 Millionen Rohingya in Myanmar gelten als staatenlos, leben in Armut und sind systematischer Diskriminierung durch die buddhistische Mehrheit ausgesetzt.

Wie genau das gehen soll, sagt aber auch U Tin Oo nicht. Für eine Staatsbürgerschaft für die etwa eine Million muslimische Rohingyas spricht er sich nicht aus - nur dafür, einigen mehr Rechte zuzugestehen. Dies hat auch die Regierung von Präsident Thein Sein bereits angeboten - ein Aufenthaltsrecht, das in eine Staatsbürgerschaft übergehen kann, für die, die nachweisen können, seit drei Generationen im Land zu leben, und die bereit sind, sich Bengalis statt Rohingyas nennen zu lassen.

Viele Rohingyas bekamen eine White Card - die wurde ihnen mittlerweile abgenommen

Das Problem mit dem Rohingyas, mit den Einwanderern aus Bangladesh, als die auch U Tin Oo die Muslime nahe der Grenze sieht, sei vor langer Zeit entstanden, sagt der führende Oppositionspolitiker: "Das Problem ist, dass beide Seiten Fehler gemacht haben. Die Regierung Myanmars und vor allem das Parlament haben die Einwanderer ins Land gelassen, weil man sich Wählerstimmen erhoffte. Dann sind die Einwanderer aber nicht wieder gegangen."

Viele der Rohingyas, der Muslime besaßen eine White Card, die sie zum Wählen berechtigte, und die ihnen zumindest begrenzte Bürgerrechte verlieh. Diese White Card wurde allen inzwischen wieder abgenommen, ohne dass etwa Aung san Suu Kyi protestiert hätte. Die Lady kann sich dazu derzeit nicht äußern, sagt U Tin Oo: "Sie ist die Oppositionsführerin, wenn sie von Rohingyas sprechen würde, dann gäbe es sofort einen Haufen Probleme mit den Buddhisten im Rakhine State, deswegen spricht auch sie bei denen, die bereits lange dort leben, von bengalischen Muslimen."

Suu Kyi will die Wahl gewinnen, deswegen schweigt sie zu den Rohingyas

Aung San Suu Kyi | Bildquelle: AFP
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Aung San Suu Kyi ist Friedensnobelpreisträgerin und als Kämpferin für Menschenrechte bekannt - doch zu den Rohingya schweigt sie.

Im November wird gewählt in Myanmar. Aung San Suu Kyi will gewinnen, das wird sie wohl auch, sie möchte es sich mit den Buddhisten im Westen nicht verderben - also taucht sie ab, was diesen Konflikt angeht.

Noch etwas will U Tin Oo in seinem kleinen Büro im Zentrum der wahrscheinlich kommenden Macht in Myanmar klarstellen: die Bezeichnung Rohingyas entstamme einem Missverständnis. Dies sei keine eigenständige Ethnie, keine Minderheit, der Begriff sei aus der Sprache der Arakanese, der Menschen im Rakhine State entnommen: "Wir haben in allen Unterlagen geforscht, die Rohingyas werden nirgendwo erwähnt. Der Begriff kommt aus der Sprache der Arakan People. Roh Aung Ga, das bezeichnet die Menschen, die damals lange unter dem König der Arakan gelebt hätten, Ro Aung Ga, daher komme der Begriff Rohingya."

Ob nun eigenständige Minderheit oder nicht, die Muslime im Westen Myanmars sind staatenlos, rechtlos, Vertriebene, die in Myanmar keiner will. Bis zu den Wahlen im November wird sich daran nichts ändern.

Myanmars Opposition und die Rohingyas
U. Schmidt, ARD Singapur
09.06.2015 09:39 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 09. Juni 2015 um 05:24 Uhr im Deutschlandfunk.

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