Papst Franziskus. | Bildquelle: dpa

Premiere in der Karibik Papst Franziskus trifft Patriarchen Kyrill

Stand: 05.02.2016 17:20 Uhr

Es wird eine Begegnung von kirchengeschichtlicher Bedeutung: Papst Franziskus kommt mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. zusammen. Es ist die erste Begegnung zwischen Oberhäuptern der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche überhaupt.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Der Vatikan hat es spannend gemacht. Am Mittag bat Pressesprecher Federico Lombardi die akkreditierten Journalisten in den Pressesaal, er habe "etwas Wichtiges" mitzuteilen. Er hätte auch "etwas Historisches" sagen können: Am kommenden Freitag, so Lombardi, trifft Papst Franziskus in Kuba den Moskauer Patriarchen Kyrill I. - eine Premiere.

"Das Treffen ist wichtig, denn es ist nach Jahrhunderten das erste Mal, dass der Papst den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche trifft, also der Kirche, die die meisten Mitglieder in der Orthodoxie zählt", sagt Lombardi. "Deshalb ist dieses Ereignis auf dem Weg der Ökumene und des Dialogs zwischen den christlichen Konfessionen außergewöhnlich bedeutend."

Patriarchat grenzt sich ab

Die russisch-orthodoxe Kirche feiert Ostern | Bildquelle: dpa
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Der russische Präsident Putin und Patriarch Kyrill sind eng verbunden.

Jahrhundertelang herrschte zwischen Rom und Moskau Eiszeit. Vor allem seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion setzt das Patriarchat auf Abgrenzung. Die Errichtung von vier römisch-katholischen Diözesen in Russland empfand Moskau als Affront und warf Rom vor, orthodoxe Gläubige abzuwerben.

Weiterer Zankapfel: die Ukraine. Der Krieg dort ist auch ein Konfessionskonflikt: auf der einen Seite die mit Rom verbundene, unierte griechisch-katholische Kirche - auf der anderen Seite moskautreue orthodoxe Christen. Papst Franziskus hat sich in diese konfessionelle Auseinandersetzung nie eingemischt, nie Partei ergriffen und wiederholt seine Bereitschaft erklärt, den russischen Patriarchen zu treffen.

"Ich habe Patriarch Kyrill zu verstehen gegeben - und er ist einverstanden -, dass der Wille zu einer Begegnung besteht", sagte Franziskus."Ich habe ihm gesagt: Ich komme dorthin, wo du willst. Ruf mich, und ich komme. Und dasselbe will auch er."

Treffen auf neutralem Boden

Angesichts der belasteten Beziehungen muss die Begegnung der beiden auf "neutralem" Boden stattfinden. Spekuliert wurde immer wieder über einen Ökumenegipfel in Wien oder Budapest. Die Kubareise des Patriarchen und die lang geplante Mexiko-Visite von Franziskus boten nun Anlass und Ort für das Treffen. Kyrill und Franziskus haben sich für Freitagnachmittag Ortszeit am Flughafen von Havanna verabredet.

Dass ist ein Meilenstein in der Ökumene, findet der Außenbeauftragte des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion: "Das Treffen der Vorsteher der russisch-orthodoxen und der katholischen Kirche wurde lange Zeit vorbereitet. Es wird das erste in der Geschichte sein und eine wichtige Rolle in der Beziehung beider Kirchen spielen."

"Beten, dass es Früchte trägt"

Das Moskauer Patriarchat und der Heilige Stuhl wünschen sich, dass dieses Ereignis auch zu einem Symbol der Hoffnung für alle Menschen guten Willens werde, so Hilarion: "Alle Christen werden zu einem innigen Gebet aufgerufen, damit das bevorstehende Treffen, nach Gottes Willen, gute Früchte trägt."

Kyrill und Franziskus werden sich fast zwei Stunden Zeit nehmen für ein privates Gespräch. Danach ist eine kurze Zeremonie am Flughafen von Havanna geplant, bei der eine gemeinsame Erklärung unterschrieben wird. Nach etwa drei Stunden wird Franziskus nach Mexiko City weiterfliegen.

Papst Franziskus trifft russischen Patriarchen Kyrill
T. Kleinjung, ARD Rom
05.02.2016 16:24 Uhr

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