Asylbewerberunterkunft Recklinghausen | Bildquelle: dpa

Vereitelter Anschlag in Paris Angreifer lebte in deutscher Asylunterkunft

Stand: 10.01.2016 13:50 Uhr

Am Jahrestag des Terroranschlags auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hatte ein Mann eine Polizeiwache in Paris angegriffen und wurde erschossen. Nun stellte sich heraus, dass er in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen gewohnt hatte. Der Bürgermeister kündigt Konsequenzen an.

Der am Donnerstag vor einem Pariser Polizeirevier erschossene Angreifer hat nach Angaben des Landeskriminalamts von Nordrhein-Westfalen in Recklinghausen gewohnt. Er lebte in einer Wohnung auf dem Gelände einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen, wie das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) am späten Samstagabend mitteilte.

Einsatzkräfte der Polizei hätten die Wohnung unter LKA-Leitung untersucht. Vorausgegangen seien Hinweise französischer Sicherheitsbehörden. Der Mitteilung zufolge ergaben sich nach bisherigen Erkenntnissen keine Hinweise auf weitere mögliche Anschläge. Zuvor schon war bekannt geworden, dass er in seinem Mobiltelefon eine deutsche SIM-Karte hatte.

Gudrun Engel, WDR, zu den Ermittlungen in Recklinghausen
tagesschau 09:00 Uhr, 10.01.2016

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Offenbar in Deutschland Asyl beantragt

Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise berichtet, hatte der Mann Asyl in Deutschland beantragt. Er habe in einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen im September 2015 das Zeichen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) an die Wand gemalt. Er sei in Deutschland unter vier Alias-Namen registriert gewesen und habe als Staatsangehörigkeit mal syrisch, mal marokkanisch und mal georgisch angegeben. Er sei zudem mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

Der Bürgermeister von Recklinghausen reagierte mit Bestürzung auf die Nachricht, dass der erschossene Attentäter in einer Asylbewerberunterkunft seiner Stadt gelebt hatte. Er wolle nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden "sehr intensiv daran arbeiten", dass sich Islamisten nicht "in unseren Einrichtungen verstecken können", erklärte Bürgermeister Christoph Tesche. Diese Maßnahme sei eine "Pflicht gegenüber unseren Bürgern", so der CDU-Politiker.

Mann handelte offenbar alleine

Der Mann war am Donnerstag - dem ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" - auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn. Ermittler fanden bei ihm ein Bekenntnis zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und Terrorismus.

Der Mann handelte nach Angaben des französischen Innenministers allein. Seiner Kenntnis nach hatte der junge Mann keine Komplizen, sagte Bernard Cazeneuve den Sendern Europe 1 und iTélé. Zu den Angaben der deutschen Behörden, wonach der Mann in einer Wohnung auf dem Gelände einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen gewohnt hatte, sagte Cazeneuve, dies könne er nicht bestätigen, weil er nicht wisse, ob die Informationen zutreffen.

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