Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte am 13. März nach einer Pressekonferenz. | Bildquelle: AFP

Neue Freundschaft? Duterte, Trump und die Drogen

Stand: 20.03.2017 10:54 Uhr

Seit Amtsantritt des philippinischen Präsidenten Duterte sind etwa 8000 Menschen seinen Säuberungen zum Opfer gefallen. Kritik darauf weist er in harscher Manier zurück. Mit Begeisterung spricht Duterte hingegen über Donald Trump.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Er hat es schon wieder getan: "Warum kümmert ihr euch nicht um euren eigenen Kram? Why do you have to fuck with us, goddam it?!", polterte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte. Es war ein Kraftmeier-Auftritt erster Güte, den er auf einer Reise nach Myanmar ablieferte. In diesem Fall richtete er sich - wieder einmal - an die EU, der er schon einmal recht deutlich empfohlen hatte, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Diesmal reagierte er auf eine Resolution des Europäischen Parlaments. Das hatte seine Pläne kritisiert, im Mai auf den Philippinen die Todesstrafe wieder einzuführen. "Zwingt uns nicht eure Kultur oder eure Meinung auf, wie ihr glaubt, dass eine Regierung auszusehen hat. Drängt euch nicht anderen Ländern auf, besonders nichts uns!", warnte Duterte.

Straßenkontrolle bei Indanan | Bildquelle: AFP
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Straßenkontrolle bei Indanan: Duterte geht hart gegen angebliche Kriminelle vor.

Tausendfache Tötungen

Außerdem hatte sich die EU besorgt darüber gezeigt, dass die philippinischen Behörden tausendfache Tötungen von mutmaßlichen Kriminellen rechtfertigten. Dass Duterte gedroht hatte, Menschenrechtsaktivisten töten zu lassen und dass er das Strafmündigkeitsalter auf neun Jahre herabsetzen wollte.

Der Grund dafür, so argumentiert Duterte, ist, dass Drogendealer immer jüngere Personen als Kuriere einsetzen, die noch straffrei davonkommen. Aber wenn man sie rechtzeitig ins Gefängnis stecke, dann lernten sie noch rechtzeitig ihre Lektion für die Zukunft. Immerhin spricht er ihnen eine Zukunft zu. So viel Glück hatten nicht alle.

Duterte und die Drogen
L. Bodewein, ARD Singapur
20.03.2017 10:00 Uhr

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"Bis dahin werde ich euch alle töten"

"Bis zum letzten meiner Tage als Präsident, solange ich hier bin, bis der letzte Drogenboss, bis der letzte Dealer von den Straßen verschwunden ist, bis dahin werde ich euch alle töten", kündigte Duterte an. Das ist die Sprache, mit der er vor knapp einem Jahr die Wahl gewonnen hat, als er versprach, das Land von Kriminalität zu reinigen.

Seitdem sind rund 8000 Menschen seinen Säuberungen zum Opfer gefallen, von der Polizei erschossen oder von Todesschwadronen - im Auftrag von Duterte, wie vergangene Woche ein früherer Auftragskiller berichtete. Seine prominenteste Kritikerin, die Senatorin Leila de Lima, hat der Präsident wegen angeblicher Drogenvergehen ins Gefängnis stecken lassen - auch über ihre Behandlung hatte sich das europäische Parlament besorgt geäußert, und auch dazu sagte Duterte nur: "Why do you have to fuck with us, goddam it?!"

Die Duterte-Kritikerin Leila de Lima formt bei ihrer Verhaftung die Geste für "Laban" - "Kampf". | Bildquelle: REUTERS
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Bei ihrer Verhaftung formt Leila de Lima die Geste für "Laban" - "Kampf". Aufgeben will die Duterte-Kritikerin nicht.

Angebliches Telefonat mit Trump

Rüpeleien und brutale Aufschneiderei sind sein täglich Brot, so wie er die Vereinten Nationen als dämlich bezeichnete und den damaligen US-Präsidenten Obama als Hurensohn.

Mit dessen Nachfolger komme er prima klar, erzählte er von seinem Telefonat mit Trump. Er habe ihn angerufen und gesagt: "Hier ist Rodrigo Duterte, ich bin der…". Daraufhin habe Trump ihn unterbrochen und gesagt: "Jaja, ich weiß, ich habe Ihren Anruf erwartet. Wissen Sie,  Sie machen es genau richtig - die Hurensöhne da an der Grenze zerstören mein Land mit Drogen." Duterte will nach eigenen Angaben daraufhin geantwortet haben: "Ja, ich weiß Mr President, aber Sie machen es richtig, weiter so!"

Dann führt Duterte seine Beziehungen zu den USA weiter aus: "Ja, zu seinem Vorgänger war ich ungehobelt - der Idiot wollte mich ins Gefängnis werfen - aber dieser Kerl, Trump, der sagt mir: Du machst es richtig, ich werde es genauso machen." Trump und Duterte - da scheinen sich zwei Sprücheklopfer einig zu sein. So stellt es zumindest Duterte dar.

Parlamentarier will Duterte absetzen

Man wünscht sich, dass all das nur markige Worte wären, aber die alarmierende Menschenrechts-Situation auf den Philippinen ist Wirklichkeit. Ein Parlamentarier möchte jetzt ein Amtsenthebungsverfahren anstrengen. Er sagt, es gebe viele Menschen, die Duterte nicht gewählt hätten, auch die Kirchen stellten sich jetzt gegen ihn.  Aber viele andere äußern sich zufrieden - sie fühlten sich jetzt sicherer.

Auch durch eine mögliche Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof sieht sich Duterte nur bestätigt: "Ich begrüße beide Entwicklungen. Sie können ihr Schlimmstes geben und ich gebe mein Bestes in meiner Arbeit für die Regierung. Dies ist eine Demokratie." Wer anderer Meinung ist - klar, was Duterte dem sagen würde…

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. März 2017 um 13:10 Uhr.

Korrespondentin

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