Macron auf einer "En marche"-Veranstaltung | Bildquelle: REUTERS

Hollande-Herausforderer Macron Jung, talentiert, ehrgeizig

Stand: 16.11.2016 18:04 Uhr

Emmanuel Macron ist der Shooting-Star der französischen Politikszene: Gründer der eigenen Bewegung "En Marche!", bis August Wirtschaftsminister im Kabinett Hollande - und nun dessen Herausforderer im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Gerade mal 38 Jahre alt, ein gewinnendes Lächeln und hochgebildet: Wenn es in Frankreich so etwas wie einen In-Politiker gibt, dann ist es Emmanuel Macron. Für seine Fans ist er derjenige, der für den Aufbruch steht: "Er steht für eine neue Linke." "Er ist dynamisch und zukunftsgewandt.", sagen Leute auf der Straße. Kritiker hingegen bezeichnen ihn wahlweise als Kandidat der Banken oder neidvoll als Liebling der Medien. Vielleicht auch, wegen der Homestories über sich und seine über 20 Jahre ältere Frau - die er allerdings schnell wieder bereute.

Fest steht: Innerhalb kürzester Zeit avancierte Macron in seinem Amt als Wirtschaftsminister zum beliebtesten Mitglied der französischen Regierung. Und nun nach seinem Rücktritt im Sommer sogar zum Präsidentschaftskandidaten. So etwas habe es in Frankreich noch nie gegeben, meint ein politischer Kommentator im französischen Radio: "Emmanuel Macron ist ein Meteorit. Vor drei Jahren, war er der breiten Masse noch unbekannt. Jetzt ist er ein glaubwürdiger Kandidat für den Einzug in den Elysée-Palast. So etwas hat man in Frankreichs politischem Betrieb noch nicht gesehen."

Manuel Valls, Francois Hollande und Emmanuel Macron
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Hier noch mit Chef: Macron (rechts) als Wirtschaftsminister unter Francois Hollande.

Extrem steile Karriere

Tatsächlich hat Emmanuel Macron eine steile Karriere hingelegt. Aufgewachsen im nordfranzösischen Amiens in bürgerlichen Verhältnissen, schickten ihn seine Eltern mit 16 Jahren nach Paris auf eines der angesehensten Gymnasien Frankreichs. Er studierte Philosophie und besuchte die französische Elite-Hochschule ENA. Nach einem Job in der staatlichen Finanzinspektion brachte Macron es als Investmentbanker im Traditionsbankhaus Rothschild zu großem Erfolg - auch finanziell.

Es war Jacques Attali, ein enger Vertrauter des früheren Präsidenten François Mitterand, der ihn schließlich mit François Hollande zusammen brachte: "Das war ein Abend, wie ich ihn immer wieder mal organisiert habe - mit etwa 40 Personen, unter ihnen auch François Hollande. Irgendwann habe ich sie beide zur Seite genommen und gesagt: François, ich glaube, du solltest Emmanuel kennenlernen", erinnert sich Attali. Auch der heutige Präsident wurde zum Macron-Fan. 2012 holte Hollande ihn als Berater für Wirtschaft und Finanzen ins Kabinett. Im Sommer 2014 macht er seinen Zögling zum Wirtschaftsminister, der für eine sozialliberalere Politik sorgen sollte.

Star der eigenen Bewegung

Macrons Bilanz ist dennoch eher mager: Ein Gesetz, das immerhin seinen Namen trägt. Es weitet die Sonntagsarbeit aus und hat die Fernbusverbindungen in Frankreich liberalisiert. Doch schnell wurde deutlich: Der schillernde Shooting-Star fühlte sich zu Höherem berufen - und scheute es nicht, immer wieder mit unabgesprochenen Ideen, die nicht gerade ins Konzept einer linken Regierung passen, aus der Reihe zu tanzen. Die Krönung kam im April. Da gründete er seine eigene Bewegung "En Marche!" - "Auf geht’s!".

Die Bewegung "En Marche"
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Mit der Bewegung "En Marche" im Rücken strebt Macron das Präsidentenamt an.

Politisch war die weder links noch rechts angesiedelt: "Ich bin kein Sozialist. Ich bin in einer linken Regierung. Aber welche Bedeutung hat das? Wenn Sie Minister sind, dann doch Minister der Republik. Und dort dienen sie dem allgemeinen Interesse", erklärte Macron im August - ein paar Tage, bevor er als Minister seinen Hut nahm. Und damit Spekulationen über seine Ambitionen für das höchste Amt im Staat nur noch mehr befeuerte.

"Ich habe zwei moralische Verpflichtungen. Meinem Land gegenüber und meinen Ideen. Und dann habe ich persönliche Prinzipien. Ich weiß, wem ich es zu verdanken habe, dass ich hier bin. Das ist François Hollande", sagte Macron noch im Frühjahr. Was ihn am Ende doch nicht daran hinderte, diesem mit seiner Kandidatur das Messer in den Rücken zu rammen, sagen seine Gegner.

Präsidentschaftskandidat Macron: Der Shooting-Star will an die Spitze
K. Gallmeyer, ARD Paris
16.11.2016 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. November 2016 um 12:00 Uhr.

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