Abdelhamid Abaaoud | Bildquelle: AP

Nach der Großrazzia in Saint-Denis Rätsel um Top-Terrorist Abaaoud

Stand: 19.11.2015 11:06 Uhr

Er gilt als Drahtzieher der Anschläge von Paris - doch ist Abdelhamid Abaaoud überhaupt noch am Leben? Die "Washington Post" berichtet, der Belgier sei bei der Razzia in Saint-Denis getötet worden. Beweise aber gibt es auch am Morgen nach dem Großeinsatz noch keine.

Die "Washington Post" gibt sich sicher: Abdelhamid Abaaoud ist nicht mehr am Leben. Beim mehrstündigen Anti-Terror-Einsatz der französischen Polizei gestern im Pariser Vorort Saint-Denis sei der Belgier getötet worden.

Woher die angesehene Zeitung das wissen will? "Sie beruft sich auf zwei hochrangige Behördenvertreter aus Europa", sagt Sabrina Fritz, ARD-Hörfunk-Korrespondentin in den USA. Die beiden Quellen kämen laut "Washington Post" aus unterschiedlichen Ländern und seien mit dem Zugriff in Saint-Denis vertraut gewesen. Sie hätten ihre Informationen über den Tod Abaaouds von französischen Sicherheitskräften bekommen.

Unklar sei der "Washington Post" zufolge lediglich, wie der Top-Terrorist, der hinter den Anschlägen von Paris stehen soll, ums Leben kam. Wurde er von der Polizei erschossen? Wurde er getötet, als sich eine Verdächtige im Zuge des Einsatzes in die Luft sprengte? Tötete er sich selbst?

Razzia in St. Denis | Bildquelle: dpa
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So weit das Auge reicht: Polizisten. Ein Bild von der Großrazzia in Saint-Denis gesterm

Der Staatsanwalt will auf den Bericht nicht eingehen

Wobei: Ist er überhaupt tot? So sicher die "Washington Post" zu sein scheint, so diffus stellt sich seit gestern Abend die offizielle Nachrichtenlage dar. Klar ist: Die französischen Sicherheitskräfte hatten bei einem Großeinsatz in dem Pariser Vorort nach Abaaoud gesucht. Auswertungen überwachter Telefongespräche hatten die Ermittler auf die Spur gebracht. Daraus ergaben sich Hinweise, dass Abaaoud sich in der ausgemachten Wohnung aufhalten könnte.

Fest steht wohl auch, dass bei der Razzia insgesamt sieben Männer und eine Frau festgenommen wurden. Bei mehreren von ihnen sei die Identität noch unklar, sagte Staatsanwalt François Molins - allerdings sei bereits sicher, dass sich Abaaoud nicht unter den Festgenommenen befinde.

Wie es weiter hieß, kamen bei dem Großeinsatz mindestens zwei Menschen ums Leben: Eine Frau starb bei der Explosion ihres Sprengstoffgürtels. Auch über sie gibt es Spekulationen. So berichtet Radio Télévision Belge France, die Frau sei eine Cousine von Abaaoud gewesen. Wie der britische Telegraph erfahren haben will, hatten Ermittler ihr Telefon abgehört und waren dadurch auf die Terrorzelle in Saint-Denis gestoßen. Nach Informationen des Saarländischen Rundfunks soll sie bis vor zwei Jahren in der Nähe der deutsch-französischen Grenze gelebt haben.

Zudem fand die Polizei nach den Worten von Staatsanwalt Molins in den Trümmern einen weiteren, von Kugeln "durchsiebten" Körper. Ist das Abaaoud? Molins wollte auf diese Spekulation gar nicht erst eingehen.

Hinweise zum Tod Abedelhamid Abaaoud: Philipp Glitz, ARD Paris, mit Details
tagesthemen 22:35 Uhr, 18.11.2015

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Und Salah Abdeslam? Scheint weiter auf der Flucht zu sein

Der Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis ereignete sich fünf Tage nach den Anschlägen von Paris. Bei den Anschlägen am Freitagabend waren nach jetzigem Stand mindestens 129 Menschen ermordet worden. Zudem starben sieben Attentäter, bei zwei von ihnen sei die Identität weiterhin nicht geklärt, so Molins.

Einer der mutmaßlichen Täter, Salah Abdeslam, Bruder des bei den Anschlägen getöteten Attentäters Brahim Abdeslam, befindet sich offenbar weiterhin auf der Flucht. Auch er sei nicht unter den in Saint-Denis Festgenommenen, sagte Molins, der darüber hinaus betonte, die überwältigte Terrorzelle wäre ohne den Zugriff in der Lage gewesen, zeitnah Anschläge zu begehen.

Saint-Denis liegt nur unweit nördlich des Stade de France, einem der Anschlagsorte vom Freitag. | Karte vergrößern

Abaaoud nicht festgenommen
A. Ulrich, ARD Paris
18.11.2015 21:12 Uhr

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