Papst Franziskus bei seiner Ankunft in Kuba | Bildquelle: AFP

Papst auf Kuba-Reise Motivator auf Last-Minute-Trip

Stand: 19.09.2015 22:31 Uhr

Politisch brisante Termine fehlen auf dem Besuchsprogramm - ebenso wie ein Treffen mit Fidel Castro. Der Papst ist in Kuba gelandet. Dort wird von ihm vor allem eins erwartet: Er soll die Jugend zum Bleiben bewegen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom, zzt. Havanna

Papst Franziskus besucht ein Land voller Widersprüche. Obwohl streng sozialistisch regiert, spielt Religion im kubanischen Alltag eine Rolle. 60 Prozent der Kubaner sollen getaufte Katholiken sein, aber nur ein kleiner Teil von ihnen praktiziert den Glauben. Darüber hinaus gibt es viele evangelikale Gemeinden und Anhänger afro-amerikanischer Kulte.

Präsident Raúl Castro weiß, dass er auf die katholische Kirche als Partnerin angewiesen ist. Ohne die Unterstützung kirchlicher Einrichtungen wäre der Sozialstaat vielerorts am Ende. Die meisten Menschen auf Kuba leben in unvorstellbarer Armut.

Kubaner stehen neben einem Werbeplakat für den Papstbesuch | Bildquelle: REUTERS
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Mehr als die Hälfte der Kubaner sind getaufte Katholiken.

Land zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Papst Franziskus besucht ein Land zwischen Hoffnung und Verzweiflung. "Ich werde alles tun, um Brücken zu bauen, Hindernisse wegzuräumen, damit es eine Kommunikation gibt und die Kommunikation zu einer Freundschaft führt", sagt der Papst. "Eine der schönsten Dinge ist die soziale Freundschaft. Ich wünsche mir, dass euch das gelingt: die soziale Freundschaft!"

Als zentraler Termin bei dieser Reise gilt ein Treffen des Papstes mit Jugendlichen am Sonntag in Havanna. Die Perspektivlosigkeit treibt vor allem die jungen Menschen aus dem Land. Die vorsichtige Öffnung Kubas erleichtert den Exodus.

Gegen die deprimierende Grundstimmung

"Von Franziskus wird erwartet, dass er die Jugend zum Bleiben motiviert", sagt Abt Jeremias Schröder vom Orden der Missionsbenediktiner, der ein kleines Kloster in Havanna unterhält. "Ich glaube, man macht sich gar keine Vorstellungen, dass in den letzten zwei Jahren ganz viele aufgebrochen und weggegangen sind. Das ist ein Braindrain. Das ist lähmend. Da ändern auch die veränderten Beziehungen mit den USA nichts. Die Grundstimmung ist deprimierend mit Blick auf die vielen, die weggehen."

Es ist eine Last-Minute-Reise nach Kuba. Lange stand fest, dass Papst Franziskus im September in die USA reisen will. Der vorgeschaltete Besuch auf Kuba wurde vom Vatikan relativ kurzfristig mitgeteilt.

Der Papst will die Früchte seines diplomatischen Erfolges ernten. An der Wiederannäherung zwischen Kuba und der USA hatten er und die Vatikandiplomaten entscheidenden Anteil. Im Sommer 2014 habe sich der Papst persönlich an die beiden Präsidenten gewandt, sagt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. "Er hat die Initiative ergriffen und an beide Präsidenten geschrieben und sie aufgefordert, die Schwierigkeiten zu überwinden und eine Einigung, eine Begegnung zu suchen. Das hat sicherlich auch etwas damit zu tun, dass er aus der Region kommt und das Problem gut kennt."

Papst besucht Kuba
Tilmann Kleinjung, ARD Rom, zzt. Havanna
19.09.2015 03:26 Uhr

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Dritter Papstbesuch auf Kuba binnen weniger Jahre

Es ist bereits der dritte Papstbesuch in Kuba innerhalb relativ kurzer Zeit. Johannes Paul II. forderte 1998 das sozialistische Kuba auf, sich der Welt zu öffnen. Und die Welt möge sich Kuba öffnen. Ein Wunsch, der sich 17 Jahre später zu erfüllen scheint. Benedikt XVI. wurde nach seinem Besuch 2012 dafür kritisiert, dass er damals keine Zeit fand, sich mit Regimekritikern zu treffen, und keinen Mut, die Regierung offen zu kritisieren. Man müsse bei solch heiklen Missionen auf jedes Wort achten, sagt Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan. "Benedikt XVI. hat 17 Mal das Wort Freiheit in seinen Ansprachen benutzt. Da muss man gar nichts aussprechen, das versteht jeder, was er damit meint."

Raul Castro und Papst Franziskus im Gespräch | Bildquelle: REUTERS
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Bereits im Mai trafen sich Raul Castro und Franziskus bei einer Privataudienz des Papstes im Vatikan.

Auch bei dieser Reise stehen keine politisch brisanten Termine auf dem Programm. In den USA wird Franziskus ein Gefängnis besuchen, in Kuba, wo viele politische Gefangene inhaftiert sind, ist das nicht vorgesehen. Parteinahme für Dissidenten werde es - wenn überhaupt - nur im Verborgenen geben, sagt Papstsprecher Federico Lombardi. "Wir haben ja die Treffen des Papstes mit Präsident Castro, das Treffen des Kardinalsstaatssekretärs mit anderen kubanischen Persönlichkeiten. Man kann solche Probleme behandeln, ohne viel Aufsehen zu erregen", erklärt Lombardi. "Wenn wir Informationen, Anfragen, Appelle auf humanitärer Ebene bekommen, dann ist es Tradition des Heiligen Stuhls, diese mit Diskretion zu behandeln. Das ist dann oft wirksamer als offensichtliche Aktionen."

Ebenfalls nicht im offiziellen Programm: ein Treffen des Papstes mit Fidel Castro. Doch im Vatikan geht man "ziemlich sicher" davon aus, dass Franziskus den greisen Revolutionsführer am Sonntag, am Rande seines Besuches in der Hauptstadt Havanna, treffen wird.

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