Witold Waszczykowski | Bildquelle: dpa

Regierung in Warschau vereidigt Polens Außenminister fordert Flüchtlingsarmee

Stand: 16.11.2015 17:49 Uhr

Gerade erst wurde die konservative Regierung in Polen vereidigt, schon sorgt der neue Außenminister Waszczykowski für Aufsehen: Syrische Flüchtlinge sollten lieber in ihrer Heimat kämpfen, anstatt "unter den Linden zu sitzen und Kaffee zu trinken".

Henryk Jarczyk, ARD-Hörfunkstudio Warschau

Regierungskritische Journalisten schütteln den Kopf und reagieren verwundert. Für den neuen polnischen Außenminister ist der Fall dennoch ganz klar. Statt herumzusitzen, meint Witold Waszczykowski im polnischen Fernsehen sinngemäß, sollten syrische Flüchtlinge lieber in ihrer Heimat kämpfen:

"Wenn wir bedenken, dass nach Europa mehrere 100.000 jungen Syrern gekommenen sind, dann könnte man doch aus ihnen eine Armee bilden. Aus Polen hat man schließlich auch mal Legionen geformt, nicht wahr? Und dann kämpften wir für unserer Freiheit." Glauben sie, dass wir unsere Soldaten schicken, damit sie für Syrien kämpfen, während Hunderttausende Syrer auf der Straße "Unter den Linden" oder auf dem Marktplatz sitzen, Kaffee trinken und zuschauen?", sagt Waszczykowski.

"Regionale Kräfte stark genug"

Die Fernsehmoderatorin ist sichtlich bemüht, die Vorschläge des Ministers zu relativieren. Unter den Flüchtlingen befänden sich schließlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder, wendet sie ein.

Von ihnen, entgegnet Witold Waszczykowski, verlange natürlich niemand, dass sie zu den Waffen greifen sollten.

"Von den anderen Flüchtlingen könnte man dies aber durchaus fordern: Zehntausende junge Männer, die beim Herausspringen aus den Schlauchbooten - mit ihren Ipads in der Hand - als aller Erstes nicht nach Wasser, Kleidung oder Nahrung fragen, sondern wo sie ihre Handys aufladen können, könnten sich mit unserer Hilfe ihren Staat doch zurückerobern. Es geht nicht an, dass wir für andere kämpfen. Mit Sicherheit werden sich europäische Armeen derzeit vor Ort nicht engagieren. Eben weil es genügend regionale Kräfte gibt, die in der Lage sind, mit diesen Problemen fertig zu werden", so Waszczykowski.

Witold Waszczykowski | Bildquelle: dpa
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Außenminister Waszczykowski fordert syrische Flüchtlinge auf, in ihrer Heimat zu kämpfen.

Vorstellungen, die manch einer offenbar geradezu genial findet. Eines wahrhaftigen Staatsmannes würdig. Diesen Eindruck kann man jedenfalls aus den Rückmeldungen in entsprechenden Internetforen gewinnen. Nur wenige halten die Idee des polnischen Außenministers für sonderbar. Vor allem, weil er einerseits Flüchtlinge grundsätzlich als ein Sicherheitsrisiko betrachte, heißt es, gleichzeitig aber die Idee unterbreite, aus ihnen eine Armee zu machen, sie also mit Waffen auszustatten.

"Wenig überraschend"

Absurder, meint ein Forumteilnehmer dagegen, gehe es wohl kaum. Der Politologe Olgierd Annusewicz gibt angesichts auch anderer - seiner Meinung nach unglücklicher Formulierungen des Außenministers - noch etwas zu bedenken. "Es wäre gut, wenn man hier Maß halten würde. Die neuen Regierungspolitiker sollten sich endlich dessen bewusst werden, dass sie nicht mehr in der Opposition sind, sondern für unser Land Verantwortung tragen", so Annusewicz.

Die einzelnen Äußerungen des neuen Außenministers mögen viele Polen zwar gut finden oder wenig überraschend. Was aber wundert, konstatiert der Politologe Annusewicz, sei die mangelnde Vorstellung, welche Folgen die Einlassungen auf internationaler Bühne langfristig haben könnten.

Polens Außenminister schlägt syrische "Flüchtlingsarmee" vor
Henryk Jarczyk, ARD Warschau
16.11.2015 15:44 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 16. November 2015 um 16:41 Uhr auf NDR Info.

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