Luftaufnahme des Pentagon | Bildquelle: dpa

75 Jahre Pentagon Möglichst groß sollte es werden

Stand: 15.01.2018 05:03 Uhr

Sein Name steht für die Stärke des US-Militärs: Heute vor 75 Jahren wurde das Pentagon eingeweiht. Die Dimensionen des weltgrößten Bürogebäudes sind zwar gewaltig, die Architektur aber je nach Sichtweise schlicht oder seelenlos.

Von Gabi Biesinger, ARD-Hörfunkstudio Washington

Das erste US-Kriegsministerium lag mit diversen Nebenstellen noch in der Nähe des Weißen Hauses - aber dann wurde in den 1940er-Jahren im benachbarten Arlington ein Neubau geschaffen. Mitten im Zweiten Weltkrieg brauchten die 23.000 Mitarbeiter mehr Platz. Am 15. Januar 1943 wurde das Pentagon eingeweiht.  

Das Bauland für das neue Kriegsministerium im Südosten Washingtons war unter dem Namen Arlington Farms bekannt und wurde von fünf Straßen eingerahmt. Das gab die charakteristische Form des Gebäudes vor: Ein Pentagon, also Fünfeck. Und so machte Architekt George Bergtstrom sich die Zahl fünf zu Eigen: fünf konzentrische Gebäudeflügel, in fünf Ringen von innen nach außen, jeder Gebäudeteil fünf Stockwerke hoch.

Heute ist das Pentagon als Synonym für das US-Verteidigungsministerium weltberühmt, meint Architektur-Experte Martin Moeller, Autor eines Standardwerkes über Stadtgeschichte und Architektur von Washington: "Bei dem Begriff sieht jeder sofort Bilder der militärischen Stärke der USA vor sich", meint er.

US-Verteidigungsminister Mattis vor dem Pentagon | Bildquelle: REUTERS
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US-Verteidigungsminister Mattis ist der aktuelle Hausherr im Pentagon.

Möglichst groß sollte es werden

Doch eigentlich sei der Betonkomplex ein ziemlich seelenloser Funktionsbau, im Zweiten Weltkrieg unter großem Zeitdruck hochgezogen, erklärt Moeller: In der Zeit der Depression habe man wenig Geld gehabt, "und man wollte auch nicht zu viel in einen zu prächtigen Bau investieren. Es ging darum ein möglichst großes Gebäude zu bauen - die Architektur ist sehr bescheiden und simpel."

So entstand von 1941 an in nur eineinhalb Jahren das größte Bürogebäude der Welt, mit einem Umfang von über einem Kilometer und umgeben vom größten Parkplatz der Welt. Nicht die Architektur stand im Vordergrund, sondern es ging um viele Räume, die je nach Anforderung des Militärs schnell verändert werden konnten.

Komplex und unübersichtlich

Jeder Punkt im Bau ist von jedem anderen Punkt innerhalb des Gebäudes zwar zu Fuß in unter sieben Minuten erreichbar. Und doch ist der Aufbau sehr komplex und unübersichtlich. Es ist nicht einfach ein solides Betongebäude, sondern es gebe sehr viele kleine Innenhöfe und eben fünf verschiedene Ringe, sagt Moeller.

Der Hotdog-Stand im Innenhof in der Mitte trug den Spitznamen "Cafe Ground Zero". Denn die Legende will, dass die Russen während des Kalten Kriegs angeblich Atomwaffen auf diesen Hotdog Stand gerichtet hatten, weil sie unterstellten, die US-Generäle würden dort mittags gemeinsam Angriffspläne schmieden.

Die Boeing ist in dem Feuerball nicht mehr auszumachen: Das Pentagon am 11. September
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Die Boeing ist in dem Feuerball nicht mehr auszumachen: das Pentagon am 11. September

Löscharbeiten am Pentagon
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Der erste Stock brach erst nach 19 Minuten zusammen.

Fast 200 Todesopfer am 11. September 2001

Doch nicht die Russen, sondern ein von Terroristen entführtes Flugzeug traf das Pentagon dann am 11. September 2001. 189 Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben. Die stabile Bauweise, verstärkt für die Last der Akten, ermöglichte vielen Mitarbeitern, sich noch zu retten. Erst 19 Minuten nach dem Einschlag der Boeing brach der 1. Stock in sich zusammen.

Das Pentagon erwies sich als erstaunlich robust, meint Architekturexperte Moeller. Das Flugzeug sei in den Teil gestürzt, der erst kurz vorher baulich verstärkt worden sein. "Und auf Bildern war zu sehen, dass ein neues Sicherheitsfenster, direkt neben dem Loch, das das Flugzeug gerissen hatte, noch völlig intakt war, ohne einen Sprung."

Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Pentagon drastisch verschärft. War das Pentagon noch in den 90er-Jahren sehr besucherfreundlich, kommt man heute ohne Ausweis oder Voranmeldung nicht mehr ins Gebäude.

Vor 75 Jahren wurde das Pentagon eingeweiht
Gabi Biesinger, ARD Washington
14.01.2018 23:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR Bayern 2 am 15. Januar 2018 um 06:05 Uhr.

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