Stephen Hawking sitzt bei der Präsentation des Projektes vor einer Weltraum-Animation.

Neues Projekt von Hawking und Co. Per Laser-Katapult in ferne Galaxien

Stand: 13.04.2016 04:46 Uhr

Die unendlichen Weiten des Weltraums faszinieren die Menschen seit jeher. Doch bislang war es unmöglich, zu fernen Galaxien zu reisen. Das wollen Stephen Hawking und Kollegen nun ändern: Sie wollen ein Mini-Raumschiff per Laser in den Weltraum katapultieren.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Sie wollen hoch hinaus. Hin zu den Sternen, zu dem uns nächsten Sternensystem Alpha Centauri. Und weil der britische Astrophysiker Professor Stephen Hawking und der russische Milliardär Juri Millner offenbar einen Sinn für Humor haben, kündigten sie das nächste große Menschheitsprojekt namens "Breakthrough Starshot" 381 Meter über der Erde an. Hoch oben auf der Aussichtsplattform des neuen New Yorker World Trade Centers.

"Heute ist der Tag gekommen, von dem alle Weltraumforscher träumten. Die Sterne sind zum Greifen nah", sagte Pete Wardon, neuer Direktor der Operation "Breakthrough Starshot". "Heute" ist allenfalls ein wenig übertrieben. 20 Jahre könnte es wohl noch dauern, bis alles tatsächlich verwirklicht ist.

Leuchtende Gaswolken in einer Nachbargalaxie unserer Milchstraße
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Leuchtende Gaswolken in einer Nachbargalaxie unserer Milchstraße: Werden kleine Raumschiffe dort bald hinreisen können?

Per Laserstrahl in die unendlichen Weiten

Das Projekt jedenfalls klingt für jeden Laien leicht verrückt: Mit mehreren gebündelten Laserstrahlen soll ein kreditkartengroßes, nur 20 Gramm schweres Nanoraumschiff - ausgestattet mit Kameras und einem riesigen, metergroßen Sonnensegel - in den Weltraum geschossen werden. Dieser Laserstrahl hat es in sich, sagte Harvard-Professor und Astronom Avi Loeb. "Der Laser hat die Kraft von über 100 Gigawatt. Das ist die Kraft, die es brauchte, einst ein Space Shuttle nach oben zu schießen."

Auf diese Weise erreicht das noch zu bauende Nanoraumschiff 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit - das sind 60 Millionen Meter pro Sekunde. Die Reise zum nächsten Sternensystem Alpha Centauri würde "nur noch" 20 Jahre dauern. Tausendmal schneller immerhin als jedes Raumschiff heutiger Bauart benötigen würde. "20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit würde beispielsweise heißen, das Nanoschiff fliegt in drei Tagen an Pluto vorbei, statt in neuneinhalb Jahren wie noch die Sonde 'New Horizons' brauchte."

Gibt es Außerirdische?

Stephen Hawking, der an einer Nervenerkrankung leidende berühmte Astrophysiker saß bei der Präsentation in seinem Rollstuhl und antwortete per Sprachcomputer sehr britisch trocken auf die Frage, wie wahrscheinlich es denn nun sei, dass das Nano-Raumschiff auf Aliens, auf neues Leben im All stoße: "Die Wahrscheinlicheit ist gering. Wahrscheinlich jedenfalls", so Hawking unter dem Gelächter der Zuhörer.

Fest aber steht: Juri Millner, der russische Milliardär, gibt ebenso wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Millionen für das Projekt, das am Ende vermutlich mehr als 13 Milliarden US-Dollar kosten dürfte. Dafür gibt es verlockende Aussichten: Sollte die Technik funktionieren, wären die Betreiber in der Lage, unzählige Miniraumsonden auf die Sternenjagd zu schicken: "Eine Sonde pro Tag. Hunderte pro Jahr", sagte Harvard-Professor Loeb.

Der Direktor des Projekts Pete Wardon jedenfalls hofft auf die Antwort der einen, der ewigen Frage: Sind wir allein im Universum? "Breakthrough Starshot wird die große Frage der Wissenschaft beantworten. Und ich finde, das ist wirklich verdammt cool."

Cool war übrigens auch die Antwort von Stephen Hawking, als er danach gefragt wurde, wie intelligentes Leben im All denn vermutlich aussehen werde. Mit Blick auf Donald Trump und den amerikanischen Vorwahlkampf sagte Hawking trocken: "Definitiv nicht wie wir."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. April 2016 um 11:15 Uhr.

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