Der türkische Präsident Erdogan gestikuliert bei einer Rede | Bildquelle: AFP

Verfahren in New York Ein US-Prozess lässt Erdogan toben

Stand: 27.11.2017 03:12 Uhr

Eine Verschwörung nennt der türkische Präsident Erdogan einen heute in New York beginnenden Prozess. Die türkischen Angeklagten bezeichnet er als Geiseln. In dem Fall geht es um Gold, Iran-Sanktionen und einen brisanten Verdacht.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Mit der Auswahl der Geschworenen beginnt heute in New York ein Prozess gegen zwei türkische Staatsbürger. Es ist ein Verfahren, in dem viel politischer Sprengstoff steckt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Prozess zuletzt eine Verschwörung genannt, um seine Regierung zu stürzen.

Im Mittelpunkt steht der türkische Goldhändler Reza Zarrab. Dem im März 2016 in Miami festgenommenen Zarrab wirft die Staatsanwaltschaft einen Verstoß gegen die von den USA verhängten Iran-Sanktionen vor. Demnach hat Zarrab zusammen mit weiteren Beschuldigten, unter anderem einem ehemaligen Minister der Regierung Erdogan, große Mengen Goldes in den Iran transferiert, um damit Ölexporte zu bezahlen. Da amerikanische Banken involviert waren, hatten Zarrab und andere die wahren Hintergründe des Geschäftes offenbar verschleiert.

Türkischer Geschäftsmann Reza Zarrab | Bildquelle: dpa
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Der türkische Geschäftsmann Reza Zarrab steht im Mittelpunkte des Verfahrens

Verdacht gegen türkische Führung

Für den türkischen Präsidenten Erdogan ist der Fall auch deshalb so brisant, da der Verdacht besteht, er selbst sowie die türkische Führung könnten von den Geschäften gewusst und einige sogar davon profitiert haben. Erdogan hatte zuletzt mehrmals mit US-Präsident Donald Trump über den Fall gesprochen und öffentlich behauptet, es handele sich um ein Komplott.

Die ab heute in New York angeklagten türkischen Staatsbürger werden laut Erdogan als Geiseln gehalten und zu Aussagen gezwungen. Sowohl der ermittelnde Bundesstaatsanwalt aus New York wie auch das amerikanische Außenministerium nannten die Vorwürfe der Türkei lächerlich. Das türkisch-amerikanische Verhältnis jedenfalls ist derzeit nahe am Gefrierpunkt, nachdem die USA zuletzt bereits die Ausgabe von amerikanischen Reise-Visa an türkische Staatsbürger eingestellt hatten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. November 2017 um 09:50 Uhr.

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