Segeljacht "Sayo" vor dem philippinischen Hafen Barobo | Bildquelle: AP

Toter Segler auf Jacht vor den Philippinen Was geschah auf dem Geisterschiff?

Stand: 02.03.2016 11:53 Uhr

Manövrierunfähig trieb das Schiff des deutschen Seglers vor der philippinischen Küste. An Bord fanden die Fischer den toten Mann, der aufrecht am Kartentisch saß. Die Todesursache ist laut Gerichtsmediziner ein Herzinfarkt. Doch es bleiben Rätsel.

Von Udo Schmidt, Studio Singapur

Es war wie ein Blick in ein Horrorkabinett: Der ganz offenbar stark verweste Körper des Weltumseglers Manfred B. am Kartentisch. Aufgestützt auf den rechten Arm, wie gerade eingenickt, aber recht eindeutig schon lange tot.

Für die Fischer, die die treibende Jacht "Sayo" vor fast einer Woche vor den Philippinen entdeckten, ist der Moment, als sie das Segelschiff enterten und in die Kajüte hinunterstiegen, für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt. So etwas habe er noch nie in seinem Leben gesehen, sagt etwa der 23-jährige Fischer Christopher.

Die Fischer hatten die manövrierunfähige "Sayo" in den Hafen ihres Heimatortes Barobo geschleppt. Dort gingen philippinische Ermittler an Bord. Mark Navales, der stellvertretende Polizeichef von Barobo, schildert die Lage: "Die Sachen unter Deck waren alle kaputt. Auch der Mast des Schiffes war gebrochen. Möglicherweise hat der Mann ganz einfach die Kontrolle über das Schiff verloren und ist dann in Richtung der Philippinen getrieben."

Blick in die Kajüte des Geisterschiffes "Sayo" | Bildquelle: AP
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Grausiger Fund für die Ermittler: Blick in die Kajüte des Geisterschiffes "Sayo".

Lange Zeit tot am Kartentisch?

Aber was ist wann an Bord der "Sayo" geschehen? Das ist die Frage, die bisher völlig unbeantwortet ist. Sieben Tage sei der Segler tot gewesen, als er gefunden wurde, sagen die Gerichtsmediziner im jetzt vorgelegten Autopsiebericht. Manfred B. erlitt demnach einen Herzanfall. Das klingt plausibel.

Allerdings: Fotos der Leiche vermitteln den Eindruck, hier habe ein Toter viele Wochen am Kartentisch gesessen, während das Boot führerlos übers Meer trieb. Und: Bereits im Januar wurde eine führerlose Jacht gesichtet, in der Nähe der Insel Guam. So heißt es in einem Rennbericht des "Clipper Round The World Race".  Demnach handelte es sich bei der treibenden Jacht um die "Sayo" - und niemand sei an Bord gewesen. Warum das Boot nicht schon im Januar in einen Hafen gezogen wurde, ist ebenfalls rätselhaft und bisher ungeklärt.

Die Jacht des deutschen Seglers wird vor der Küste der Philippinen geborgen. | Bildquelle: AFP
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Die Jacht des deutschen Seglers wird vor der Küste der Philippinen geborgen.

Seit sieben Jahren allein an Bord

So viel zumindest ist bekannt: Manfred B. war seit 2008 auf den Weltmeeren unterwegs, anfangs mit seiner Frau, seit sieben Jahren allerdings allein an Bord der "Sayo". Ein erfahrener Skipper also, von dem man sich nur schwer vorstellen kann, dass er mit einem manövrierunfähigen Boot auf dem Wasser treibt und sich nicht zu helfen weiß.

Gleichzeitig spricht nach ersten Ermittlungen nichts für ein Gewaltverbrechen. Zwar herrschte an Bord großes Durcheinander, Gegenstände lagen auf dem Boden. Doch nichts weist auf Diebstahl hin. Obwohl: Eine Geldbörse wurde nicht gefunden.

Deutsches "Geisterschiff" vor den Philippinen
U. Schmidt, ARD Singapur
02.03.2016 10:19 Uhr

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Gebete gegen böse Geister

Warum, so wird auf einer Segler-Internetseite gefragt, saß der Tote aufrecht am Kartentisch, seit Wochen vielleicht, auf einem Boot ohne Mast, das mit Sicherheit von hohen Wellen immer wieder hin- und hergeworfen wurde. Vieles bleibt geheimnisvoll - geradezu geisterhaft. Die Polizei setzt die Ermittlungen fort.

"Ich hoffe", sagt der junge Fischer, der vor einer Woche als erster das Boot betrat und unter Deck schaute, "dass mir die bösen Geister nichts tun. Ich bete dafür."

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