Robert Kennedy, nachdem er die Vorwahlen in Kalifornien gewonnen hatte, am 5. Juni 1968 in einem Hotel in Los Angeles | Bildquelle: AP

Robert Kennedy 50 Jahre tot Sein Erbe ist aktueller denn je

Stand: 06.06.2018 05:02 Uhr

Heute vor 50 Jahren starb der demokratische Präsidentschaftsbewerber Robert F. Kennedy. Sein Hauptwahlkampfziel ist heute wieder aktuell: die enorme Spaltung Amerikas zu überwinden.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Das Jahr 1968 war auch in den USA ein Schicksalsjahr: wachsende Proteste gegen den Vietnam-Krieg, Auseinandersetzungen zwischen Schwarz und Weiß und der Generationenkonflikt zwischen Jung und Alt. 1968 war in den USA auch ein Jahr der Gewalt. Dabei begann es Mitte März mit viel Hoffnung. Der damalige demokratische Senator Robert F. Kennedy erklärte, er werde für das Amt des Präsidenten kandidieren - gegen das Establishment seiner Partei.

Robert Kennedy | Bildquelle: AP
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Robert Kennedy mit seiner Frau Ethel im Ambassador-Hotel in Los Angeles. Kurz danach wurde er ermordet.

Versöhnung als wichtigstes Ziel

In seiner Bewerbungsrede kündigte Kennedy an, er wolle die verfeindeten Lager in der Gesellschaft wieder versöhnen: "Um die Gräben zu überwinden, die es jetzt zwischen Schwarz und Weiß, Reich und Arm und Jung und Alt gibt. Ich trete an, weil es jetzt allen klar ist, dass wir die spalterische und desaströse Politik nur verändern können, wenn wir die dafür verantwortlichen Männer ablösen."

Zwei Wochen später kündigte Präsident Lyndon B. Johnson an, nicht mehr für eine Wiederwahl anzutreten. Und wiederum eine knappe Woche später wird der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King in Memphis erschossen. In einer bewegenden Trauerrede rief Robert F. Kennedy die Amerikaner auf, ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen: "Niemand, egal wo er lebt oder was er macht, kann sicher sein, wer als nächstes Opfer einer sinnlosen Bluttat wird. Warum nur? Was hat Gewalt je erreicht?"

Robert Kennedy mit Martin Luther King, Vizepräsident Lyndon B. Johnson und andere Bürgerrechtsaktivisten am 22. Juni 1963 im Garten des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
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Justizminister Robert Kennedy mit Martin Luther King, Vizepräsident Lyndon B. Johnson und andere Bürgerrechtsaktivisten am 22. Juni 1963 im Garten des Weißen Hauses

Nach erstem Wahlerfolg erschossen

Genau zwei Monate später ist der 42-jährige Hoffnungsträger der Demokraten das nächste Opfer. Nach siegreicher Vorwahl in Kalifornien hatte sich Kennedy gerade bei seinen Wählern bedankt. Auf dem Weg zur Pressekonferenz wird er von einem Attentäter aus nächster Nähe erschossen.

Kennedy liegt blutend am Boden, neben ihm der junge Kellner Juan Romero. 50 Jahre später schildert Romero im Radiosender NPR Kennedys letzte Worte: "Ich hielt meine Hand zwischen den kalten Beton und seinen Kopf. Ich sah, wie er die Lippen bewegte. Also hielt ich mein Ohr näher und hörte ihn fragen: Sind alle okay?"

Eine Generation verliert ihren Hoffnungsträger

Robert Kennedy im Vorwahlkampf am 2. April 1968 in Philadelphia | Bildquelle: AP
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Robert Kennedy im Vorwahlkampf am 2. April 1968 in Philadelphia

24 Stunden später erlag Kennedy seinen Verletzungen. Innerhalb weniger Wochen hatte Amerika zwei seiner besten politischen Führer durch Attentate verloren. Vor allem die junge Generation und die Afroamerikaner hatten ihre beiden größten Hoffnungsträger verloren, erinnert sich Peter Edelman, der damals Kennedys Assistent war: "Es ist unmöglich zu beschreiben, wie schrecklich diese Ereignisse 1968 waren. Es kam ein Schock nach dem anderen."

50 Jahre nach Bobby Kennedys Tod fragen sich viele Amerikaner: Was wäre gewesen wenn? Kennedy hätte gute Chancen gehabt, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Stattdessen kam es während der Parteiversammlung der Demokraten in Chicago zu Straßenschlachten. Amerika war schockiert und wählte den "Law and Order"-Republikaner Richard Nixon zum Präsidenten.

Der Attentäter von Robert Kennedy, Sirhan Sirhan | Bildquelle: AP
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Die Motive des Attentäter Sirhan Sirhan wurden nie eindeutig geklärt.

Die Probleme wiederholen sich

Robert Kennedys Bemühen um eine Versöhnung der polarisierten Gesellschaft, sein Kampf gegen Armut und soziale Benachteiligung, nicht nur der Schwarzen, auch der armen weißen Landbevölkerung - all dies ist heute in Trumps Amerika aktueller denn je - findet Jeff Greenfield, der damals Redenschreiber von Robert Kennedy war: "Dass sich die weiße Arbeiterklasse heute von den Demokraten abgewendet hat, ist genau, was Robert Kennedy vermeiden wollte: indem er die Kluft zwischen Arm und Reich verkleinern wollte. Diese Erkenntnis ist auch ein halbes Jahrhundert später noch aktuell."

50 Jahre nach Bobby Kennedys Tod
Martin Ganslmeier, ARD Washington
06.06.2018 06:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juni 2018 um 5:41 Uhr.

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