Ein Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen liegt auf einem Tisch | Bildquelle: dpa

Internationale Presse "Macron hat sein Ziel erreicht"

Stand: 12.06.2017 11:05 Uhr

Die erste Runde der Parlamentswahl in Frankreich zeigt: Die Wähler wollen Macrons Kurs, da ist sich die internationale Presse weitgehend einig. Doch schafft er es nun auch, den immensen Erwartungen gerecht zu werden und das Land zu reformieren?

"Der Sieg von Macron bei der jüngsten Präsidentenwahl konnte noch auf eine ganze Reihe von Umständen zurückgeführt werden, darunter auch auf die Schwäche seiner Rivalen. Der unanfechtbare Triumph von La République en Marche bei der ersten Runde der Parlamentswahl beweist nun aber, dass Macron kein zufälliger Präsident ist. Er ist der Führer einer neuen politische Strömung, die sich die Franzosen wünschen", schreibt die linksliberale Madrider Zeitung "El País".

Der "Tagesspiegel" aus Berlin schreibt: "In Frankreich ist ein Veränderungsprozess in Gang gekommen, der Frankreich und Europa nur guttun kann. Natürlich wird sich auch Macron bewusst sein, dass übersteigerte Erwartungen zu Beginn einer Amtszeit schnell auch in Enttäuschungen münden können - das zeigte das Beispiel von Tony Blair und auch das von Barack Obama, die beide anfangs als 'Messias' gefeiert wurden und später vor allem in der Außenpolitik auf dem harten Boden der Tatsachen landeten."

"Die Wähler wollen schnelle Veränderung"

"Das Idyll kann schnell in die Brüche gehen," schreibt auch die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera": "Die Macht des Präsidenten und eine parlamentarische Mehrheit repräsentieren nicht automatisch eine Garantie, wenn es darum geht, Reformen umzusetzen. Nach der Revolution bedarf es nun einer sanften Wiederherstellung des Vertrauens in das System. Denn das andere Gesicht Frankreichs, das arme und enttäuschte, identifiziert sich nicht mit dem neuen sozialen Block, der den jungen Präsidenten unterstützt."

Die linksliberale polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" kommentiert: "Die Formation von Emmanuel Macron hat die anderen Parteien zerdrückt und wird im zweiten Wahlgang mit großer Sicherheit die absolute Mehrheit bekommen. Das starke politische Mandat zeugt davon, dass die Wähler radikale und schnelle Veränderungen wollen, die die muffige Fünfte Republik in eine bessere verwandeln. Das kann für den neuen Präsidenten zum großen Problem werden, denn der Weg zu einem neuen Frankreich wird lang und schwer. Niemand weiß so genau, wie das zukünftige wunderbare Frankreich aussehen soll."

"Weg für Reformen offen wie ein Boulevard"

"Die Partei von Präsident Macron, La République en Marche, zieht also mit einer womöglich überwältigenden Mehrheit in das Palais Bourbon - den Sitz der französischen Nationalversammlung - ein", schreibt die belgische Zeitung "De Tijd": "Relativiert wird die große parlamentarische Mehrheit zwar durch die niedrige Wahlbeteiligung. Doch Macron hat sein Ziel erreicht. Er wollte die alten Gegensätze in der französischen Politik vom Tisch fegen und ein anderes politisches Umfeld schaffen. Das ist ihm ohne weiteres gelungen. Wenn dieses Ergebnis in der zweiten Wahlrunde bestätigt wird, ist für Präsident Macron der Weg zur Durchsetzung seiner Reformen so weit offen wie ein Boulevard."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juni 2017 um 11:00 Uhr.

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