Ein Polizist steht vor einem Polizeiauto und zielt auf einen schwarz gekleideten Mann. Das Foto ist ein Screenshot aus einem Video. | Bildquelle: AP

Untersuchung der US-Justiz Chicagos Polizei missachtet Bürgerrechte

Stand: 13.01.2017 20:58 Uhr

Der weiße Polizist hatte 16 Mal auf einen schwarzen Jugendlichen gefeuert, der vor ihm weglaufen wollte. Der Fall sorgte für Schlagzeilen - und dafür, dass die US-Justiz die Zustände bei der Polizei von Chicago untersuchen ließ. Das Ergebnis fällt verheerend aus.

Die Polizei von Chicago hat nach einer Untersuchung des US-Justizministeriums systematisch Prinzipien des Rechtsstaats missachtet. Beamte in der drittgrößten Stadt der USA hätten über Jahre hinweg die verfassungsmäßigen Rechte von Bürgern missachtet, die Benachteiligung von Schwarzen zugelassen, exzessiv Gewalt angewendet und das Feuer auf Personen eröffnet, die gar keine unmittelbare Bedrohung darstellten.

Die Untersuchung war vor gut einem Jahr in Auftrag gegeben worden. Auslöser war der Tod des Schwarzen Laquan McDonald, der im Oktober 2014 in Chicago von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Videoaufnahmen zeigten, dass der Beamte 16 Mal auf den jungen Mann feuerte, der vor ihm weglaufen wollte. Nach der erzwungenen Veröffentlichung der Videoaufnahmen im November 2015 gingen Tausende Menschen in Chicago auf die Straße, der Polizeichef der Stadt wurde entlassen.

Ein Muster der Anwendung exzessiver Gewalt

US-Justizministerin Loretta Lynch sagte bei der Vorstellung des Berichts, beim Vorgehen der Polizeibehörde von Chicago sei ein Muster der Anwendung exzessiver Gewalt zu erkennen. Der "übermäßige" Einsatz von Gewalt verletze die Verfassung, besonders betroffen seien die von vielen Schwarzen und Hispanics bewohnten Stadtviertel.

US-Justizministerin Loretta Lynch | Bildquelle: AP
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Justizministerin Lynch stellt der Polizei von Chicago ein vernichtendes Zeugnis aus.

Lynch beklagte Ausbildungsmängel bei der Polizei der drittgrößten Stadt des Landes nach New York und Los Angeles. Auch würden Fälle von Gewalteinsatz durch Polizisten im Nachhinein nicht hinreichend untersucht.

Polizeigewerkschaft kritisiert Bericht

Der Präsident der Polizeigewerkschaft von Chicago, Dean Angelo, äußerte Zweifel am Ergebnis des Berichts. Das Justizministerium habe die Untersuchung im Eiltempo durchgedrückt, um noch vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten Donald Trump ein Ergebnis zu präsentieren, sagte er.

In Chicago gab es im vergangenen Jahr mehr als 760 Morde. Früher war Chicago als Stadt der Gangster in Verruf, inzwischen verbreitet sich auch der Vorwurf, unter den 12.000 Polizisten der Stadt gebe es eine zu hohe Gewaltbereitschaft und Rassismus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Januar 2017 um 21:00 Uhr

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