Grenzpolizei in Bulgarien  | Bildquelle: imago/ZUMA Press

Polizei in Osteuropa Plastiktüten in Stiefel gestopft

Stand: 02.11.2017 15:36 Uhr

Die europäische Polizeigewerkschaft EPU fordert, dass osteuropäische Sicherheitskräfte deutlich besser ausgestattet werden. Mit ihrer derzeitigen Ausrüstung seien sie kaum in der Lage, die EU-Außengrenzen so zu schützen, wie es notwendig sei.

Polizeigewerkschafter beklagen große Unterschiede bei der Ausrüstung von Polizisten in Europa. Eine Umfrage unter Polizisten in 15 europäischen Ländern im Auftrag der Gewerkschaft EPU ergab massive Mängel bei der Ausrüstung vor allem der osteuropäischen Sicherheitskräfte.

Viele Beamte seien nicht mit schusssicheren Westen ausgestattet, anderen fehle zum Beispiel Pfefferspray. Auch bei Funkgeräten und dem Zustand der Polizeiautos gebe es zum Teil große Defizite, beklagten die Gewerkschaften. Sie monierten auch, dass Polizisten viel mit Infektionskrankheiten in Kontakt kämen, dafür aber nicht ausreichend geimpft seien. Diese Ungleichbehandlung müsse ein Ende haben.

In Serbien müssten die Polizisten ihre Uniformen sieben bis acht Jahre lang tragen, ehe sie ersetzt würden, sagte der Autor der Polizei-Studie, Niksa Nikodinovic. Er zeigte ein Foto von sechs Jahre alten, löchrigen und völlig ausgetretenen Stiefeln, die einer der befragten Polizisten noch ein weiteres Jahr tragen müsse. "Das ist nicht einfach irgendein Polizist", erklärte Nikodinoviv. "Dieser Polizist geht an der südlichen Grenze Serbiens auf Patrouille, wo die Immigranten ankommen."

Serbische Polizisten | Bildquelle: picture alliance / PIXSELL
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Einheitliche Mindeststandards für europäische Polizisten gefordert

Ratten am Kontrollpunkt

Auf einem anderen Foto war ein windschiefer Bretterverschlag zu sehen, der nach Nikodinovics Worten als Kontrollpunkt dient. "Stellen Sie sich selbst die Frage: Kann ein serbischer, rumänischer oder bulgarischer Polizist mit einer solchen Uniform, der in einer solchen, mit Ratten verseuchten Unterkunft an der Grenze seinen Dienst versieht, seinen Job anständig machen?"

Die befragten Polizisten forderten menschenwürdige Arbeitsbedingungen. "Sie wollen normale Uniformen und nicht weiter Plastiktüten in ihre Stiefel stopfen müssen, um sie abzudichten", sagte Nikodinovic.

"Es kann nicht sein, dass die europäische Integration bei Sicherheitsthemen aufhört", mahnte der Chef der europäischen Gewerkschaft EPU Gerrit van de Kamp. Die Menschen in Westeuropa seien von der Arbeit der Polizisten im Osten abhängig, um Problemen auf dem Kontinent entgegentreten zu können. "Europa kämpft heute mehr als je zuvor gegen illegale Grenzübertritte, Kriminalität, einen Zustrom von Flüchtlingen und Terrorismus", sagte er.

Dazu komme, dass die Polizisten viel zu niedrige Gehälter erhielten: Ein Polizist in der Region verdiene im Schnitt 350 bis 400 Euro im Monat.

Gewerkschaften kritisieren Polizeiausstattung in Osteuropa
C. Marsch, ARD Berlin
02.11.2017 18:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 02. November 2017 um 16:24 Uhr.

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