Philippinische Soldaten an Bord der "Rockall".  | Bildquelle: dpa

Abu-Sayyaf-Überfall vor den Philippinen Offenbar Deutscher entführt, Begleiterin getötet

Stand: 27.02.2017 10:56 Uhr

Die Islamistengruppe Abu Sayyaf hat vor den Philippinen offenbar eine deutsche Seglerin getötet und ihren Begleiter verschleppt. Das Auswärtige Amt sei mit dem Fall befasst, meldete dpa. Laut AFP war das Paar 2008 schon einmal entführt worden - von somalischen Piraten.

Die Islamistengruppe Abu Sayyaf hat nach Angaben des philippinischen Militärs offenbar eine deutsche Seglerin getötet und ihren Lebensgefährten entführt. Auf einer Segelyacht vor der Südküste der Philippinen sei die Leiche einer Frau mit Schusswunden entdeckt worden, sagte ein Armee-Sprecher. Es liege zudem eine Audiobotschaft vor, in der Abu Sayyaf sich zu dem Überfall bekenne und mitteile, den 70-jährigen Begleiter der Frau entführt zu haben. Auf der "Rockall", die den Angaben zufolge eine deutsche Flagge trug, wurden demnach auch zwei deutsche Reisepässe gefunden.

Vom Auswärtigen Amt in Berlin gab es bislang keine Bestätigung. Ministeriumssprecher Martin Schäfer sagte nur: "Wir bemühen uns zurzeit mit den philippinischen Behörden um Aufklärung." Dazu ist neben der Botschaft auch der Krisenstab des Ministeriums im Einsatz. Die Bundesregierung nimmt in solchen Fällen nur selten Stellung.

Paar wurde offenbar schon einmal entführt

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP waren die beiden Segler bereits schon einmal Opfer einer Entführung: Im Jahr 2008 hätten sich die beiden 52 Tage in der Gewalt somalischer Piraten befunden. AFP habe die beiden interviewt, als sie 2009 nach Somalia zurückkehrten, um die "Rockall" zurückzuholen. Obwohl die Piraten mehrfamals damit gedroht hatten, die beiden umzubringen, kündigten diese in dem Interview an, wieder in See zu stechen: "Mein Boot ist mein Leben, und ich will es nicht verlieren, Piraten und Regierungen kümmern mich nicht", sagte der Segler damals.

Abu Sayyaf hat mehrmals Urlauber verschleppt

Entführungsopfer Renate und Werner Wallert nach ihrer Rückkehr in Göttingen (31.08.2000)
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Im Jahr 2000 entführte Abu Sayyaf das deutsche Ehepaar Wallert - sie wurden nach wochenlangem Nervenkrieg freigelassen.

Die Gewässer vor der philippinischen Südküste gelten als gefährlich. Abu Sayyaf hat dort wiederholt Urlauber und Fischer entführt. Die muslimischen Extremisten gelten als extrem gewaltbereit. Im Frühjahr ermordeten sie zwei kanadische Geiseln, weil angeblich nicht genügend Lösegeld für sie gezahlt worden sei. Ein Norweger wurde dagegen im September nach einem Jahr Geiselhaft freigelassen. 2014 war ein deutsches Paar aus Hessen nach sechs Monaten freigekommen. Im Frühjahr 2000 machte die Extremistengruppe mit der Verschleppung von elf westlichen Ausländern Schlagzeilen, darunter die Göttinger Familie Wallert. Wie sie freikam, wurde nie öffentlich geklärt.

Abu Sayyaf ist zudem für verheerende Terrorangriffe auf den Philippinen verantwortlich. Die Gruppe kämpft im muslimischen Süden der sonst überwiegend katholischen Philippinen für einen eigenen Staat. Sie hat der in Syrien und im Irak aktiven Terrormiliz "Islamischer Staat" die Treue geschworen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. November 2016 um 09:05 Uhr, inforadio am 27. Februar 2017 um 11:02 Uhr und die tagesschau am 27. Februar 2017 um 12:00 Uhr.

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