Der Papst spricht zu Bischöfen im St. Charles Borromeo Seminar in Wynnewood, Pennsylvania | Bildquelle: AFP

Nach neuesten Enthüllungen Papst nennt Vatileaks 2.0 Verbrechen

Stand: 08.11.2015 19:54 Uhr

Papst Franziskus hat sich erstmals zu den neuesten Enthüllungen von maßloser Verschwendung im Vatikan geäußert. In seiner Sonntagsansprache nannte er die als "Vatileaks 2.0" bekannt gewordene Affäre ein Verbrechen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Dokumente zeigen, mit welchen Widerständen Papst Franziskus im Vatikan zu kämpfen hat. Abteilungsleiter wollen ihre Bilanzen nicht offenlegen, Geld wird verschwendet oder zweckentfremdet. Der Reformkurs des Papstes hat Gegner und dennoch empfindet Franziskus die Veröffentlichung von solchen Dokumenten als wenig hilfreich. Der Diebstahl von geheimen Akten sei ein Verbrechen.

"Das ist ein bedauernswerter Akt, der nichts bringt", sagte Franziskus. "Ich selber habe diese Dokumente in Auftrag gegeben und kenne sie zusammen mit meinen engsten Mitarbeitern gut. Und wir haben Maßnahmen getroffen, die bereits sichtbare Früchte bringen."

Papst distanziert sich von Mitarbeitern

Zum ersten Mal äußert sich der Papst damit zum Geheimnisverrat im Vatikan, der bereits unter dem Namen "Vatileaks 2.0" firmiert. Er distanziert sich von den Mitarbeitern, die zwei Journalisten die Dokumente zugespielt hatten. Den Eindruck, den diese erwecken, muss er als Schwächung empfinden: Ein Papst, der seine Kirche nicht im Griff hat. "Dieses traurige Ereignis wird mich nicht von der Arbeit der Reform ablenken, die ich zusammen mit meinen Mitarbeitern und mit der Unterstützung von Euch allen voranbringe", sagte der Papst.

Papst Franziskus zu Vatileaks: Dokumentendiebstahl ist ein Verbrechen
T. Kleinjung, ARD Rom
08.11.2015 19:04 Uhr

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Der Vatikan hat ein Verfahren wegen der Unterschlagung und Weitergabe von Dokumenten eingeleitet. Hauptverdächtiger ist der spanische Geistliche Lucio Angel Vallejo Balda. Er sitzt seit dem letzten Wochenende in Haft, bestreitet aber, die vertraulichen Dokumente weitergegeben zu haben. Mehrfach sei in sein Büro eingebrochen worden. Sollte Vallejo Balda der Prozess gemacht werden, muss er mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

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