Ostergottesdienst im Petersdom | Bildquelle: AP

Osternacht im Vatikan Franziskus prangert Korruption an

Stand: 16.04.2017 02:41 Uhr

Ungerechtigkeit und Korruption waren die Themen, die Papst Franziskus bei einer Osterandacht in den Vordergrund rückte. Angesichts latenter Terrorgefahr fand die Zeremonie unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Heute erteilt Franziskus den Ostersegen "Urbi et Orbi".

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Die Osternacht beginnt im dunklen Petersdom. Nur langsam wird es heller. Von der Flamme der Osterkerze aus verbreitet sich das Licht in der ganzen Kirche. Dann stimmt ein Diakon das "Exsultet", das Osterlob, an.

Die Feier der Osternacht zählt zu den eindrucksvollsten Momenten des Kirchenjahres. Der auferstandene Christus wird als das "Licht der Welt" besungen. Für Papst Franziskus ist die Botschaft von der Auferstehung Jesu vor allem eine Aufforderung an Christen, sich mit den gegebenen Verhältnissen nicht abzufinden: "Durch seine Auferstehung hat Christus nicht nur den Stein des Grabes umgekippt, sondern er will auch alle Schranken sprengen, die uns in unserem Pessimismus und unseren berechnenden Denkwelten einschließen wie auch in unserer besessenen Suche nach Sicherheit und in den maßlosen Ambitionen, die imstande sind, mit der Würde der anderen zu spielen."

Gegen "lähmende und unnütze Bürokratie"

Franziskus benennt in seiner Predigt deutlich, wo er die menschliche Würde gefährdet sieht. Er prangert Korruption und Menschenhandel an, er beklagt eine "lähmende und unnütze Bürokratie", die eine Änderung der Dinge nicht zulasse: "Wir sehen auch die Gesichter derer, die Verachtung erfahren, weil sie eingewandert sind, heimatlos, ohne Heim und Familie; die Gesichter derer, aus denen Einsamkeit und Verwahrlosung sprechen, weil sie auch sehr runzelige Hände haben. Und das Gesicht von Frauen und Müttern, die weinen, weil sie sehen, wie das Leben ihrer Kinder unter der Last der Korruption begraben wird."

Christus, so Franziskus, sei für die auferstanden, die die Hoffnung, die Träume und die Würde begraben haben. Daraus leitet er seinen Appell gegen ein allzu bequemes Christentum ab: "Wenn wir nicht fähig sind zuzulassen, dass der Heilige Geist uns auf diese Straße führt, dann sind wir keine Christen." Das gelte auch für jene elf Menschen, die er in der Osternacht getauft hat, betonte Franziskus.

Segen "Urbi et Orbi"

Die Osterfeiern werden heute fortgesetzt mit einem Gottesdienst auf dem Petersplatz, in dessen Anschluss der Papst vom Balkon des Petersdoms den Segen "Urbi et Orbi" spendet. Außerdem wird im Vatikan ein besonderer Geburtstag gefeiert. Der Papst emeritus Benedikt wird 90 Jahre alt. Papst Franziskus hat seinem Vorgänger bereits am Mittwoch in dessen Alterswohnsitz in den Vatikanischen Gärten einen Besuch abgestattet, um ihm persönlich zum Geburtstag zu gratulieren und ihm frohe Ostern zu wünschen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. April 2017 um 23:15 Uhr.

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