Town Hall Meeting in Florence, South Carolina | Bildquelle: AFP

Republikanische Abgeordnete Zurück im wütenden Wahlkreis

Stand: 24.02.2017 12:52 Uhr

In der Sitzungspause des US-Kongresses kehren die Abgeordneten in ihre Wahlkreise zurück. Die Republikaner treffen dort auf die geballte Wut der Wähler. Von Trumps Politik halten sie wenig. Ein Besuch bei den US-Townhall Meetings.

Von Andreas Hochler, ARD-Studio Washington

Der US-Kongress hat Sitzungspause und die Abgeordneten sind in ihre Wahlkreise abgereist, stellen sich der Bevölkerung zu Hause. Aber viele Republikaner haben es schwer, in Stadthallen und Rathäusern Werbung für ihre Politik zu machen. Sie bekommen es mit der Wut der Basis zu tun. "Do your job!" - "Machen sie gefälligst Ihre Arbeit" - brüllen die Teilnehmer sogenannter Townhall Meetings in Arkansas, Ohio, New Jersey oder Kalifornien.

Town Hall Meeting in Florence, South Carolina | Bildquelle: AFP
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Rettet Obamacare, fordert dieser Wähler in South Carolina von seinem Abgeordneten.

Bei solchen Veranstaltungen stehen die Abgeordneten ihren Bürgern Rede und Antwort - wenn sie dazu kommen. Denn die wütende Wählerschaft schreit sie förmlich nieder. "ACA!" skandieren die Menschen zum Beispiel in Arkansas. Das steht für Affordable Care Act oder Obamacare, die Krankenversicherung, die Präsident Donald Trump streichen und ersetzen will.

Eine Frau ruft in den Saal: "Ich kann ihnen sagen, drei meiner Familienmitglieder - inklusive ich selbst - wären tot und obdachlos, wenn es Obamacare nicht gäbe." Sie fordert Antworten von ihrem republikanischen Kongressabgeordneten Tom Cotton, ist wütend über die aktuellen Entwicklungen. Schließlich arbeite der Abgeordnete für die Bürger.

Frenetischer Applaus für Trump-Gegner

Selbst Kinder schalten sich in die Debatte ein. Ein siebenjähriger Junge greift zum Mikrofon: "Donald Trump macht Mexikaner zu unwichtigen Menschen für Menschen, die Mexikaner mögen. Wie mich, meine Großmutter und meine ganze Familie", sagt er und wird mit frenetischem Applaus belohnt.

In Kalifornien will eine Bürgerin vom Abgeordneten Tom McClintock wissen, ob er den Vorstoß beider Parteien unterstütze, die Verbindungen der Trump-Kampagne zu Wladimir Putin und Russland untersuchen zu lassen. Aber als der Parlamentarier versucht, über den Aufwand einer solchen Untersuchung zu sprechen, wird er niedergebrüllt.

Fernsehjournalist David Gregory erinnern die Proteste an 2009. Damals setzte die konservative Tea Party gemeinsam mit vielen republikanischen Kongressabgeordneten alles daran, die Politik des neuen Präsidenten Barack Obama anzugreifen. "Viele Progressive sagen jetzt: Weiter so! Wir sollten genau das tun, womit die rechte Basisbewegung ab 2009 so erfolgreich war", sagt Gregory.

Trump-Sprecher schiebt Aufruhr auf bezahlte Demonstranten

Town Hall Meeting in Florence, South Carolina | Bildquelle: AFP
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Viele Republikaner halten nichts von der Politik Trumps. Das Weiße Haus hält die Demonstranten für bestochen.

Das Weiße Haus lässt sich vom Aufruhr in den Stadthallen nicht beunruhigen. Manche Menschen seien aufgebracht, aber das seien zum Teil professionell organisierte Proteste, sagt Sprecher Sean Spicer. Dem widersprechen die Wähler an der Basis. Nein, sie sei keine bezahlte Demonstrantin, ruft etwa die Bürgerin Mary Story bei einem Townhall Meeting in Fayetteville, North Carolina.

Rose Mudd Perkins aus Kentucky scherzt, sie würde liebend gern für die Proteste bezahlt. Senator von Kentucky ist Mehrheitsführer Mitch McConnell. Wählerin Perkins fragte ihn nach der Zukunft der Kohleindustrie, der Wirtschaft und der Gesundheitsversorgung. Mit seiner Antwort ist sie nicht zufrieden. Sie habe Dollarzeichen in seinen Augen gesehen und Apathie. "Für uns tut er nichts", kritisiert sie.

Kein Land am rechten Rand

Aber nicht nur im Landesinneren protestieren die Menschen, auch an der Ostküste. In Virginia Beach ist Sanjay Rajput unter den Demonstranten. Die Republikaner und Donald Trump hätten zwar die Wahl gewonnen, obwohl Hillary Clinton mehr Stimmen hatte, sagt er. Aber das bedeute nicht, dass die USA nun ein Land am rechten Rand würden.

Die aktuellen Proteste im Land decken sich mit den Beliebtheitswerten des Präsidenten. In einer landesweiten Umfrage gaben nur 38 Prozent der befragten Bürger an, sie seien mit Trumps Arbeit zufrieden. 55 Prozent waren unzufrieden.

Republikanische Abgeordnete haben es zu Hause schwer
A. Horchler, ARD Washington
24.02.2017 11:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Februar 2017 um 09:11 und 11:45 Uhr.

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