Türkische Wähler vor dem Generalkonsulat in Berlin | Bildquelle: dpa

Türkei-Referendum Hohe Beteiligung in Deutschland

Stand: 10.04.2017 11:40 Uhr

Bei der Abstimmung über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei lag die Beteiligung der in Deutschland lebenden Türken bis Sonntag bei knapp 50 Prozent. Damit war sie höher als bei der Parlamentswahl 2015.

Knapp die Hälfte der stimmberechtigten Türken in Deutschland hat sich an dem Referendum über die Einführung des Präsidialsystems in der Türkei beteiligt. Die Zahl lag deutlich über der der Parlamentswahl 2015. Bis Sonntagabend konnten die in Deutschland registrierten türkischen Bürger ihre Stimme abgeben. Insgesamt 48,73 Prozent taten das auch. Das waren 696.863 der 1.430.127 Berechtigten, wie die Wahlkommission in Ankara mitteilte.

Allerdings stellt diese Zahl noch nicht die abschließende Beteiligung dar. Noch bis inklusive 16. April - dem Tag des Referendums in der Türkei - können Auslandstürken an den Grenzübergängen zur Türkei abstimmen. Von den Abstimmungsberechtigten in Deutschland stimmten 660.780 (46,2 Prozent) in den von den hiesigen türkischen Konsulaten eingerichteten Abstimmungslokalen ab. Weitere 36.083 (2,52 Prozent) wählten an Grenzübergängen. Bei der Parlamentswahl 2015 hatten 40,8 Prozent der berechtigten Türken in Deutschland abgestimmt. Diese Zahl umfasst aber nur Stimmabgaben in Deutschland, nicht solche an den Grenzübergängen.

Vize der Türkischen Gemeinde rechnet mit Ablehnung

Der Vizechef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Atila Karabörklü, sagte dem Rundfunk Berlin-Brandenburg: "Dieses Mal scheint es so, dass wir 50 Prozent erreichen werden." Karabörklü rechnet damit, dass die Türken die Verfassungsreform mehrheitlich ablehnen. Was die Stimmen der Türken in Deutschland angeht, erwartet er, dass Befürworter und Gegner etwa gleichauf liegen - "vielleicht mit ein bisschen mehr für Ja", sagte er.

Türken in Deutschland hatten zwei Wochen lang die Möglichkeit, für oder gegen das von Staatschef Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem in der Türkei zu stimmen. Das Präsidialsystem würde Erdogan deutlich mehr Macht verleihen. Am vergangenen Wochenende legte die Beteiligung in Deutschland noch einmal deutlich zu. Bis einschließlich Donnerstag hatte erst gut ein Drittel (37,2 Prozent) der Berechtigten abgestimmt.

Entscheidend bei knappem Ausgang

In Österreich lag die Gesamtbeteiligung mit 50,59 Prozent von 108.561 Berechtigten etwas höher als in Deutschland. In der Schweiz beteiligten sich sogar 57,11 Prozent der dort 95.263 Berechtigten. Weltweit nahmen 1.323.640 Auslandstürken an dem Referendum teil - 46,98 Prozent der 2.972.676 Stimmberechtigten. Auch für sie gilt, dass die Abstimmung an Grenzübergängen bis zum Abend des 16. April weiterhin möglich ist.

In der Türkei sind rund 55,3 Millionen Menschen stimmberechtigt. Die Auslandstürken machen also etwa fünf Prozent aller Abstimmungsberechtigten aus und könnten bei einem knappen Ausgang entscheidend sein. Präsident Erdogan hatte die Auslandstürken aufgerufen, sich massenhaft zu beteiligen.

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