Tausende Gläubige jubeln Papst Franziskus zu | Bildquelle: AP

Papst Franziskus in Mexiko Eine Messe wie eine Trauerfeier

Stand: 18.02.2016 09:08 Uhr

Zum Abschluss seiner Mexiko-Reise hat Papst Franziskus Ciudad Juárez nahe der US-Grenze besucht. Drogen, Kriminalität und Armut bestimmen hier das Leben. Papst Franziskus versuchte Trost zu spenden.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-City

Eine Messe wie eine Trauerfeier: Der Chor singt, als Papst Franziskus zu Beginn seines Abschiedsgottesdienstes an einem riesigen Holzkreuz direkt an der Grenze zu den USA Blumen niederlegt. Für die vielen toten Migranten. Für Menschen, die bei dem Versuch, die USA zu erreichen, ums Leben kamen Stille und Gebet - für einen Moment hält Ciudad Juárez den Atem an.

Papst Franziskus legt an der Grenze zwischen Mexiko und den USA Blumen in Gedenken an die Menschen, die bei dem Versuch, die USA zu erreichen, ums Leben kamen, nieder. | Bildquelle: AP
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Papst Franziskus legte an der Grenze zwischen Mexiko und den USA Blumen in Gedenken an die Menschen, die bei dem Versuch, die USA zu erreichen, ums Leben kamen, nieder.

Nach Jahren der Gewalt kam zum ersten Mal einer in die Millionenstadt, um Trost zu spenden. Die Stadt ist das Epizentrum des Schmerzes, nirgends starben im Drogenkrieg mehr Menschen als hier. Auf dem Höhepunkt, im Jahr 2009, waren es 2800 Tote. Papst Franziskus sprach den Menschen Mut zu.

"Das Jahr der Barmherzigkeit mit euch zu feiern, bedeutet, an den Weg zu erinnern, den wir dringend einschlagen müssen, um den Teufelskreis der Gewalt und der Kriminalität zu durchbrechen. Wir haben vergessen, uns auf das zu konzentrieren, was wirklich unsere Sorge sein muss: Das Leben der Menschen, die unter der Gewalt gelitten haben", sagte Franziskus.

Mexiko ist für Migranten so gefährlich wie das Mittelmeer

Das Morden geht weiter, in Juárez und in ganz Mexiko. Viele versuchen, Gewalt und Armut zu entkommen, über den Grenzzaun in die USA zu gelangen und werden auf ihrem weiten Weg Opfer. Mexiko ist ein Land, das für Migranten so lebensgefährlich ist wie das Mittelmeer. Darauf aufmerksam zu machen, war eines der wichtigen Anliegen des Papstes bei seinem Besuch.

"Es sind unsere Brüder und Schwestern, die von Armut, Gewalt, Drogenhandel und dem organisierten Verbrechen vertrieben wurden. Die vielen Gesetzeslücken bilden ein Netz, in dem sich immer nur die Ärmsten verfangen. Sie leiden nicht nur unter der Armut, sondern müssen auch alle Formen von Gewalt ertragen. Am schlimmsten ist es für Jugendliche. Wie Kanonenfutter werden sie verfolgt, bedroht, sobald sie versuchen aus dieser  Spirale der Gewalt, dieser Hölle der Drogen auszubrechen", sagte Franziskus.

Daniel Anderson | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Daniel Anderson hat ganz Mexiko durchquert um an die US-Grenze zu gelangen

Wegen 100 Dollar erschossen

Daniel Anderson aus Honduras hat das erlebt. Er will in die USA, weil zu Hause Banden regieren. Auf seinem Weg durch Mexiko musste er mit ansehen, wie ein Freund erschossen wurde, weil er nicht die 100 Dollar hatte, die Kriminelle als Wegezoll verlangten. Daniel war einer von mehr als 2000 Migranten in der Messe in Juárez, er kann kaum fassen, dass der Papst ihre Schicksale zum Thema gemacht hat.

"Es gefällt mir sehr, was er sagt. Für uns Migranten ist es großartig, dass er uns wahrnimmt und über uns spricht. Vielleicht hilft das, damit es eines Tages in den USA eine Einwanderungsreform gibt. Damit wir Papiere bekommen und legal dort leben können und nicht mehr wie Kriminelle behandelt werden", sagte Anderson.

Der Papst hat Ciudad Juárez, das Gelände direkt am Grenzzaun, bewusst gewählt um über Migration zu sprechen. Auf der anderen Seite, in El Paso, Texas, sollten sie seine Worte hören. Dort, wo es Politiker gibt, die Stimmung gegen Einwanderer machen und von einer Mauer träumen.

In Mexiko hat Franziskus die dunkelsten Seiten des Landes angesprochen, hat Gewalt, Armut und Ausgrenzung angeprangert,  Korruption und Straflosigkeit. Mit deutlichen Worten, nicht zwischen den Zeilen. All diese Missstände treffen sich an einem Ort: und der heißt Ciudad Juárez.

Trost am Grenzzaun - Papst Franziskus und die Migranten
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
18.02.2016 09:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2016 um 09:00 Uhr.

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