Bei der Rückkehr von Pilz verließen die weiblichen Abgeordneten demonstrativ den Saal | Bildquelle: dpa

Österreichs Parlament Frauen protestieren gegen Pilz-Rückkehr

Stand: 11.06.2018 15:24 Uhr

Der Ex-Grünen-Chef Pilz ist ins österreichische Parlament zurückgekehrt. Nach Vorwürfen sexueller Belästigung hatte er zunächst auf sein Mandat verzichtet. Bei seiner Vereidigung verließen fast alle Frauen den Saal.

Österreichs ehemaliger Grünen-Chef Peter Pilz ist wieder Abgeordneter. Als Zeichen des Protests verließen jedoch fast alle weiblichen Abgeordneten bei seiner Vereidigung den Saal. Der 64-Jährige hatte wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung zunächst auf sein Mandat verzichtet, ist nun jedoch als Nachrücker wieder ins österreichische Parlament zurückgekehrt.

Wie der ORF berichtet, blieben lediglich einzelne Frauen wie etwa die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures sitzen. Auch alle männlichen Abgeordneten blieben demnach im Plenarsaal.

Pilz soll 2013 im betrunkenen Zustand eine Frau unsittlich berührt haben. Als der Vorfall im November 2017 bekannt wurde, war die Sache verjährt. Pilz gab an, sich nicht erinnern zu können. Auch eine Mitarbeiterin hatte sich über den Abgeordneten beklagt.

Peter Pilz | Bildquelle: REUTERS
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Ende 2017 hatte Peter Pilz seinen Rücktritt als Abgeordneter erklärt.

Sinneswandel Anfang 2018

Der prominente Oppositionspolitiker, der vor der Nationalratswahl 2017 die Grünen verlassen und die "Liste Pilz" gegründet hatte, zog nach Bekanntwerden der Vorwürfe auf eigenen Wunsch nicht ins Parlament ein. "Die strengen Maßstäbe, die ich immer an andere angelegt habe, gelten selbstverständlich auch für mich", erklärte er damals. "Aufgrund dieser neuen Vorwürfe, die ich äußerst ernst nehme, obwohl mir die persönliche Erinnerung fehlt, werde ich mein Mandat im kommenden Nationalrat nicht annehmen."

Anfang 2018 überlegte er es sich anders und nutzte die Möglichkeit, als Nachrücker einen frei werdenden Sitz zu übernehmen. Nun ist er einer von acht Abgeordneten seiner Liste. Pilz hat sich in den vergangenen 30 Jahren als Aufklärer in verschiedenen Untersuchungsausschüssen einen Namen gemacht. Anfang der 1990er-Jahre war er Chef der Grünen in Österreich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2018 um 12:00 Uhr.

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