Trumps Pressesprecher Sean Spicer begutachtet seinen falsch angesteckten Pin am Revers | Bildquelle: AP

Pressebriefing im Weißen Haus Und plötzlich steht die Flagge Kopf

Stand: 11.03.2017 11:00 Uhr

Trumps Sprecher Spicer und die Medien - das war bislang eine schwierige Angelegenheit. Inzwischen geht es in der täglichen Pressekonferenz freundlicher zu. Selbst dann, wenn Spicer die US-Flagge am Revers versehentlich falsch herum trägt - ein Zeichen für akuten Notstand.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Die tägliche Regierungspressekonferenz findet im West Wing, dem Westflügel des Weißen Hauses statt. Der überraschend kleine Raum ist ohne Fenster, die Scheinwerfer der Kameras sorgen zusätzlich für dicke Luft. Die sogenannte White House Press ist ein selbstbewusster Club. Die großen Medienhäuser wie New York Times, Fox News oder CNN haben eigene Plätze mit Namen - und man setzt sich besser nicht darauf.

Alle paar Jahre wechselt der Clubpräsident, sprich der Regierungssprecher. Seit Donald Trump heißt er Sean Spicer. Sein Start war holprig. Statt die Medien zu informieren, hat er sie vor allem beschimpft, was ihm auch eine grandiose Parodie in der Satire Sendung "Saturday night live" einbrachte.

Es darf gelacht werden

Doch inzwischen hat sich der Ton etwas gelockert, es wird sogar gelacht. So zum Beispiel beim Freitagsbriefing. Da trug Spicer seinen Pin am Revers, die amerikanische Flagge, verkehrt herum. Der blaue Teil rechts unten. In der Geheimsprache ist das ausgerechnet ein Zeichen für Notstand, große Gefahr und ein Ruf nach Hilfe  - oder das Symbol für die Fernsehsendung "House of  Cards", die ebenfalls im Weißen Haus spielt.

Doch Regierungssprecher Spicer versprach "keine Werbung" für die Serie - eine Anspielung auf Kollegin Kellyanne Conway, die Werbung für Ivanka Trumps Modelabel machte und dafür reichlich Ärger bekam.

Alle werden lockerer - und Trump freundlicher

Auch das Verhältnis zwischen Präsident Trump und den Medien scheint sich etwas zu entspannen. In seiner Rede vor dem Kongress hatte er auf die sonst üblichen Beleidigungen verzichtet. Vielleicht wird deswegen auch sein Sprecher etwas lockerer. Am Freitag wurden beispielsweise sehr gute Arbeitsmarktzahlen für den Februar veröffentlicht. Früher hatte Trump behauptet, diese Statistik sei falsch und geschönt. Ob er denn jetzt immer noch dieser Meinung sei, wollte ein Reporter wissen? "Nein", lachte Spicer, "sie mögen in der Vergangenheit falsch gewesen sein, aber jetzt sind sie sehr wahr". Und dann musste er selbst über diesen Unsinn lachen.

Aber es geht beim täglichen Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Journalisten und Regierungssprecher natürlich vor allem um ernste Themen: Die Gesundheitsreform, die Vergangenheit des ehemaligen Sicherheitsberaters und den Besuch der deutschen Bundeskanzlerin kommende Woche in Washington.

"Wir sind sehr gespannt auf die Reise und freuen uns auf die Kanzlerin und ihr Team", so Sprecher Spicer. Es soll um Handel- und Sicherheitsfragen gehen. Während des Wahlkampfes hatte Trump die deutsche Kanzlerin als schwach und Deutschland wegen der Aufnahme von Flüchtlingen als "Desaster" bezeichnet. Doch vielleicht herrscht der etwas freundlichere Ton jetzt nicht nur im Presseraum, sondern tatsächlich auch im Oval Office.

Es wird auch gelacht - Besuch bei der täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus
S. Fritz, SWR Washington
11.03.2017 10:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. März 2017 um 10:11 Uhr

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