Oleg Shamanov | Bildquelle: Christian Frey

Klimagipfel aus Sicht der Insider Die Krallen des Braunbären

Stand: 09.12.2015 14:45 Uhr

Russland ist eines der Länder, das den höchsten CO2-Ausstoß verursacht. Delegationsleiter Shamanov will sein Land in Paris vor zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen bewahren. Wenn er spricht, schlagen die einen die Hände über dem Kopf zusammen, andere ballen die Faust.

Von Kai Schächtele für tagesschau.de

Beim Klimagipfel verhandeln 10.000 Delegierte über Grundlagen und Form eines neuen Klimavertrags. Es gibt nur wenige, die so bekannt sind, dass sie jeder sofort erkennt. Claudia Salerno aus Venezuela ist so eine: Wenn sie bei den Verhandlungen spricht, in einer Mischung aus Staatschefin und genervter Hollywood-Diva, verdrehen die einen die Augen und die anderen fangen an zu träumen. Sie schafft es, in einem Satz zu erklären, dass sich Venezuela schon immer dafür ausgesprochen habe, die Erderwärmung auf ein Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, den Begriff "Dekarbonisierung" aber für inakzeptabel zu erklären. Venezuela fürchtet um den Fortbestand seiner Ölgeschäfte.

Ein anderer ist Oleg Shamanov. Der Leiter der russischen Delegation hat die Aufgabe, sein Heimatland vor den Übergriffen eines zu ambitionierten Klimavertrags zu schützen. Wenn er spricht, schlagen die einen die Hände über dem Kopf zusammen, andere ballen die Faust. "Das ist der Schlimmste", raunt einem ein NGO-Mitarbeiter zu, wenn man ihm zusammen auf dem Flur begegnet. Trotzdem ist er unter seinen Kollegen beliebt. Das liegt vor allem an seiner Art. Ein Gespräch mit ihm ist wie ein Fechtkampf: Man gibt sich die Hand, bringt sich in Position und der Schlagabtausch beginnt - elegant in der Form, aber immer auf den Sieg aus.

Wie Shamanov sein Heimatland zum Umweltschützer macht

Vor Beginn des Gipfels galt Russland als einer der Blockierer in den Verhandlungen. Das Land ist so einseitig von seinen klimaschädlichen Erdgas-und Ölförderungen abhängig, dass es nur zu wenigen Zugeständnissen bereit sein würde. Nur drei Länder blasen mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre. Wenn Shamanov über die Klimaschutz-Ziele seines Landes in der Zukunft sprechen soll, erzählt er deshalb erst einmal davon, wie erfolgreich Russland in der Vergangenheit war. Es ist ein relativ simpler Trick: In den 90er-Jahren ist der CO2-Ausstoß Russlands nur deshalb gesunken, weil nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Teil der russischen Wirtschaft eingebrochen ist.

Oleg Shamanov über russische Emissionen
06.12.2015, Philipp Katzer

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Wie Shamanov Russlands Strategie verteidigt

Pro Tag verdient Russland rund 700 Millionen Euro mit seinen fossilen Energien. Wenn der Klimavertrag die Gleise legen würde in eine Weltwirtschaft ohne fossile Brennstoffe, würde Russland nichts weniger als seiner Enteignung zustimmen. Und Shamanov hätte die Aufgabe, seinen Landsleuten zu erklären, dass sie freiwillig auf Wohlstand und Wachstum verzichten sollen. So reagiert er auch, wenn man ihn darauf anspricht.

Shamanov im Interview
Philipp Katzer

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Wie Shamanov Fragen nicht beantwortet

Es ist schwer vorstellbar, dass Russland einem Abkommen zustimmen wird, das ernst zu machen versucht mit der CO2-freien Welt. Beobachter sind allerdings überrascht, wie Russland beim Klimagipfel bislang aufgetreten ist. Shamanov muss sein Land so im Spiel halten, dass es gerade konstruktiv genug mitspielt, um am Ende nicht als der große Blockierer eines ehrgeizigen Abkommens dazustehen. Wie er das macht? Indem er zum Beispiel auf die Frage, ob Russland hier das schwarze Schaf sei, einfach nicht antwortet.

Shamanov
Philipp Katzer

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Wie Shamanov zu dem wurde, was er heute ist

Müsste man den Idealtyp eines Klimadiplomaten definieren: Shamanov wäre ein guter Kandidat. Eigene Ziele so hoch zu verkaufen, dass man das Gefühl hat, einem Umweltschützer gegenüber zu sitzen, und auf die anderen verweisen, die beim Klimaschutz vermeintlich viel weniger Ehrgeiz an den Tag legen: Das sind die beiden Grundregeln dieses Jobs. Die beherrscht er in bester Manier - und immer mit Einstecktuch im Sakko.

Shamanov über den Beruf des Diplomaten
Philipp Katzer

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Was sagt Shamanov auf die Frage, ob er der Bad Guy der Klimakonferenz ist?

Shamanov über seine Rolle als Bad Guy
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Hinweis der Redaktion: Dieser Text ist Teil der Reihe "Paris Protokoll". Journalisten aus ganz Deutschland folgen in Paris den Delegierten und Beratern. Das "Paris Protokoll" ist eine trimediale Produktion der freeeye.tv GmbH im Auftrag des NDR für tagesschau.de, tagesschau24 und die Radiowellen des NDR mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, der Süddeutsche Zeitung und mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum CORRECT!V.

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