Großdemo in Wien gegen die konservative Regierung | Bildquelle: AFP

Proteste in Österreich Großdemo gegen Kurz-Regierung

Stand: 13.01.2018 18:33 Uhr

In Wien sind rund 20.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die neue Regierung zu protestieren. Sie werfen Kanzler Kurz und der Koalition seiner konservativen ÖVP mit der rechten FPÖ rassistische Tendenzen vor.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Zur Protestkundgebung gegen die schwarz-blaue Bundesregierung hat ein loses Bündnis der Gewerkschaftsbasis, der Jugendverband der Österreichischen Sozialdemokraten, verschiedene Asylhilfe-Gruppierungen, der Studentenverband sowie Organisationen wie die "Plattform Radikale Linke" und die "Offensive gegen rechts".

Der pensionierte Gymnasiallehrer Otto Luif ist zusammen mit seiner Frau Doris bei nass-kaltem Wetter zu der Demonstration gekommen: "Das ist eine breite Bewegung, ähnlich wie bei der Bundespräsidentenwahl für Alexander van der Bellen. Ich denke, die Opposition muss sich erst einmal regenerieren und Wien muss sich entscheiden. Wien wird ein wichtiger Faktor sein und die Bürgermeisterwahl - wenn Wien wieder eine starke Kraft ist, dann können die gegen dieser Regierung gegensteuern."

Till Rueger @RuegerTill
Mehrere Tausend Protestierende sammeln sich für die Abschlusskundgebung am #Heldenplatz. Bisher demonstrieren alle sehr friedlich gegen die Regierungsbeteiligungen der #FPÖ in #Wien. #schwarzblau https://t.co/P2WKdzZ0JO

Auf Spruchbändern, selbstgemalten Protestschildern und unzähligen Flugblättern spiegeln sich die Vorbehalte der Demonstrationsteilnehmer wider: "Nein zu schwarz-blau", "Lasst Nazis nicht regieren", "Hände weg vom Sozialstaat", "Nein zu Hartz IV"- eine Anspielung auf die geplante Abschaffung der bisherigen Leistungen für Langzeitarbeitslose.

Ein weiterer Slogan lautet: "Studiengebühren zerstören Träume und Talente." Johanna Zechmeister, Vorsitzende der österreichischen Hochschülerinnenschaft, erklärt: "Wir sehen, dass die Regierung immer mehr Verschlechterungen für die Studierenden plant. Einerseits Studiengebühren, mehr Zugangsbeschränkungen. Die Regierung redet über uns, aber nicht mit uns. Deswegen fordern wir sie zu Gesprächen auf, um sich für die Verbesserungen für die Studierenden einzusetzen."

Großdemo in Wien gegen die konservative Regierung | Bildquelle: dpa
galerie

Tausende Menschen aller Altersklassen gingen auf die Straße.

Diskussion um "Grundversorgungslager"

Für erheblichen Unmut hatte in den Tagen vor der heutigen Protestkundgebung die Aussage von Innenminister Herbert Kickl gesorgt. Er hatte bei der Vorstellung der Asylstatistik die Kritik an den geplanten "Grundversorgungslagern für Asylbewerber" mit den Worten zurückgewiesen: "Es ist nur ein Begriff für eine entsprechende Infrastruktur, wo es uns gelingt, diejenigen, die in ein Asylverfahren eintreten, auch entsprechend konzentriert an einem Ort zu halten."

Aus diesem Grund ist auch die Zeithistorikerin Sarah Knoll zur Demo gekommen: "Also, wenn man Wortspiele macht, die an den nationalsozialistischen Jargon heranreichen und von einem "Konzentrieren" von Menschen spricht, sind das Zustände, die in Österreich nicht herrschen sollen. Dazu muss man seine Bürgerrechte wahren und auf die Straße gehen. Das kann man so einfach nicht stehenlassen."

Wiener Großdemo gegen schwarz-blaue Regierung
Clemens Verenkotte, ARD Wien
13.01.2018 17:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Januar 2018 um 17:45 Uhr.

Korrespondent

Clemens Verenkotte  Logo BR

Clemens Verenkotte, BR

Darstellung: