Rohingya in einem überfluteten Flüchtlingslager | Bildquelle: AFP

Rohingya-Flucht aus Myanmar Konflikt für Extremisten nützlich?

Stand: 18.09.2017 11:49 Uhr

Wollen Islamisten die Massenflucht der muslimischen Minderheit Rohingya aus Myanmar nutzen, um den Extremismus in der Region zu stärken? Das befürchten Beobachter der Region.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Südostasien

Heftiger Monsun-Regen verwandelt das Grenzgebiet von Myanmar und Bangladesch in eine Schlammwüste. Zehntausende Menschen stapfen knietief durch den Matsch, bis auf die Haut durchnässt, frierend, hungernd - und die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. 400.000 Rohingya sind in den vergangenen drei Wochen nach Bangladesch geflohen. Weitere 100.000, so schätzen es die Vereinten Nationen, verstecken sich in Myanmar vor der Gewalt. Das ist fast die Hälfte der gesamten Rohingya-Bevölkerung im Rakhine Staat.

Rohingya in einem überfluteten Flüchtlingslager | Bildquelle: REUTERS
galerie

Flüchtlingslager in Bangladesch sind hoffnungslos überfüllt

Und der Exodus der muslimischen Minderheit geht weiter, weil auch die Gewalt weitergeht: vonseiten der Armee, buddhistischer Mönche und aufgeheizten Burmesen. Doch Armeechef Min Aung Hlaing behauptet, die Rohingya selbst trügen ganz allein die Schuld an ihrer Situation, weil sie versuchten, eine islamistische Hochburg in Myanmar zu errichten. Eine Sichtweise, die der Abt des buddhistischen Klosters in Sittwe teilt:

"Die internationalen Medien stellen die Lage völlig falsch dar. Auch die UN verstehen nicht, was hier wirklich vor sich geht. Wir Buddhisten sind die Bedrängten hier. Die Bengali - und ich weigere mich von Rohingya zu sprechen - wollen einen islamischen Staat errichten und uns vertreiben. Dabei sind sie es, die hier nicht hingehören."

Rohingya auf der Flucht aus Myanmar: Eine Reportage aus Bangladesch
16.09.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Überall im Lande hetzen Mönche in roten Roben auf Demonstrationen gegen die muslimische Minderheit. Das westliche Bild vom friedfertigen, toleranten Buddhismus bekommt Risse. Und gerade die Rohingya haben bislang nie für einen eigenen Staat gekämpft - so wie die muslimischen Separatisten auf Mindanao oder in Süd-Thailand. Alles, was sie wollen, ist dazugehören. Doch die Regierung von Myanmar verweigert ihnen die Staatsangehörigkeit. Die Diskriminierung der Minderheit, so der Politologe Justin White, könnte den Boden bereiten für noch mehr Gewalt.

Spannung zwischen Nachbarländern wächst

"Es gibt erste Anzeichen dafür, dass islamistische Extremisten - auch der IS - den Konflikt in Myanmar für sich entdecken", so White. "In Bangladesh fordern muslimische Hardliner die Regierung zum Krieg auf gegen Myanmar. Die Spannung zwischen den Nachbarländern wächst. Deshalb muss die Regierung in Myanmar für eine faire Lösung sorgen."

Rohingya in einem überfluteten Flüchtlingslager | Bildquelle: REUTERS
galerie

Mehr als 400.000 Muslime sind aus Myanmar geflohen

Und De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi muss endlich ihr Schweigen brechen zu den Verbrechen an den Rohingya. Das fordert auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres:

"Jetzt ist ihre allerletzte Chance, die Situation zu entschärfen. Sonst wird die Tragödie absolut entsetzlich. Wenn Aung San Suu Kyi jetzt nicht handelt, wird die Katastrophe unumkehrbar sein."

Ob die Friedensnobelpreisträgerin tatsächlich die Armee stoppen kann, ist fraglich. Denn immer noch hat das Militär die heimliche Macht in Myanmar. Kritiker fordern Aung San Suu Kyi daher auf, von ihren Ämtern zurückzutreten, um den Generälen die demokratische Fassade zu entreißen.

Exodus aus Myanmar - Schon 400.000 Rohingya geflohen
Holger Senzel, ARD Singapur
18.09.2017 12:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. September 2017 um 11:00 Uhr.

Darstellung: