Die Duterte-Kritikerin Leila de Lima formt bei ihrer Verhaftung die Geste für "Laban" - "Kampf". | Bildquelle: REUTERS

Philippinische Ex-Ministerin Leila de Lima Die, die Duterte die Stirn bietet

Stand: 04.03.2017 12:41 Uhr

Sie ist die wohl bekannteste Kritikerin des philippinischen Präsidenten Duterte - nun sitzt die Senatorin Leila de Lima hinter Gittern. Wegen ihrer klaren Haltung gegen Dutertes brutalen Anti-Drogen-Krieg. Eine mutige Kämpferin für Menschenrechte im Porträt.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Die Umfragen waren gegen ihn: Noch vor einem Jahr schien es völlig undenkbar, dass Rodrigo Duterte Präsident der Philippinen werden könnte. Als er es dann doch wurde, trösteten sich die Kritiker damit, das Amt werde ihn schon mäßigen - dieses vulgäre Großmaul, das versprochen hatte, die Bucht von Manila mit dem Blut von Verbrechern zu füllen. 7000 Tote später ist klar, dass der 71-Jährige genau das tut, was er versprochen hat.

Todesschwadronen hängten ihren Opfern Pappschilder um den Hals, auf denen stand: "Ich war ein Rauschgifthändler". Polizisten räumen auf mit der Dienstwaffe - vom Präsidenten noch angefeuert: "Wenn ihr schießen müsst, dann schießt, um zu töten."

Senatorin Leila de Lima war von Anfang an seine schärfte Gegnerin. Während mehr als 90 Prozent des philippinischen Volkes Duterte noch Beifall dafür klatschte, dass die Drogendealer und Süchtigen von den Straßen verschwanden, sprach sie von Menschenrechtsverletzungen.

Duterte soll selbst Menschen erschossen haben

De Lima, Justizministerin unter der Vorgängerregierung von Benigno Aquina, berief einen Untersuchungsausschuss ein. Im Fokus: Dutertes Zeit als Bürgermeister der südphilippinischen Millionenmetropole Davao. Metropole der Mörder wurde sie genannt, bevor Duterte aufräumte. De Limas Ausschuss fand heraus, dass der Bürgermeister Todesschwadronen eingesetzt hatte und dass er sogar persönlich Menschen erschossen hatte, "um seinen Polizisten ein Beispiel zu geben". Der Hauptbelastungszeuge, ein ehemaliger Killer, sagte aus, er habe von Duterte den Auftrag erhalten, auch sie, de Lima, zu töten.

Wenig später wurde de Lima als Ausschussvorsitzende abgewählt - wegen Korruptionsvorwürfen. Zum Schweigen brachte sie das nicht.

De Lima steht mit Unterstützern vor dem Obersten Gerichtshof in Manila. | Bildquelle: dpa
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Mit einem Untersuchungsausschuss nahm de Lima Dutertes Amtszeit als Bürgermeister der Metropole Davao unter die Lupe.

De Lima soll schweigen - "bis ans Ende aller Tage"

Präsident Duterte, sichtlich genervt von der unbeugsamen Senatorin, begann ihr mehr oder weniger offen zu drohen. Er nannte sie eine ganz und gar unmoralische Person, sang "Killing me softly" in die Mikrofone, sobald ihr Name genannt wurde. Er deutete an, die Senatorin sei selbst in Drogengeschäfte verwickelt, ohne allerdings Beweise vorzulegen. Und er empfahl ihr, lieber zu schweigen - "bis ans Ende aller Tage".  

Aber de Lima dachte gar nicht daran. "Ich bin nicht Volksfeind Nummer Eins", konterte die Juristin, "sondern Präsident Duterte, der keinen Respekt hat vor den fundamentalen Menschenrechten. Vor allem dem Recht auf Leben."

Kurz darauf wurde sie verhaftet. Sie habe sich von der Drogenmafia bestechen lassen, sagt die Staatsanwaltschaft. "Wenn Sie glauben, Sie könnten mich zum Schweigen bringen, dann sind Sie im Irrtum", erklärte de Lima kurz bevor die Polizisten sie abführten. Sie werde weiter kämpfen gegen die täglichen gewaltsamen Tötungen und die Tyrannei des Duterte-Regimes, versprach die 58-Jährige: "Mit ganzem Herzen werde ich dafür kämpfen - und wenn sie mich deswegen einsperren, dann ist es mir eine Ehre, verhaftet zu werden. "

Ist Kritikerin hinter Gittern sicher?

De Limas Freunde machen sich große Sorgen um die Senatorin. Denn in den überfüllten philippinischen Gefängnissen herrschen Gewalt und Verbrechen, ein Menschenleben gilt dort nicht viel. "Ich garantiere Ihnen, sie ist sicher", erklärte Präsident Duterte. "Die Leute sind auch nicht daran interessiert, sie tot zu sehen. Sie wollen, dass sie ins Gefängnis geht für das, was sie getan hat."

Unterstützer von de Lima protestieren nach der Verhaftung der früheren Justizministerin. | Bildquelle: AP
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Nach de Limas Verhaftung gingen ihre Anhänger auf die Straße.

Wenig später demonstrierten zum ersten Mal seit Dutertes Amtsantritt im Juni vergangenen Jahres Tausende in Manila gegen seinen blutigen Anti-Drogen-Krieg. Von Duterte-Dämmerung allerdings kann noch keine Rede sein auf den Philippinen. Seine Zustimmungswerte sind zwar leicht gesunken, aber 86 Prozent der Philippiner stehen nach wie vor hinter ihm. Früher, so schrieb ein Zeitungskolumnist in Manila, regierten die Tyrannen gegen das Volk. Heute regieren sie durch das Volk.

Die Feindin des Präsidenten - Leila de Lima vs. Duterte
H. Senzel, ARD Singapur
04.03.2017 11:15 Uhr

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Über dieses Thema berichteten Deutschlandradio Kultur am 03. März 2017 um 05:21 Uhr und Inforadio um 12:32 Uhr.

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