Die US-Schauspielerin und Sitcom-Hauptdarstellerin Roseanne Barr | Bildquelle: AFP

Neuauflage von US-Sitcom "Roseanne" nach Rassismus-Tweet abgesetzt

Stand: 29.05.2018 22:11 Uhr

Vor der Kamera brachte ihr ein loses Mundwerk Erfolg: Doch nun verliert die US-Schauspielerin Roseanne Barr ihre Sitcom. Grund sind rassistische Äußerungen über eine frühere Beraterin von Barack Obama.

Fast zehn Jahre lang feierte die Sitcom "Roseanne" in den USA Erfolge: Von 1988 bis 1997 drehte sich in der Serie alles um die großen Alltagssorgen der Familie Conner - vom Geld bis hin zur Kindererziehung und Ehekrisen. Im Mittelpunkt standen vor allem Ehemann Dan, gespielt von John Goodman, und die Namensgeberin der Sitcom: Roseanne Barr. Doch der weibliche Hauptstar hat sich nun das Comeback auf dem Fernsehbildschirm selbst verbaut.

Roseanne Barr und John Goodman in einer Szene der Serie "Roseanne". | Bildquelle: AP
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Als Ehepaar Roseanne und Dan Conner erlangten sie Kultstatus: Roseanne Barr und John Goodman.

Attacke zielte auf Ex-Obama-Beraterin

Der Fernsehsender ABC kündigte an, dass die Neuauflage von "Roseanne", die seit März ausgestrahlt wurde, wieder eingestellt wird. Schuld ist ein Tweet von Barr, in dem sie die frühere Beraterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, Valerie Jarrett, beleidigte: Sie sehe aus wie das Kind "der Muslimbruderschaft und dem Planeten der Affen". Jarrett ist Afro-Amerikanerin. "Roseannes Twitter-Mitteilung ist abscheulich, abstoßend und stimmt nicht mit unseren Werten überein, und wir haben entschieden, ihre Show abzusetzen", sagte Channing Dungey, Präsidentin von ABC Entertainment.

Mit ihrem Tweet löste Barr einen regelrechten Proteststurm aus, nicht nur auf Twitter, sondern auch unter ihren Kollegen. "Es ist unglaublich traurig und schwierig für uns alle, denn wir haben eine Show geschaffen, an die wir glauben, auf die wir stolz sind und die die Zuschauer lieben - eine Show, die anders ist als die Meinungen und Wörter eines Mitglieds der Besetzung", schrieb Schauspielerin Sara Gilbert. Sie hatte bereits im Original der Sitcom und nun auch in der Neuauflage die Tochter Darlene verkörpert.

Die frühere Beraterin des EX-US-Präsidenten Obama, Valerie Jarrett | Bildquelle: AFP
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Die frühere Beraterin des Ex-US-Präsidenten Obama, Valerie Jarrett.

"Ein Zeichen schlechten Geschmacks"

Die 65 Jahre alte Hauptdarstellerin versuchte noch, die Wogen wieder zu glätten und entschuldigte sich - ebenfalls per Twitter: Ihr "Scherz" sei ein Zeichen schlechten Geschmacks gewesen, sie hätte es besser wissen sollen. Barr versprach, Twitter zu verlassen.

Doch ABC bleibt bislang bei seiner Entscheidung - trotz Einschaltquoten von bis zu 18 Millionen Zuschauern in den USA, die Ende März wieder der Familie Conner folgten. Auch in Deutschland hatte die Serie Fans gefunden: Ab 1990 wurde sie auf dem Sender ProSieben ausgestrahlt.

Lange Geschichte von geschmacklosen Äußerungen

Für Beobachter waren die jetzigen Tweets jedoch nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit mehreren Jahren fiel Barr im Internet - vor allem bei Twitter - aber auch in anderen Zusammenhängen durch hasserfüllte, antisemitische, gewaltverherrlichende und verschwörungstheoretische Äußerungen auf.

So bezeichnete sie laut US-Medien den ungarisch-stämmigen, jüdischen Milliardär George Soros als Nazi - Soros musste sich in seiner Jugend in Ungarn vor den Nazis verstecken, um seiner Deportation zu entgehen. Auch Israel bezeichnete sie als "Nazi-Staat" und bekannte öffentlich Sympathien für einen Musiker, der den Holocaust leugnete.

Sie sprach mit Blick auf Muslime von einer "Islamischen Vergewaltigungs-Pädo-Kultur". Sie verbreitete laut Berichten die Ansicht, die Anschläge vom 11. September 2001 seien ein Komplott der Geheimdienste und retweetete Äußerungen über "Pizzagate". Unter dem Hashtag wurden Falschmeldungen über einen Kinderschänderring verbreitet, der sich angeblich in einer Pizzeria in Washington D.C. treffe und in den die Demokratin Hillary Clinton verstrickt sei. Im Dezember 2016 stürmte ein bewaffneter Mann eben jene Pizzeria, um die dort vermeintlich festgehaltenen Kinder zu befreien. Barr unterstützt Präsident Donald Trump und verbreitete beleidigende Äußerungen über Clinton und deren Tochter.

Sie veröffentliche zudem die Adresse der Eltern des Polizisten, der den Schwarzen Trayvon Martin erschossen hatte, kündigte an "vielleicht vorbeizuschauen" und rief indirekt zur Selbstjustiz auf. Dafür wurde sie von den Eltern verklagt.

Über dieses Thema berichteten am 30. Mai 2018 Deutschlandfunk um 08:00 Uhr in den Nachrichten und Deutschlandfunk Nova um 08:53 Uhr.

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