Der bosnische Angeklagte Praljak vor dem UN-Kiregsverbrechertribunal in Den Haag | Bildquelle: dpa

Suizid vor UN-Kriegsverbrechertribunal Fall Praljak - Gericht bestreitet Versäumnisse

Stand: 01.01.2018 08:54 Uhr

Wie konnte der kroatische Kriegsverbrecher Praljak seine Zyankali-Flasche ins UN-Kriegsverbrechertribunal schmuggeln? Auch nach einer internen Untersuchung bleibt diese Frage ungeklärt. Etwas anderes ist für das Gericht aber klar: Eigene Versäumnisse gab es nicht.

Der Suizid des bosnisch-kroatischen Ex-Militärkommandeurs Slobodan Praljak vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist laut einer internen Untersuchung nicht durch Versäumnisse des Gerichts verschuldet worden.

"Es gibt keine Maßnahmen, die eine Entdeckung des Giftes zu irgendeinem Zeitpunkt garantiert hätten", erklärte Richter Hassan Jallow. Seine Untersuchung des Vorfalls habe keine Sicherheitslücken oder Fehler in den Regularien des UN-Tribunals für Ex-Jugoslawien und der dazugehörigen Haftanstalt ergeben.

20-jährige Haftstrafe wegen Kriegsverbrechen

Das UN-Tribunal hatte am 29. November eine 20-jährige Haftstrafe gegen Praljak wegen Kriegsverbrechen im bosnisch-kroatischen Krieg von 1993 bis 1994 bestätigt. Der 72-Jährige protestierte lautstark gegen die Entscheidung und trank im Gerichtssaal aus einem Fläschchen mit Zyankali. Er starb noch am selben Tag im Krankenhaus.

Eine Untersuchung der niederländischen Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall dauert noch an. Jallow erklärte, die geringe Größe des Giftfläschchens, die Einschränkung intensiver Leibesvisitationen durch die Regeln des Gerichts und die Beschaffenheit der Durchleuchtungsapparate hätten die Entdeckung erschwert. Wie und zu welchem Zeitpunkt es in Praljaks Hände geraten sei, sei nicht abschließend feststellbar.

Trotz seiner Verbrechen gilt Praljak vielen in seiner Heimat bis heute als Held.

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